Mallorca 2014: Seniora Schatulla plündert Urlauber

2. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Deutsche können nicht rechnen. Und Spanier lügen. Es sind die Worte unseres Herbergsvaters beim Wiedersehen auf Mallorca. Er kann sich das leisten zu sagen, denn er ist Brite. Seien Sie durchaus versichert, die Briten verstehen sich in Beidem……und so schaue ich mich wieder auf Mallorca um, der Insel, „wie sie sinkt und kracht„. Das war die Überschrift meiner Kolumne in den letzten Jahre. Zuletzt standen die Zeichen auf Zuversicht. Was ist daraus geworden?

Kaum etwas hat sich geändert. Nur das Wetter ist weiterhin die einzige Konstanz auf dieser zauberhaften Insel und berechenbarer als DAX, Politik und Fußballergebnisse. Aufschwung und Abschwung tanzen weiterhin auf Mallorca Ringelrein.

Mallorca ist eine Art von Wegwerfinsel. Millionen Menschen jährlich hierher gebracht. Sie nehmen dort allerhand zu sich und geben noch mehr von sich. Wenn sich deren Hautfarbe nach ein paar Tage in Richtung braun oder rot verändert hat, hauen sie wieder ab. Wichtig ist, dass die Geld auf der Insel lassen und damit die Geldumlaufgeschwindigkeit am Laufen halten. Alte Inselregel: Selbst wer reich nach Mallorca kam, flog später dann ärmer ab.

In den Ballerburgen ist es mal lauter und mal leiser, nur hat die Zahl der verbimmelten Fluggäste, die dem Piloten hinter seiner schalldichten Tür bei der Landung applaudieren, endlich etwas abgenommen. Die Erzeugung dieses Geräusches nach der Landung hat Tradition. Alles andere wäre etwas unglücklich. Traditionen sind Traditionen. Wann haben Sie das letzte Mal am Ende einer Bus – oder Zugfahrt applaudiert? 

Nichts besser als Fliegen

Eigentlich fliege ich ja nur aus Umweltschutzgründen nach Mallorca. Es hilft der Klimabilanz, wenn ich es richtig verstanden habe. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) feiert in dieser Hinsicht auch 2014 neue „Effizienzrekorde“. Für 100 Kilometer verbraucht ein Flugzeug pro Passagier nur noch 3,68 Liter Kerosin, teilt der Verband mit. Von Frankfurt nach Palma de Mallorca beträgt die Entfernung 1.500 Kilometer, was mit rund 55 Litern Treibstoff zu Buche schlägt. Zusammen mit den anderen 400 Leuten im Flieger wurden 22.000 Liter Kerosin zum Wohle des Umweltschutzes verbrannt. Fluggesellschaften werben ja damit, dass sie für die Umwelt und gleichzeitig um jeden Passagier kämpfen. Wegen des Wachstums…

Soweit ich weiß, wollen die meisten Leute nach einigen Tagen auch wieder nach Hause. Der Schutz der Umwelt wird so mit weiteren 22.000 Litern unterstützt und erfreut die Klimabilanz. Zudem kann man mit einem sparsamen Mietauto die Umwelt auf der Insel zusätzlich nach vorn bringen. Seltsam, wenn wirtschaftliche Ziele über allen anderen Dingen stehen.

Die Zentrale für mediale Glückseeligkeit aus dem Tourismussektor wurde wie gewohnt auch in den letzten Monaten nicht müde, ihre großen Aufschwünge anzukündigen. Wahrscheinlich fällt der Boom auch 2014 wieder aus. Seit Januar hieß es, die Baleareninsel werde in diesem Jahr regelrecht von Urlaubern überrannt. Die Buchungszahlen sähen phantastisch aus. Der Flughafen hat sich auf weitere Rekorde eingestellt. Man musste den Eindruck gewinnen, schon im Januar seinen Platz fest buchen zu müssen. Und so geschah es.


Reingefallen!

In Palma de Mallorca angekommen, war es entgegen aller Erwartungen relativ normal. Auch auf dem Straßen. Mit nüchternem Auge vor Ort betrachtet, war es Ende Juni gar nicht so voll wie offiziell gewünscht. Der Einzelhandel startete auch dieses Jahr wieder optimistisch in die Saison. Kaum aber hat diese begonnen, kamen Klagen.

Im Juni sind die Umsätze nur um zwei Prozent gestiegen, was bedeutet, dass weniger Volumen zu höheren Preisen verkauft wurde. Deshalb startete schon am 1. Juli der Sommerschlussverkauf, jetzt, wo die Sonne am höhsten steht. Die Erklärung der Händlerverbandes Pimeco ist eine Einfache: Als einer der Gründe wird die miese Lage in den Kassen der Einheimischen angegeben. Oha! Und das auf einer Urlaubsinsel! Zum anderen wird das geringe Interesse der Urlauber an Kleidung für die heiße Jahreszeit ins Feld geführt. Zum Glück kommt Mitte Juli endlich die Herbstkollektion in die Läden. Touristen werden bei dann 35 Grad von Mitte Juli bis Ende August erhebliche Lust auf Herbstkleidung verspüren. Irre, aber das ist eine offizielle Meinung aus der Zentrale zur Steigerung der Kauflust. Hoffnung stirbt bekanntlich immer zuletzt. Leider füllt Hoffnung bislang noch keine Kassen.

Im Mai kamen 2,5 Millionen Passagiere auf die Insel, 0,1 Prozent mehr als im Mai 2013, teilte die staatliche Flughafen-Betreibergesellschaft Aena mit. Das ist übrigens der weltweit größte Flughafenbetreiber mit einer Beteiligung an 46 Flughäfen im In – und Ausland. Im letzten Jahr schrieb Aena erstmals einen Gewinn. Der spanische Staat möchte sich nun von 49% an Aena trennen und erhofft sich damit Einnahmen von 2,2 Milliarden Euro. Dabei wird der Börsenwert auf 16 Milliarden Euro geschätzt bei einem Schuldenberg von 11,5 Milliarden Euro. Spanische Verhältnisse eben… (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Mallorca 2014: Seniora Schatulla plündert Urlauber"

  1. matt06 sagt:

    Ist im schönen Österreich auch nicht viel anders ausser das die Immo-Preise ins unermessliche steigen,(also noch in Blase).Das weniger an Gästen kompensiert man durch den steigenden Preis,auch wenn es nicht gerechtfertigt ist,die Verschuldung bei den Banken ist bei fast allen so hoch das es nicht anders geht!So geht Tourismus heute….bis es halt nicht mehr geht.

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