Machine Wars: Schöne kranke Welt!

10. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Ronald Gehrt  Es geht die Mär in den Medien um, dass die US-Arbeitsmarktdaten die Basis einer erfolgreichen Trendwende der Aktienmärkte nach oben gewesen seien. Meiner Ansicht nach ist diese Argumentation durchaus teilweise richtig. Worte wie „dass“, „die“ und „nach oben“ würde ich ohne Wenn und Aber stehen lassen. Der Rest ist Käse…

Zunächst mal waren die Arbeitsmarktdaten nicht gut. Wenn man bedenkt, dass die Zahl der neu geschaffenen Stellen für den Vormonat April um genau die Größenordnung nach unten korrigiert wurde, in welcher das Ergebnis für den Mai über den Prognosen der Analysten lag … und zur Kenntnis nimmt, dass ein Stellenzuwachs von 175.000 nur marginal über dem liegt, was in den USA monatlich erforderlich wäre, um alleine die Arbeitslosenzahl zu halten … wenn man bedenkt, dass die Arbeitslosenrate unerwartet von 7,5 % auf 7,6 % angestiegen ist … wenn man realisiert, dass die durchschnittlichen Stundenlöhne nicht gestiegen sind, obwohl damit gerechnet wurde – und das ein weiterer Schlag ins Kontor der schwindenden Kaufkraft der US-Bürger ist … waren die Zahlen bestenfalls leidlich, eher aber enttäuschend. Auf der anderen Seite waren sie nicht schwach genug, um die Ängste zu beschwichtigen, dass die US-Notenbank tatsächlich noch im Laufe dieses Jahres das Sauerstoffzelt in Form massiver Anleihekäufe von den Märkten nehmen wird.

Darüber hinaus ist meines Erachtens noch keine Trendwende nach oben vollzogen. Wenn man sich das Chartbild des marktbreiten Standard & Poor’s 500 in den USA oder das des DAX ansieht, ist es vollkommen richtig, dass beide Indizes genau auf mittelfristig entscheidenden Unterstützungen erst einmal wieder nach oben gedreht haben. Aber dass solche Auffanglinien bzw. Auffangzonen im ersten Anlauf halten, ist nicht ungewöhnlich. Und die Größenordnung der bisherigen Rallye geht nicht über die einer normalen Gegenreaktion innerhalb einer Abwärtsbewegung hinaus. Noch nicht – durchaus richtig. Aber bereits ein Ei über die Sache zu schlagen und umgehend von neuen Allzeithochs zu reden, ist zumindest ein bisschen voreilig.

Zum einen deswegen, weil es zumindest nicht auszuschließen wäre, dass die ganz überwiegende Masse der Daytrader nun schon längst wieder auf der Long-Seite investiert ist und alle diejenigen, die inständig darauf gehofft haben, dass die Indizes in diesen Unterstützungszonen drehen, um überhaupt auf der Long-Seite in den Markt zu kommen oder bestehende Positionen aufzubauen, nun bereits aus Angst, die Rallye zu verpassen, zugegriffen haben. Kurz: Es ist einfach möglich, dass dem Markt kurzfristig erst einmal die Käufer ausgehen. Aber das ist nicht der eigentliche Punkt – und vor allem nicht der Schwerpunkt dieser Kolumne.

Deutlich schwerer wiegt, dass diese Kursbewegungen völlig unberechenbar sind. Dieser Prozess schreitet seit Jahren voran. Und plötzliche, aus dem Nichts heraus entstehende Kaufwellen und Kurseinbrüche, ob am Aktienmarkt, bei den Währungen oder bei Gold, sind Beleg dafür, wie sehr sich die Börsen in den letzten Jahren verändert haben. Und, was normale Privatanleger angeht, nicht zum Guten. Natürlich kann man heutzutage blitzschnell in alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, Long oder Short investieren. Das Problem ist nur, dass in der Regel andere schneller sind und man immer öfter abends nach Hause kommt und fassungslos vor extremen Kursbewegungen steht, für die die Medien nur außerordentlich alberne Begründungen vorweisen können.

Zum einen, weil gerade in Phasen wie dieser die Kurse die Nachrichten dominieren und man angelegentlich bemüht ist, die Faktenlage so zurecht zu biegen, dass sie zu den Auf- und Abwärtsbewegungen der Märkte passen. Zum anderen – und das in erster Linie – aber deswegen, weil es in der Regel auch gar keine Nachrichten zu diesen Kursveränderungen gibt. Immer seltener reagieren die Kurse nachhaltig auf Konjunkturdaten oder Aussagen von Politikern oder Notenbankern.

Umso öfter sind es charttechnische oder markttechnische Aspekte, die Kursveränderungen auslösen, so wie zuletzt am Donnerstagabend beim US-Dollar zum Japanischen Yen. Allerdings geht es da oft nicht um mittelfristige Trendlinien, sonder um Unterstützungen und Widerstände, die man nur in Charts auf 60, 15- oder gar 5-Minuten-Basis entdecken kann. Die Kursschübe jedoch haben eine Größenordnung und eine Geschwindigkeit, dass heute bisweilen Distanzen binnen einer Stunde zurückgelegt werden, die früher der Kursspanne einer Woche entsprachen. Fatal für all diejenigen, die nicht nonstop vor ihren Computern sitzen, weil sie womöglich nebenher auch noch einer Arbeit nachgehen. Was soll das? Woher kommt das? (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Machine Wars: Schöne kranke Welt!"

  1. rolandus sagt:

    Gracias nach ettenheim ,eine Moeglichkeit gibts noch …den Stecker ziehen…no energy no „fun“ rolandus

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