Mallorca: Die Immobilienblase grüßt noch…

24. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Die Redaktion der Zeitschrift „Bunte“ ist sich offenbar für nichts zu schade. Da prangte den Lesern der Ausgabe vom 7. August auf vier Seiten des redaktionellen Teils der geballte Reichtum von Carsten Maschmeyer in Gestalt einer Villa auf Mallorca entgegen, und weder das Wort „Anzeige“ noch Advertorial oder „PR-Artikel“ war dort zu lesen…

Der durch seine frühere Firma AWD, durch das – nennen wir es einfach freundschaftliche – Verhältnis zu Ex-Bundespräsident Christian Wulff und die Beziehung zur Schauspielerin Veronica Ferres auch einem breiten Publikum bekannt gewordene, von der „Bunte“-Konkurrenz „stern“ einst als „König der Klinkenputzer“ bezeichnete Finanzkaufmann muss sich da ins Fäustchen gelacht haben.

Warum? Erstens, weil der redaktionelle Teil mehr Glaubwürdigkeit vermittelt als jegliche Werbung oder Public Relations-Masche. Zweitens, weil der Preis für die Villa gleich über deren abgebildeten Dächern zu lesen steht: 38 Millionen Euro. Und drittens, weil das detailreich beschriebene, von innen und außen auf mehreren Fotos schön anzuschauende Anwesen in Puerto Andratx liegt, einem Ort, der gleichermaßen für Reichtum, Show und Schickimicki steht – aber auch für andauernden Baulärm, kaputte Straßen und Immobilien, die in besseren Zeiten schneller gedreht werden als Luxuslimousinen in Palma oder Yachten in den unweit entfernten Häfen Puerto Portals oder Port Adriano.

Die 38 Millionen Euro sind unzweifelhaft ein Phantasiepreis. Ich wollte es bei meinem jüngsten Mallorca-Besuch genauer wissen und andere Preise auf ihren Phantasiegehalt testen. Doch das Vorhaben erwies sich schnell als schwierig. Einzig zwei zusammenhängende, von Sotheby’s angebotene Villen in Bendinat kamen vom Preis her mit 25 Millionen Euro annähernd an das Maschmeyer-Anwesen heran. Im zweistelligen Millionenbereich fanden sich nicht mehr allzu viele Luxusobjekte, obwohl ich Angebote führender Mallorca-Makler wie Kühn, Minkner, Engels & Völkers, First Mallorca, Dost, Dahler u.a. unter die Lupe nahm. Dafür wimmelte es im einstelligen Millionenbereich vor Angeboten so, als wollten sich alle Eigentümer von Luxusimmobilien auf einmal vom Baulärm und von den kaputten Straßen verabschieden.

Keine Frage, Puerto Andratx, wegen der vielen dort residierenden Angeber auch „Düsseldorfer Loch“ genannt, ist mehr als nur ein Ort mit Hafen (aber ohne einen Strand, der diese Bezeichnung verdienen könnte), Puerto Andratx ist ein Phänomen – und wie alle anderen Wohnimmobilien auf Mallorca ganz nebenbei das Gegenteil einer Steueroase. Lutz Minkner, seit gut drei Jahrzehnten als Makler auf der Insel tätig, zählt unter anderem auf: 10 Prozent Mehrwertsteuer auf den Kaufpreis fallen an, wenn Bauträger Häuser oder Wohnungen verkaufen (und sogar 21 Prozent beim Verkauf unbebauter Grundstücke); hinzu kommen 1,2 Prozent Stempelsteuer. Wer aus zweiter Hand kauft, muss je nach Objektwert 8 bis 10 Prozent Grunderwerbsteuer berappen, aber keine Stempelsteuer. Wer verkauft, unterliegt einer kompliziert zu berechnenden saftigen Wertzuwachssteuer. Je nach Objekt und Käufer bzw. Verkäufer gibt es noch Quellen-, Gewinn-, Einkommen-, Vermögen-, Erbschaft- und Schenkungsteuer.


Ist das alles schon schlimm genug, so drohen darüber hinaus häufig Änderungen der Steuergesetze. Das ist jetzt wieder der Fall; durch eine umfangreiche Steuerreform soll es den Eigentümern von Immobilien ans Portemonnaie gehen. Minkner, der die 4. Auflage seines Standardwerks „Immobilien-Ratgeber Spanien“ plant, resigniert erst einmal: „Kaum ist eine Vorschrift veröffentlicht, wird sie schon wieder aufgehoben.“ Also kann ich Ihnen keinen konkreten Rat geben, egal ob Sie ein Objekt kaufen oder verkaufen wollen – außer der Empfehlung, einen kundigen Steuerfachmann, Juristen, Makler oder sonstigen Experten Ihres Vertrauens heranzuziehen. Im Zweifel hilft Ihnen ein Mitglied der Deutsch-Spanischen Juristenvereinigung (Internet: dsjv-ahaj.org).

cover_gUnabhängig von Puerto Andratx stellt sich generell die Frage, ob ein Haus oder eine Wohnung auf Mallorca den finanziellen Aufwand lohnt. Die Preise, die vor etwa sieben Jahren ihren völlig überzogenen Höhepunkt erreicht hatten, sind nämlich vielfach noch nicht tief genug gefallen. Und dass man wegen des Mittelmeerklimas, wegen der vielen Golfplätze oder einfach nur aus spekulativen Gründen zugreifen sollte, gehört eher zur Maklerprosa als zum realen Leben. Abgesehen davon kann das Wetter auf der Insel während der Nebensaison manchmal genauso scheußlich sein wie in Deutschland.

Wer trotz allem mit einem Immobilienkauf dort liebäugelt, sollte ganz viel Zeit für die Suche investieren. Kommt ein Objekt in die engere Wahl, empfiehlt sich nach dem Auskundschaften der Umgebung und nach Gesprächen mit potenziellen Nachbarn soweit möglich auch das Probewohnen zur Miete. Am besten in der Haupt- und in der Nebensaison, zum einen wegen der zeitweise großen Hitze und wegen des möglichen Lärms, zum anderen wegen des immer wieder mal unbeständigen und kalten Wetters (weshalb eine Heizung dringend geboten ist). Und was die Lage Ihres möglichen Traumhauses betrifft: Es gibt auch anderswo als in Puerto Andratx tolle Anwesen zu kaufen, und das bei vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnissen statt zu spekulativ hochgetriebenen Millionenpreisen.

Manfred Gburek – Homepage



 

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2 Kommentare auf "Mallorca: Die Immobilienblase grüßt noch…"

  1. spanien sagt:

    Das gilt nicht nicht nur für Mallorca ! Im übrigen werden zur Zeit an der Costa Brava Immobilien im „Pack-Verfahren“ gekauft. Es gibt ausländische Firmen, die haben mehr als 4000 Häuser und wissen noch ncht einmal wo sie stehen, haben zum Teil noch nicht mal korrekte Adressen, keine Grundbesitzbriefe. Das Motto: “ Die Ramschware Immobilie verkaufen für uns die einheimischen Banken!. Also Augen auf beim Kauf!!!

    http://spanien-erleben.blogspot.com.es/2014/08/man-braucht-schon-referenzen-um-ein.html

  2. David sagt:

    Wir haben unser Haus seit 7 Jahren an Mallorcas Ostküste und würden dies für kein Geld der Welt verkaufen. Das Klima, unser Garten, der Pool, das Gefühl mediterraner Lebensform, die Ruhe, die Spanische Küche, die Vorfreude dem deutschen Großstadtwahn für eine Zeit zu entkommen, uvm. hat dies für uns zu einem Refugium reiner Lebensfreude gemacht. Es geht nicht um Wertsteigerung, Vermietbarkeit, Golfplatznähe, Meerblick und der ganze andere Unsinn. Abschalten und sich auf Mallorca besinnen wie wenig der Mensch eigentlich braucht und sich der Hetze Deutschlands zu entkommen

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