Machen Schulden wirklich Sinn?

12. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Nach und nach, Tag für Tag, Jahr für Jahr verbinden wir die Punkte. Zunächst ist es schwierig, überhaupt das ausfindig zu machen, nach dem wir suchen. Aber allmählich, nach viel Anstrengung und Vorahnung, werden zwei Dinge immer deutlicher und klarer … zumindest für uns.

Erstens, niemand weiß so recht Bescheid.

Zweitens, niemand hat reales Geld.

Jüngst haben wir hier im Tagebuch über unsere anhaltende Verwirrung bzgl. des Scheiterns der US-Wirtschaft, den normalen arbeitenden Amerikaner inflationsbereinigt reicher zu machen, berichtet. Trotz aller Arroganz, Schwindeleien, Booms, Zusammenbrüche, Hetze, Patente, Technologien, Investitionen, PhDs und Zentralbank-Schikane … ergibt sich am Ende wenig Vorzeigbares.

Sie können diese Behauptung ganz einfach testen. Alle Lohn- und Inflationszahlen sind gefälscht. Also, gehen wir der Sache ganz einfach auf den Grund:

Das Basis-Fahrzeug für einen männlichen Arbeiter war vor 40 Jahren der Ford F-150 Pickup-Truck.

Im Jahr 1976 hatte das Fahrzeug, das SuperCab Modell, einem vom Hersteller empfohlenen Verkaufspreis (UVP) von $ 4.600. Damals lag das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Arbeiters bei 9.300 Dollar. Also brauchte man 25 Wochen Arbeit, um das Fahrzeug zu zahlen.

Heute ist der F-150 ist immer noch das bevorzugte Vehikel des Mannes. Und heute liegt die UVP bei $ 26.600 – oder 5,7-mal so viel. Aber die durchschnittliche Person verdient nicht 5,7-mal so viel. Der mittlere Lohn liegt heute bei $ 43.600. Folglich muß der Arbeiter mit einem durchschnittlichen Lohn nun 30 Wochen arbeiten, um das Fahrzeug zu zahlen.

Dieser Mann ist nicht besser dran. Er ist schlechter dran. Er wurde vom hochentwickelten amerikanischen Günstlingskapitalismus schlechter gestellt.

Und hier sind noch mehr Punkte … die es zu verbinden gilt!

Was sehen wir …?

Es ist schwerer, vorwärts zu kommen

Wir sind nicht sicher, wie aktuell die folgenden Zahlen sind. Aber wir bezweifeln, dass sich seither viel geändert hat. In „Marketwatch“ ist zu lesen:

„Ungefähr 62 % der Amerikaner haben keine Ersparnisse für unerwartete Ausgaben wie zum Beispiel $ 1.000 für die Notaufnahme oder für eine $ 500 Kfz-Reparatur. Dies kam bei einer neuen Umfrage unter 1.000 Erwachsenen durch die Finanz-Website Bankrate.com heraus. […]

Noch schlimmer wiegt, dass nur 39 % der Befragten ausreichend liquide Mittel hätten, um die notwendigen Ausgaben für drei Monate bestreiten zu können. Nur 48 % der Befragten gaben an, dass sie vollständig einen hypothetischen Notfall-Aufwand, der $ 400 kostet, bezahlen könnten ohne irgend etwas zu verkaufen oder Geld leihen zu müssen.“

Wenn Sie den Mainstream-Medien folgen, könnte man glauben, dass die „Erholung auf dem richtigen Weg“ weitergeht. Oder, dass die Gewinne steigen. Oder die Arbeitslosigkeit sinkt. Aber halten Sie Ihre Augen wirklich offen, sieht selbst ein Blinder, was wirklich vor sich geht.

Die Menschen haben immer gekämpft, um über die Runden zu kommen. Aber mit einem veränderten Geldsystem … so kam auch die Veränderung bei den Finanzen der Familien: Es ist schwieriger geworden, voranzukommen.

Ja, die meisten Menschen leben heute besser als in in den 1970er Jahren. Der technologische und kommerzielle Fortschritt hat die Qualität der Dinge, mit denen wir leben, verbessert. Es gibt mehr Auswahl in den Supermärkten … im Walmart … und auch online.

Der heutige F-150 ist in vielerlei Hinsicht besser als der F-150 von vor 40 Jahren. Die Häuser sind größer und komfortabler. Eine Klimaanlageist weiter verbreitet. Kommunikationskanäle und Unterhaltung sind besser als je zuvor.

Obwohl das Leben einfacher und angenehmer für die meisten Menschen ist haben nur wenige Menschen echtes Geld.

Sie haben mehr Dinge, Krimskrams. Und mehr Kredit. Aber sie sind tiefer in Schulden … anfälliger für einen Abschwung … und abhängiger von der Regierung und der Kreditindustrie.

„Schulden machen Sinn“

Ein mir bekannter Redakteur hat vor kurzem mit einer Personalvermittlungs-Agentur über das Thema gesprochen.

„Ich stelle jede Menge Wirtschaftsprüfer und Buchhalter ein“, sagte der Personalvermittler.

„Natürlich, die Arbeitgeber wollen immer eine Bonitätsprüfung. Sie wollen wissen, wie die Leute mit ihren Finanzen zurechtkommen. Sie wollen die Einstellung von Menschen, deren finanzielle Situation prekär ist, vermeiden. Verzweifelte Menschen sind nicht ideale neue Mitarbeiter für die Buchhaltung.

Die Menschen, die wir vermitteln, verdienen im Jahr $ 60.000 und mehr. Normalerweise arbeiten hier Mann und Frau, und oft haben sie beide MBA oder andere höhere Abschlüsse. Es geht also hier schon um eher höhere Einkommensklassen.“

Der Personalvermittler sagte weiter:

„In der Regel, haben die Leute noch Schulden vom Studium, das Auto ist finanziert und dann sind noch Hypothekenschulden da. Und in der Regel räumen ihnen die Banken eine revolvierende Kreditlinie ein. Wir sprechen hier über kluge, gut ausgebildete Menschen. Sie gehen auch weise mit einem Kredit um – etwa für eine größere Anschaffung oder um die Privatschule zu bezahlen.

Das Einzige was wir von Ihnen haben wollen, ist eine saubere Auflistung. Wichtig ist, dass die Leute immer pünklich ihre Raten zahlen. Die Höhe der Schulden stört uns nicht. Ich meine, die Banken würden nichts verleihen, wenn sie denken würden, dass es ein Problem gibt.

Außerdem, jeder macht aktuell Schulden. Das macht auch Sinn. Bei derart tiefen Zinsen ist es besser, Geld zu leihen als das eigene Geld zu verwenden. Schulden sind nichts anderes als ein Finanzinstrument.“

Sind Schulden nur das?

Ein handliches Werkzeug?

Wir sehen das ganz und gar anders…

Mehr dazu später…

Quelle: Kapitalschutz Akte
Machen Schulden wirklich Sinn? (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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Ein Kommentar auf "Machen Schulden wirklich Sinn?"

  1. heyjay sagt:

    Bills Texte finde ich sehr unterhaltsam, nur eines stört mich: diese ständigen cliffhanger!!! Er sagt immer: „später mehr dazu“. Wann ist später? Ich kann mich nicht daran erinnern, das „später“ je gelesen zu haben…

    Es hat aber auch sein Gutes, sozusagen, denn diese cliffhanger verleiten mich oftmals dazu, selbst mal ein wenig nachzudenken.

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