Mach den Tank voll!

11. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Öl war immer schon eine schmierige Sache. Manchmal werden deshalb sogar Kriege geführt und die Ölländer dann militärisch „befriedet“. Doch für Verbraucher läuft es derzeit wie geschmiert…

Der Ölpreis ist binnen weniger Monate um 60 Prozent abgerutscht. Wäre er aber um 60 Prozent gestiegen, wären die bösen Spekulanten daran schuld. So aber kostet ein Liter Öl auf dem Weltmarkt umgerechnet jetzt nur noch 0,28 Euro und damit weniger als ein Liter Wasser im Supermarkt. Wie lange noch?

Woher kommt eigentlich das plötzliche Überangebot bei einer offiziell boomenden Weltwirtschaft? Keine Ahnung! Wie 2008 lohnt es inzwischen wieder, Öl in Schiffen auf hoher See zu bunkern und zu warten. Ach, Sie besitzen keinen Öltanker? Wie wäre es mit Heizöl? (Quelle: www.fastengergy.de)

heizoel-chart_5jahre

100 Liter Heizöl kosten heute beispielsweise nur noch 56 statt 95 Euro wie im Sommer. Das spart bei 3.000 Litern immerhin 1.100 Euro. Wenn Sie also drei Millionen Liter tanken, sicherlich gibt es Rabatt, sind Sie auch noch Millionär. Ach, Sie haben schon im Sommer den Öltank gefüllt? Mist!

Und der Winter ist schon wieder zu warm? Pech gehabt!

Dann kaufen Sie doch 150 Kanister (Stückpreis 15 Euro) und füllen sie diese mit Heizöl auf. Das würden die Ökonomen empfehlen. Diese Spezies ökonomischer Wunderheilung sagt voraus, die Leute werden alle gesparten Euro verkonsumieren. Abwarten! Das Weihnachtsgeschäft, so hört man, war trotz des Ölpreisrückgangs doch nicht so erfolgreich. Werden Heizöl und Kraftstoff noch billiger? Kann sein, aber nicht auf Dauer. Und wenn es nichts mehr koste würde, Steuern und Angaben fallen trotzdem an.

Nach statistischer Lesart kostet Öl hierzulande so wenig wie 1981, wenn man die Geldentwertung mitrechnet. Die Steuern allerdings sollte man dabei ignorieren. Das stört monentan nur die momentane Feierlaune. Immerhin arbeiteten wir im letzten jahr bis zum 8. Juli für den Staat und dann erst in die eigene Tasche.

Wenn man also 100 Euro brutto verdient, bekommt der Staat davon 50 Euro und weitere 30 Euro nimmt er sich beim Tanken. Dann bleiben noch 20 Euro zum Tanken übrig. Wer ist eigentlich gierig? Die Spekulanten? Staaten gehören heute ebenfalls dazu.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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6 Kommentare auf "Mach den Tank voll!"

  1. amadeus sagt:

    Früher mussten wir den Zehnt abgeben, heute dürfen wir ihn behalten.

  2. Habnix sagt:

    Wer hat eigentlich den Staat so verschuldet, das er sich bei jedem Kauf von Waren so maßlos dran bedient?

    Waren es die im Staatsdienst , die Beamten oder sind es Politiker oder alle im Staatsdienst?

    Bildungseinrichtung etc .

    • Teilweiseantwort sagt:

      Vergesellschaftung von Schulden a la Bailout ist nur ein Beispiel.
      Gewinne für die Bank, Verluste für den Steuerzahler… fair enough!

    • Michael sagt:

      Das Problem der Staaten, aber nicht nur der Staaten, sind ECO Systeme finanziert über Umlageverfahren – abhängig finanzierte Beschäftigung. Die sind heute aber schon eher der Normalfall. *) Diese umlagenfinanzierten Jobs haben ein paar strategische Schwächen.

      Sie sind sind selten mit Bedarfen hinterlegt und damit Scheinwachstum. Wenn die Umverteilungsstruktur leidet kehrt die Anzahl der Mitarbeiter die diesen Bedarf decken auf die notwendige Anzahl zurück 0. Wenn so ein umlagefinanziertes ECO System mal unter dem Deckmantel – Beamte sind ein Wirtschaftsfaktor bspw. werden verkauft – dann nimmt man eher in Kauf die Umverteilungsstruktur zu kannibalisieren zu deren Gunsten. Systemrelevant ist auch noch so ein Ausruck – für Dinge die die Welt nicht braucht. Für alles andere würde eh gerne bezahlt. Systemrelevantz = Symptombekämpfung.

      Staatsschulden über das notwendige Maß hinaus sind akkumulierte Defizite aus Misswirtschaft in Umlageverfahren.

      Bspw.. Politikergehälter. Die sind nämlich das Management respektive Board of Directors des Investors in Organisationen, die so finanziert sind als würden ihren Leistungen kein Bedarf gegenüberstehen den ihre Form der Finanzierung nicht selbst hätte hervorgebracht.

      Eine Absurdität daraus ist ja schon, dass die sog. 40 Stunden Woche für alle aus genau einem Grund auf Teufel komm raus muss am Leben gehalten werden. Jene die über Stunden abgerechnet werden und der eingesetzte Lebenszeit das Kostenträger/Leistungsträgermaterial ist. Der Rest ist mir eher egal.

  3. Eber sagt:

    Ist etwas auf Erden schief und krumm,
    dann riecht es bestimmt nach Petroleum.

    Kurt Tucholsky
    – Die Weltbühne, 10.03.1931 –

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