Making yields great again!

16. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Herwig Weise

Die versprochene US-Zinsnormalisierung

Nachdem der US-Notenbankchef Ben Bernanke die Leitzinsen während der Finanzkrise im Dezember 2008 als „temporäre Maßnahme“ auf de facto Null Prozent festgesetzt hatte, dauerte es am Ende ganze vier Jahre bis er überhaupt erstmals die Möglichkeit einer geldpolitischen Wende andeutete. Doch es mussten noch knapp zwei weitere „Zinswendejahre“ vergehen, ehe seine Amtsnachfolgerin Janet Yellen im Dezember 2015 als Beweis ihres „Vertrauens in die US-Wirtschaft“ endlich auch eine erste Anhebung des Leitzinses um marginale 0,25%-Punkte wagte.

Ständige Fehlprognosen

Obwohl aber die Fed-Chefin mit der gleichzeitigen Ankündigung vier weiterer Zinsschritte im Jahr 2016 schon das „Ende einer außergewöhnlichen Periode“ ausrief, und ihr die US-Statistikbehörden über das Jahr hinweg auch eine solide laufende US-Wirtschaft bescheinigten, riskierte sie nur eine weitere Zinsanhebung um minimale 0,25%-Punkte im Dezember 2016. Gemäß ihrer Prognose will sie im Jahr 2017 nun aber deutlich mehr Engagement zeigen, sollen doch drei weitere Zinsschritte erfolgen, um die US-Leitzinsen bis Ende 2019 auf das von der Fed avisierte Ziel von 3% hochzuführen.

Grundsätzlich hat die Fed jetzt auch alle Argumente auf ihrer Seite, die dauerangekündigte Zinswende zügig voranzutreiben. Schließlich herrscht am US-Arbeitsmarkt laut offizieller Statistik Vollbeschäftigung, und auch die von der US-Notenbank so sehr herbeigesehnte Teuerung scheint sich gemäß staatlicher Berechnungen auch offiziell einzustellen (November 2016-CPI: +1,7% zum Vorjahr). Diese sollte sich im laufenden Jahr sogar weiter verfestigen, lassen doch allein schon die in den letzten Monaten rasant gestiegenen Rohstoffpreise deutlich höhere Teuerungsraten erwarten. Erfüllen sich darüber hinaus auch noch die Hoffnungen auf ein verschuldungsintensives Trump´sches „Konjunkturwunder“, dann dürften auch die bereits schon stark gestiegenen Inflationserwartungen in den USA weiter anziehen.

Märkte erwarten steigende Inflation

Spätestens dann wäre die US-Notenbank einem enormen Handlungsdruck aussetzt, zeigen doch die 1970er-Inflationsjahre, dass ein erst einmal frei gelassener „Inflationsgeist“ selbst mit extremen Zinsschritten nur schwer wieder einzufangen ist.

Zwar scheint eine ihren Namen gerecht werdende Zinswende in den USA von dieser Seite betrachtet nur noch eine Frage der Zeit zu sein, doch haben die Finanzmathematiker der Notenbank bis heute nicht verraten, wie sowohl die US-Regierung als auch die rekordhoch verschuldeten Unternehmen und die bis zur Halskrause verschuldeten US-Konsumenten überhaupt mit der seit dem Jahr 2013 gebetsmühlenartig verbreiteten „Vision“ einer Zinsnormalisierung umgehen sollen.

Fakten verschwinden nicht, auch wenn man sie ignoriert!

Denn nachdem Präsident Obama in den acht Jahren seiner Regentschaft mit 9.335 Mrd. USD an neuen „yes we could“-Schulden beinahe genauso viele Verbindlichkeiten anhäufen konnte, wie alle 43 Präsidenten in 220 Jahren vor ihm zusammen, ist das aktuelle Verschuldungsproblem der US-Regierung unglaubliche 19.964 Milliarden USD schwer! Trotz dieser beispiellosen Schulden-Orgie stiegen die staatlichen Zinszahlungen jedoch nicht etwa an, sondern die per Notenbankplanwirtschaft künstlich reduzierten Zinsen sorgten dafür, dass die Zinszahlungen auf den staatlichen Schulden-Mount-Everest mit zuletzt 432 Mrd. USD sogar noch deutlich unter den Zinszahlungen des Jahres 2008 (451 Mrd. USD) lagen!

 

Sollten die US-Zinsen in Zukunft aber – ob nun von der Fed festgelegt oder vom Markt gefordert – lediglich um nur einen Prozentpunkt ansteigen, so würde die Zinslast mittelfristig allein schon durch Refinanzierung alter Schulden um bis zu 200 Mrd. USD anwachsen, dieser „Zuschlag“ würde auch noch knapp 10% der tatsächlich verfügbaren Steuereinnahmen (Fiskaljahr 2016: 2.152 Mrd. USD) verschlingen! Noch viel dramatischer wären hingegen die Folgen einer „Normalisierung“ der Zinsen auf den 200-jährigen US-Zinsdurchschnitt von knapp über 5%, gingen doch dann etwa 67% der staatlichen Steuereinnahmen allein nur für den – unbezahlbaren – Schuldendienst drauf!

Doch während die „Mathematikgenies“ in der Fed steigende Zinsen – jedenfalls nach ihren Verlautbarungen – für einen problemlos gangbaren Weg halten, zeigt zumindest einer, der designierte US-Präsident Donald Trump, etwas mehr Realitätssinn. So schätzte der selbst ernannte „King of debt“ in einem CNN-Interview im Mai 2016 allein nur die resultierenden Konsequenzen eines 1%-Zinsanstiegs in den USA bereits als „verheerend“ ein, was mit Blick auf die 47.000 Milliarden USD an Gesamtverschuldung der USA und einer vom steten Verschuldungswachstum komplett abhängigen US-Wirtschaft kaum übertrieben scheint. Sollten die Zinsen hingegen sogar um 2, 3, oder 4% steigen, ist die Sachlage für Trump eindeutig: „Wir haben dann keinen Staat mehr!“

Angesichts der Tatsache, dass die Zinsen in den Industrieländern zur (vermeintlichen) Überwindung der 2008 ausgebrochenen Finanzkrise nicht nur auf 5.000-Jahre-Tiefstände abgesenkt wurden, sondern parallel die Verschuldung, die Ursache der Krise (!), weltweit inzwischen auf niemals mehr real rückzahlbare 217.000 Milliarden USD aufgebläht wurde, muss jedem klar sein, dass deutlich steigende Zinsen eine Krise heraufbeschwören würden, welche das auf Kredittreibsand gebaute Finanzsystem mehr als nur erschüttern würde!

Letztlich ist deshalb davon auszugehen, dass die Notenbanken schmerzhafte Zinsanstiege auf Dauer nicht zulassen werden wollen, und die „Helden der Krise“ weiterhin den Weg des geringsten Widerstandes, sprich Gelddrucken, beschreiten werden. Am Ende wird damit für unsere heutigen Kreditgeldsysteme das gelten, was für ausnahmslos alle zuvor gescheiterten ungedeckten Papiergeldsysteme auch galt:

„Geld lässt sich beliebig vermehren – so lange gar, bis ein jeder Millionär ist. Nur hört es dann auf, Geld zu sein!“

© Herwig Weise  Homepage von Mack & Weise

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