Macht und Geld sind „trennbar“

12. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Egon Wolfgang Kreutzer

Das unlösbare Problem, um das es geht, ist die Unfähigkeit der Politiker, sich aus vermeintlichen Sachzwängen zu lösen und einfach anzufangen, vernünftige Politik zu machen. Dieses Problem ist weder durch Wahlen zu lösen, noch durch Parteien, es ist nicht durch Demonstrationen zu beseitigen und schon gar nicht durch Petitionen…

Dieses Problem, in dessen Behebung der Schlüssel für wachsenden Wohlstand in dauerhaftem Frieden liegt, hat sich bisher allen Anstrengungen, es zu beseitigen, unerschütterlich widersetzt. Selbst große Revolutionen, wie zum Beispiel die Französische, haben nichts anderes hervorgebracht, als neue unfähige Politiker, die – in vermeintlichen Sachzwängen gefangen, nicht aufhören, unvernünftige Politik zu machen.

Wir erleben, dass die alte westliche Brüderschaft beginnt, in sich zusammenzufallen, während China, im Verein mit Russland und einer ganzen Reihe weiterer Staaten im Aufwind ist. Im Westen sollen mit Freihandelsabkommen und Schiedsgerichten die Unternehmen und ihre Anwaltskanzleien die Macht übernehmen und für die 100 Familien, denen dieser Teil der Welt gehört, die Anweisungen an die gewählten Marionetten in den Einzelstaaten weiterleiten. Zugleich wird verbal und militärisch aufgerüstet, gegen einen Feind der schon allein wegen der schieren Zahl der Menschen und wegen der riesigen Landflächen, auf denen sie sich verteilen, nur mit einem atomaren Schlag zu besiegen wäre, der stark genug ist, den ganzen Planeten auf Jahrtausende für höheres Leben, so wie wir es gewohnt sind, unbewohnbar zu machen.

Das Verhältnis des uns beherrschenden Bündnisses der Macht zur Bevölkerung unterscheidet sich qualitativ nicht mehr von Nigeria, Uganda, Vietnam oder China. Nur quantitativ gibt es noch Unterschiede, doch auch die verwischen allmählich.

Wo also ist die Lösung?

Die Lösung findet sich häufig schon, wenn man den Versuch unternimmt, das Problem möglichst genau zu beschreiben. Oft zerfällt es dabei ganz von alleine in zwei, drei oder noch mehr lösbare Teilprobleme. Wenn wir nicht in den alten Fehler zurückfallen wollen, die einigermaßen glücklichen Zustände der vorbeschriebenen Phase 1 durch einen großen Krieg wieder herzustellen, der keine Lösung ist, sondern nur eine neue Runde des gleichen Spiels einläutet. Gilt es, die drei Teilprobleme zu erkennen, die sich gegenseitig stützen und stabilisieren, und alle drei – in etwa gleichzeitig – aufzulösen.

Bei diesen drei Teilproblemen handelt es sich um kollektive Irrtümer, die so tief verwurzelt sind, dass einfach niemand glaubt, es mache Sinn, sie noch einmal zu hinterfragen.

Irrtum 1: Geld regiert die Welt.

Irrtum 2: Eigentum ist unantastbar.

Irrtum 3: Demokratisch gewählte Regierungen sind zu allem, was sie tun, auch legitimiert.

Ich setze dem entgegen:

Geld und Macht können voneinander getrennt werden.
Eigentum ist nicht gleich Eigentum.
Die Verfassung ist der äußerste Rahmen legitimen Regierungshandelns. Diesen Rahmen bestimmt in einer Demokratie das Volk.

Zu jedem dieser drei Teilprobleme wird es in den nächsten Wochen einen eigenen Paukenschlag geben, in dem auch die darauf anwendbaren Lösungen aufgezeigt werden.

Die erste Lösung

Macht und Geld sind „trennbar“

Die Realität scheint diesen Satz in jeder Sekunde und an jedem Ort der Welt zu widerlegen. Zu oft und immer wieder haben wir erlebt, wie Einzelschicksale und das Wohl und Wehe ganzer Nationen unauflöslich an jene Macht geknüpft sind, die vom Geld ausgeht. Dieses von den meisten als „unheilvoll“ wahrgenommene Phänomen, dass Geld zugleich auch Macht bedeutet, während kein Geld zu haben, ohnmächtig macht, zerfällt jedoch bei genauerer Betrachtung in zwei auch unabhängig voneinander existierende Bestandteile. Den Weg der Erkenntnis vom Geld her zu beschreiten, ist erfolgversprechender, als von der Macht herzukommen. Macht ist schießlich in unserer Erfahrung immer mit Geld im Bunde.

Geld bedeutet jedoch keineswegs immer auch Macht!

Wer mit seinem Einkommen einigermaßen auskommt und sich zur Erfüllung seiner Bedürfnisse und Wünsche eines Zahlungsmittels bedient, hat deshalb doch keine Macht. Niemand betritt einen Supermarkt, hält dem Personal drohend einen Hundert-Euro-Schein unter die Nase und verlangt aus einer Machtposition heraus die Herausgabe von Waren, wie man es von einer „Macht“ erwarten könnte.

053057866062Im normalen, täglichen Leben, auch an Feiertagen, im Urlaub, ja selbst im Verhältnis zum Sherpa im Mount Everest Massiv, stellt Geld kein Machtinstrument, sondern ein nahezu perfektes Werkzeug dar, mit dem sich zum Beispiel die vor Wochen an einem Ort X geleistete Arbeitsstunde an einem Ort Y in ein dort zubereitetes Abendessen verwandeln lässt. Nirgends gibt es dabei auch nur einen Hauch von Machtausübung, Zwang oder Beherrschung.

Sie erkennen natürlich die Lücke in dieser Argumentation. Erkennen den Vorhang, der das Geschehen im Hintergrund verbirgt. Denn wer an einem Arbeitsplatz als Angestellter Geld verdienen will, muss zugleich dem Arbeitgeber Macht über sich einräumen. Macht über die Verwendung der eigenen Zeit, Macht über die Verwendung von geistigen über körperlichen Fähigkeiten, Macht selbst über den eigenen Charakter, der fast überall nach dem Willen des Arbeitgebers, zumindest während der Berufsausübung, verbogen werden muss.

Hier zeigt sich, dass „Gelderwerb“ für die meisten Menschen eine bittere Notwendigkeit darstellt, weil sie sich Geldforderungen gegenüber sehen, die erfüllt werden müssen, um zu überleben, bzw. um jenes Maß an Wohlstand zu genießen, dass sie sich leisten können wollen. Dies wiederum führt jedermann ohne Nachdenken auf die Aussage zurück, dass, wer sich etwas leisten will, zuerst etwas leisten muss.

Stimmt. So sollte es sein. Wenn dem in jedem Fall so wäre, ginge es uns allen, die wir etwas leisten, um uns etwas leisten zu können, ungefähr doppelt so gut, Wir könnten uns ungefähr doppelt so viel leisten, von dem was wir leisten, gäbe es nicht auch solche, die produktiv überhaupt nichts leisten und sich dennoch leisten können,was immer sie wollen, ohne jemals auch nur entfernt in Gefahr zu schweben, dass ihnen das Geld ausginge.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen ist kurz auf den Punkt gebracht:

Die einen brauchen immer wieder Geld, die anderen haben es, bzw., können es immer wieder herstellen. Solange dieser Zustand beiden Gruppen als selbstverständiich erscheint, vor allem, solange jene, die immer wieder Geld brauchen, in dem Irrtum gefangen sind, sie müssten nur intensiv genug mitspielen, um den Sprung von der einen zur anderen Gruppe zu schaffen, wird sich daran auch nichts ändern.

Das System gleicht einer Lotterie. Zwei Millionen Spieler werfen einen Euro Einsatz in den Topf – und ein Gewinner holt die Million heraus, Vater Staat freundlicherweise die andere – und schon ist der Topf wieder leer. Damit zwei Gewinner eine Million erhalten können, müssen sich entweder vier Millionen Mitspieler finden, oder die zwei Millionen Spieler müssen ihren Einsatz verdoppeln. Die Grenzen des Systems werden ganz schnell sichtbar. Die Chance, zu gewinnen, wächst mit der Erhöhung des Einsatzes nicht – und wo beim Glücksspiel zumeist noch der Zufall eine Rolle spielen darf, ist er beim Machtspiel um das Geld vollständig dem Kalkül der Mächtigen gewichen. Der Zufall spielt nur noch da mit, wo die Krümel von den Tischen der Mächtigen fallen.

Wir stehen damit vor dem Problem der gezielt herbeigeführten „Knappheit“ des Geldes, die zum Teil durch die ungleiche Verteilung, zum Teil aber auch durch die Strategien der „Herren des Geldes“ bedingt ist. „Herren des Geldes“ sind primär die Banken. Die Banken entscheiden durch großzügige oder restriktive Kreditvergabe darüber, ob mehr oder weniger Geld in Umlauf kommt.

„Herren des Geldes“ sind sekundär aber auch jene Mitmenschen, denen es gelingt, stets deutlich mehr Geld einzunehmen, als sie ausgeben, jene also, die „Geldvermögen“ bilden und damit Liquidität stillegen. Dass die „Herren des Geldes“ oft genug in beiden Rollen zugleich auftreten oder sich symbiotisch verbünden, würde die ungeheuerliche Macht des Geldes noch nicht völlig erklären. Für die Wirksamkeit dieser Macht, den Geldhahn nach Belieben auf- und zudrehen und Geld nach Belieben aus dem Verkehr zu nehmen, kommt es zwingend noch darauf an, dass sie, ähnlich wie die Bibel im ersten Gebot, ihr Geld erklären lassen:

„Ich bin der Euro, dein Geld. Du sollst keine anderen Währungen haben neben mir.“

Erst dadurch, dass eine Währung einen Währungsraum für sich alleine beansprucht, dass sie alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel ist, und sich die Gläubigen und die Gläubiger eisern daran halten, wandelt sich das Geld von einem nützlichen Werkzeug zu einem Repressions-Instrument in der Hand der Mächtigen.

Sie bestimmen mit der Verfügbarkeit des Geldes darüber, zu welchen Preisen und in welchem Umfang die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung eines Währungsraumes ausgeschöpft werden kann, indem sie schlicht das Verhältnis der verfügbaren Geldmenge zur erforderlichen, bzw. optimal bemessenen Geldmenge nach ihren Vorstellungen einstellen, und damit Löhne und Arbeitslosigkeit ebenso bestimmen, wie Preise und Lebensstandard, ohne auch nur irgendwo selbst als Verhandlungspartner in Erscheinung treten zu müssen… (Seite 2)




 

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4 Kommentare auf "Macht und Geld sind „trennbar“"

  1. Jochen Lauxmann sagt:

    Gratuliere!
    Ein interessanter Ansatz der mich sehr zum Nachdenken motiviert.
    Danke dafür
    Grüsse
    JL

  2. Klose sagt:

    Mein Gott – wozu die vielen Worte!
    Entscheidend geht es nur um ein sich in einem wirklichen freien Markt bildendes Tauschmittel, das nicht beliebig vermehrbar/manipulierbar ist u. das von allen Marktteilnehmern freiwillig(!) als werthaltig akzeptiert wird.
    Und das wird naturgemäß letztlich wieder Gold und Silber sein.
    Und damit würde sich der Machtmißbauch auch von selbst erledigen.
    Mises, Hayek etc. haben den Weg zu einem werthaltigen Geld alle längst grundlegend aufgezeigt.
    Jagt die Spielkasinos (Zentralbanken u. deren korrupte Büttel) doch
    schlicht zum Teufel!

  3. Insasse sagt:

    „Wer zu dem Schluss kommen sollte, wir seien längst Knechte und Leibeigene, sollte die sich bietende Gelegenheit, die Fesseln zu sprengen, wahrnehmen, bevor er sich ein Leben in Freiheit gar nicht mehr vorstellen kann.“

    Ich glaube, hier liegt derzeit das Kernproblem, welches die Umsetzung solcher Ideen verhindert. Die meisten Bürger in diesem Land fühlen sich nicht (längst) als Knechte und Leibeigene, sondern als freie Bürger. Auch, wenn sie es defacto längst nicht mehr sind. Das System vermittelt Ihnen auf sehr perfide Weise diesen Eindruck und sie glauben (noch) daran. Solange Brot und Spiele für die Mehrheit erschwinglich sind, besteht für die allermeisten Menschen keine Notwendigkeit, sich mit Entwicklungen, die ihnen künftig zum Nachteil gereichen werden oder sogar schon zum Nachteil gereichen, auseinanderzusetzen. Es obsiegt einfach die ordinäre Bequemlichkeit. Nachdenken und Alternativlösungen zu entwicklen, zu verfolgen und zu korrigieren ist nunmal viel Arbeit. Und die scheut der Durchschnittsbürger mittlerer Art und Güte soweit er kann. Solange es den Menschen aus ihrer Perspektive also noch „ausreichend gut“ geht – und dieser Umstand ist bekanntlich relativ – werden sie sich keinen Alternativsystemen zuwenden, da der Aufwand aus ihrer Sicht nicht verhältnismäßig zum (unbekannten) Erfolg ist.

    Anders und kürzer ausgedrückt: Die Zeit ist noch nicht reif. Herr Kreuzer, Sie sind der Zeit so gesehen noch weit voraus. Trotzdem natürlich vielen Dank für die interessanten Gedankengänge.

    Ein schönes Wochenende aus der Anstalt vom Insassen

  4. FDominicus sagt:

    und man könnte sogar für jemanden wählen der das im Programm so stehen hat – Betonung liegt auf „könnte“….

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