Mallorca – wie es sinkt und kracht… (Die Fort-Fort-Fortsetzung)

16. Oktober 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Frank Meyer) Wie immer um diese Zeit zieht auch auf Mallorca der Herbst auf, nur etwas wärmer als in heimischen Gefilden. Die Tage werden kürzer und die Erde lechzt nach einer fünfmonatigen Trockenzeit nach Wasser. In den letzten Tagen waren die Wettergötter gnädig und schickten ein paar derbe Gewitter übers Land, um danach schnell wieder den Sonnenball am Himmel aufzuhängen. Um die Inselbewohner haben sie sich nicht gekümmert.

Bei rund 25 Grad am Tag zieht es noch wieder viele Urlauber auf die Insel. Das Kindergeschrei der Pauschaltouristen hat abgenommen. Der „all-inklusive-Sektor“ stagnierte in diesem Jahr. Noch kommen die Deutschen ans Mittelmeer. Mit seinen 23 Grad lädt es oft noch bis in den November zum Baden ein. Inzwischen aber neigt sich die Saison dem Ende entgegen – gerade mal sechs Monate dauert sie. Diese sechs Monate sind für die arbeitende Bevölkerung wichtig, denn erst ab dieser Zeitspanne bekommen sie Arbeitslosenunterstützung, die zum Leben weder vorn noch hinten reicht. Was mir aufgefallen ist – viele Familien rücken wieder enger zusammen und leben von Einkommen eines einzigen Verdieners.

2012 – anders als sonst

Die Unruhen im nördlichen Afrika und im Osten der Mittelmeerregion haben den Reiseveranstaltern Rekordzahlen an Touristen beschert. Dennoch erholt sich die Wirtschaft nicht. Die Rezession hat schon im Sommer wieder die Insel erfasst. Die Urlauber geben statistisch mit rund 1.000 Euro pro Nase zu wenig Geld aus.

Letzte Woche roch es schon wieder nach verbrannten Palmwedeln und anderem Gartenunrat – ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Mandelernte seit September auf Hochtouren läuft – wenn sie läuft. Oft lohnt es sich nicht mehr, die Kerne von den Bäumen zu pflücken, denn die Kosten für das Personal sind höher als der Erlös aus dem Verkauf der Mandeln. Die mallorcinische Mandel wurde auf dem Markt längst von der kalifornischen Frucht verdrängt. Angeblich war es ein Mallorciner, der vor langer Zeit die Mandel nach Kalifornien als Geschenk mitbrachte. Inzwischen sank die Zahl der Bäume von geschätzten sieben auf vier Millionen. Vielleicht stehen die Bäume bald nur noch als touristischer Gruß zur Zeit der Mandelbaumblüte zur Verfügung. Dabei soll die mallorcoinische Mandel die beste der Welt sein, sagt man dort. Doch neben Mandelproblemen gibt es weit Schlimmeres…

In diesem Jahr geht die sogenannte Finanzkrise in ihr fünftes Jahr. Die Spuren davon lassen sich auf Mallorca trotz aller Sonne im Spätherbst nicht übersehen. Das meiste, was in den letzten Jahrzehnten auf der Baleareninsel mit seinen 870.000 Einwohnern erbaut wurde, steht auf Sand, finanziert zumeist mit Krediten, von denen immer mehr schlagend werden bzw. ausfallen, und damit die Kreditgeber, die spanischen Banken, in die Bredouille bringen. Kredite gibt es dort nicht mehr. Die Dinge gehen eben so lange gut, bis sie nicht mehr gut gehen, wobei das Ende nicht nur schmerzlich ist, sondern von den meisten auch zu spät erkannt wurde. Und als es passierte, gab es weder Hoffnung und Rettung – wenn man nicht zum erlauchten Kreis der Banken gehört. Und dann begann das, was man heute als „Bank – und Eurorettung“ nicht mehr aus den Schlagzeilen bekommt – und in diesem Jahr Spanien voll erfasst hat – und das völlig überraschend für Volkswirte und Analysten.

Statt Schulden jetzt auszubuchen, hat man den beschwerlichen Weg gewählt, die Schulden umzubuchen. So arbeitet die spanische Regierung daran, den Finanzmüll in eine Bad Bank zu schieben, begleitet von seltsamen Schlagzeilen, den „Müll“ zu „konservativen Marktpreisen“ an sich zu reißen. Es sollte keine Probleme geben, wenn die Bad Bank mit EU-Geldern bzw. denen aus den Rettungsschirmen abgesichert werden. Damit werden die Schulden über Europa verteilt und der Kontinent damit gezwungen, in Schulden vereint, zusammen zu wachsen – ganz nach Vorstellung Brüsseler Zentralplaner.

Vielleicht hegt der eine oder andere Retter die Hoffnung, eines Tages die Tür zur Müllhalde aufzusperren und festzustellen, wie aus einem Berg stinkender und lange nicht mehr bedienter Krediten ein Haufen Gold geworden ist. Später. Wenn eine Milliarde nur noch eine Kleinigkeit ist, findet man zwar auch kein Gold, dafür sind die Schulden nichts mehr wert. Und Guthaben auf der Insel haben meist nur die alten Familien, denen der ganze Grund und Boden gehört und die ihre Gelder immer wieder in Betongold stecken. Gold ist den Inselbewohnern fremd. Dabei war es früher zu anderen Zeiten anders.

Was Deutschland in den 70er und 80er Jahren gemacht hat, jenseits des Bedarfs der Leute investiert, kam in Spanien erst später mit dem vielen Geld seit der Einführung des Euro. Es hat ein ganzes Volk verrückt gemacht und sie stürzten sich in Schulden. Städte und Gemeinden bauten und rüsteten sich für noch mehr Touristen, als hätte der Erdball Milliarden davon.

Die 53 balearischen Gemeinden zählen ohne die Hauptstadt Palma rund 450.000 Leute. Ihnen stehen 73 Fussballflächen, 65 Sportanlagen, 11 Theater – und Kinosäle sowie 40 Freibäder und 21 Hallenbäder zur Verfügung – auf Mallorca! Man konnte damals nicht wissen, dass die Touristen lieber ins Meer gehen statt in Hallenbäder. Um allein die Hallenbäder kostenneutral betreiben zu können, müssten sie von jedem zehnten Mallorciner regelmäßig besucht werden. Der Unterhalt eines Bades kostet jährlich rund 600.000 Euro.

Die ganze Investitionstätigkeit erinnert an eine Party für 100 Leute, zu der nur zehn Leute kommen. Folgerichtig vergrößert man vorsorglich noch mal das Buffett und fährt weitere Spanferkel ein – und zeigt Postkartenfotos aus der Zeit des Überflusses an Krediten und Mitteln. Es gibt zu viele Hotels, etliche davon mit gewaltigem Investitionsstau, zu viele Läden mit zuviel Ware für zu wenige, die sich diese Waren leisten können. Nur die Propaganda über den Ernst der Lage spielt als Dauerberieselung aus den Zeitungen, die sich immer weniger Leute dort leisten...

Ein paar Zahlen

Die spanische Regierung hat sich ein Sparprogramm auf die Fahnen geschrieben, das es in sich hat, aber nichts bringt. Im spanischen Bildungssektor wurden die Zuschüsse um 17 Prozent und im Gesundheitssektor um ganze 23 Prozent gekürzt. Gleichzeitig wurde die Mehrwertsteuer auf 21 Prozent angehoben. Mit großer Verwunderung bestaunt man dann einen Einbruch der Einzelhandelsumsätze.

Die Immobilienpreise haben seit 2007 einen Sturzflug von 32,9 Prozent hingelegt. Warten Sie noch! 941 Milliarden Euro an Immobilienkrediten stehen noch offen, nur 77 Milliarden Euro weniger als im Dezember 2007. Wer weiß, wieviele Kredite nur noch Schrott sind? Geschätzte 200 bis 300 Milliarden.

235 Milliarden Euro sind in den ersten sieben Monaten außer Landes geschafft worden.

4,7 Millionen Spanier sind arbeitslos. Die Arbeitslosenquote liegt mit 25 Prozent auf Höhe eines armen Entwicklungslandes. Jedes dritte Kind lebt in Armut. Rentnern stehen statistisch gesehen monatlich 867,70 Euro zur Verfügung.

Die „Sparbemühungen“ der Regierung gipfeln in dem Fakt, dass für den Zinsdienst im kommenden Jahr 38,6 Milliarden Euro eingeplant werden, ein Plus von 9,7 Milliarden Euro – im Vergleich zu 2012 – dank höherer Zinsen. Da hilft es sicherlich, dass Lotteriegewinne ab 2.500 Euro jetzt mit 20 Prozent besteuert werden.

Die Geldumlaufgeschwindigkeit stockt. Trotzdem steigen die Preise weit schneller als hierzulande. Vielleicht sind einige Bücher über Geldtheorien doch mangelhaft erstellt oder entsprechen mehr den Wünschen als der Realität. Wer weiß? Auch Mallorca ist den globalen Preisen ausgesetzt und abhängig davon, dass die Leute in anderen Ländern genug verdienen, um sich auf die Baleareninsel auszumachen. Und viele hoffen darauf, dass es anderswo für diese Touristen ungemütlich oder gefährlich bleibt.

Erstaunlicherweise war der Oktober in der Tourismusbranche recht lebhaft. Der Flughafen zählte in den letzten Tagen rund 600 Flugbewegungen und 100.000 Passagiere – pro Tag. Das mag der Grund sein, dass aus den Abteilungen zur Verbreitung medialen Glücks die Überlegungen gediehen sind, die Hotels könnten in diesem Jahr unter Vollast durcharbeiten. Doch selbst im Tramuntara-Gebirge, wo nach dem ersten Regen die ersten Speisepilze sprießen und das Ende der Saison anzeigen, lachen sich die Waldgeister wieder mal schief und krumm, wenn sie das in einer der weggeworfenen Zeitungen lesen. Außer die Posaunen wirtschaftlichen Aufschwungs schaffen es, die Sonne am Himmel im Zenit festzutackern. Und wäre ein Wunder, wenn diese Pläne nicht auch noch in ihren Schubladen griffbreit lägen.

In den Sand gesetzt

Skandal! rufen gerade die Zeitungen. So wollte man einst einen großen Kongresspalast bauen. Kostenpunkt: 70 Millionen Euro. Davon stehen 32 Millionen noch aus. Aus Kostengründen hat man ihn nicht zu Ende gebaut und das für den Architekten fällige Honorar in Höhe von 9,9 Millionen Euro neulich erst beglichen. Und es gibt viele solche „Aufreger“. Das gehört zu einer Zeitenwende, wenn sich die Dinge versuchen zu bereinigen. Womöglich aber machen die Zentralplaner in Brüssel diesem Vorhaben bald einen Strich durch die Rechnung, indem sie noch mehr Investitionen befehlen. Man weiß ja nie, auf welche Ideen man da kommt, wenn die Leute noch unruhiger werden, als sie es ohnehin schon sind. Auf Mallorca ist es in dieser Hinsicht noch sehr ruhig.

Die Chefstrategen und Planer werden dennoch nicht ruhen, sondern ihr Werk des kurzfristigen Denkens und der damit verbundenen Zerstörung mit Erfolg anderswo fortzusetzen.

Wer die Insel kennt, der kennt auch die vielen kleinen Baustoffhandlungen, die aufgrund der Krise in der Immobilienbranche in Mitleidenschaft gezogen wurden. Also setzt die Inselregierung jetzt auf neue Investitionen, wie zum Beispiel auf die der Baumarktkette „Bauhaus“ – deren Preise dem bereits ansässigen Baustoffhandel den Garaus machen könnte. Auch der Media Markt hat in Palma Großes vor und schafft mindestens 100 Arbeitsplätze. Darauf haben sich dann 12.000 Leute beworben. Und da man bekanntlich Geld nur einmal ausgeben kann, selbst im Media Markt, werden die ansässigen Händler das an den Umsätzen schnell merken und ihrerseits ein Vielfaches an Personal „freisetzen“.

Man kann es wirtschaftlich drehen und wenden wie man möchte: Es gibt zu viele Kapazitäten, zuviel Waren, zuviel Idioten und Weltverbesserer, die die Lage noch schlimmer machen, indem sie sich einmischen. Von daher dauern heute Bereinigungen etwas länger – auch auf den Balearen. Und wenn kein Wunder geschieht, und es ist soweit ich es überschauen kann, auch keines in Sicht, hat der „Rückbau“ noch einen langen Weg vor sich. Und im Vergleich zum Festland hat es hier Mallorca vermutlich noch etwas besser.

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8 Kommentare auf "Mallorca – wie es sinkt und kracht… (Die Fort-Fort-Fortsetzung)"

  1. crunchy sagt:

    Einzig die Schönheit der Inseln bleibt.
    Mittlerweile sind wir soweit globalisiert, dass der umfallende Sack Reis weltweit Bedeutung hat.
    Was wenn Pandit und Havens (CEO und (!) COO der Citi)
    ihre Häuschen auf Malle anbieten? Kann dann das Bobbele, so, wie er es wohl erhoffte, dann doch noch ohne den bösen Finger aus seiner Malaise kommen?
    Da frage ich mal frech den investigativen, ortsansässigen (?) Journalisten: Wie hat der Becker das eigentlich gedreht, dass die Versteigerung von Son Coll eine halbe Stunde vor Beginn abgeblasen wurde?

  2. spanien sagt:

    Die 53 balearischen Gemeinden zählen ohne die Hauptstadt Palma rund 450.000 Leute. Ihnen stehen 73 Fussballflächen, 65 Sportanlagen, 11 Theater – und Kinosäle sowie 40 Freibäder und 21 Hallenbäder zur Verfügung – auf Mallorca!

    Mensch, da fehlt doch noch was!!! „Eurovegas“!!!
    Gruß aus Katalonien.

  3. spanien sagt:

    Hallo Frank Meyer,
    die Landschaft ist toll: http://costabravatrips.blogspot.com/

    die Katalanen pleite (nur die Chinesen Mafia nicht, die wird zur Zeit von der Polizei gejagt,da ist richtig Geld zu holen! Wenigstens ein Trostpflaster für dei Pleitegeier mit dem Namen Rathaus und Beförderungen bei der Polizei.
    Die „wirklichen Katalanen“ haben immer noch die Nase so hoch wie vor der Krise (es regnet rein) und unser lieber Athur Mas spielt eine doppelbödige Politik. Barcelona ist eine Chaos Stadt geworden und mehr als die Hälfte der Einwohner würden lieber heute als morgen woanders leben, aus dem Grund gibt es jedes Wochenende Karawanen in Richtung Costa Brava, neuerdings nimmt man den Zug, weil der Sprit so teuer geworden ist. So lässt man seinen tollen Jeep zu Hause mit dem Schild „Se Vende“, womit wir wieder beim Thema wären, die „Normalität“ im Keller.
    Aber später mal mehr davon.
    Gruß vom zur Zeit hohen Wellengang (ich meine das Meer) und den Zustand der Geschichte hier natürlich auch.

  4. spanien sagt:

    Im übrigen Mallorca wie es sinkt und kracht…
    Es könnte auch bald heißen: wie es trinkt und kracht..

    Fünf Erdbeben in Algerien-4.0-4.3-4.5-4.5-4.7 kann eine Gefahr für Mallorca werden

    In einer gemeinsame Studie im Jahre 2011 haben mehrerer spanische Universitäten Mallorca als zweithöchstes Risikikogebiet für einen Tsunami, nach Cadiz bewertet, wenn in Algerien die Erde bebt, ist die Gefahr hoch für Tsunamis auf Mallorca und auch für das spanische Festland, bestätigten die Experten und das Erdbeben von 2003 hat es auch klar gezeigt. Mit einer Stärke von 6.3 auf der Richterskala, etwa 20 Kilometer vor der algerischen Küste entfernt, bebte die Erde. Minuten später waren in der unmittelbaren Nähe des Epizentrums einige hundert Menschen ums Leben gekommen.
    Auf Mallorca zog sich innerhalb einer Stunde das Wasser auf 150 Meter zurück. Danach kam eine hohe Welle die auf 2-3 Metern geschätzt wurde und zerstörte alles was in unmittelbarer Strand und Hafennähe war. Dieses Beben spürte man sogar bis hoch in den Norden von Spanien an der Katalanischen Küste. Auch hier trafen Wellen ein. Heute haben wir in Algerien wieder vier Erdbeben, das höchste mit 4.7 auf der Richterskala. Die Spanier hatten bisher die Notwendigkeit eines Warnsystems an ihren Küsten nicht erkannt. Die letzte Zerstörung entlang der katalanischen Küste 2008 spricht ihre eigene Sprache.

    http://erbeben-earthquake-terremoto.blogspot.com/
    und auch:Tsunami Costa Brava 29.12.2008.mov

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