Mach den Tank noch einmal voll…

11. März 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Während die Medien sich im Versuch der einseitigen Geschichtsauslegung üben, denkt so mancher Bürger vermutlich schon an die kommenden Öl- und Gasrechnungen. Den Tank noch einmal so richtig voll machen könnte sich als gute Idee erweisen. Das zumindest legt der Blick auf die globalen Energieströme nahe.

Die Europäische Union sucht nach „Strafmaßnahmen“ gegen Russland und tut sich offenbar schwer, etwas Taugliches zu finden. Nachdem ein offensichtlich humorvoller Mensch ein „Waffenembargo“ vorschlug hat man nun ein paar Tage Zeit gehabt, einen längeren Blick auf die Weltkarte der Energietransporte zu werfen.

Die EU findet sich dort wo sie sich – meist als einziger – zu sehen scheint, in der Mitte. Dummerweise liegt der gelobte Kontinent am Ende der weltweiten Exportpfeile. Immerhin ist die vielgepriesene „Willkommenskultur“ bei den Öl- und Gaseinfuhren bereits gelebte Realität.

Die folgenden Karten zeigen die Export- und Importströme von Erdöl und Erdgas. (zum Vergrößern anklicken)

  oelflow

gasflow

Neben den Asiaten hängen vor allem die Europäer am Energietropf. Der „Rohstoff Bildung“, auf den so mancher im Lande besonders stolz ist, hat angesichts der zweifelhaften Erfolge vermutlich nicht das Zeug zum globalen Kassenschlager. So muss man sich weiterhin über schnöge materielle Exporte seine Dollars besorgen, mit denen man dann Öl und Gas kauft. Onkel Sam wird allerdings nicht genug anbieten können.

Die Position Russlands hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Von den meisten Medien ignoriert wurde etwa die Tatsache, dass der Konzern Rosneft durch den Kauf von BP-TNK gemessen an den Fördermengen unlängst Exxon übertroffen hat und nun weltweit auf Platz 1 liegt.

(Forbes) Russia’s Rosneft Surpasses ExxonMobil To Become World’s Biggest Oil Co.

Rosneft is now the world’s leading publicly traded oil producer. Russia-owned Rosneft is now the world’s largest publicly traded oil and gas company, surpassing ExxonMobil (XOM).

Neben dem Ausbau der russischen Position geht eine lang anhaltende Schwächung der Länder des mittleren Ostens einher. Vor allem die Erschöpfungsraten einiger Felder sind bemerkenswert, und weitere Großfunde, die es auch nur annähernd mit bestehenden Feldern aufnehmen können, sind nicht in Sicht. Von Jubelmeldungen, wie man sie auch aus Brasilien von Zeit zu Zeit hört, sollte man sich nicht irritieren lassen. Meist geht es um „möglicherweise nutzbare riesige Felder, die möglicherweise auch finanziell sinnvoll auszubeuten sind und möglicherweise 100 Jahre halten“. Das Muster ist derartiger Meldungen ist stets gleich, die Kosten werden zu niedrig angesetzt und die möglichen neuen Reserven zu hoch. Hängen bleiben einzig die Wörter „riesig“ und „Ölfund“… (Seite 2)


 

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8 Kommentare auf "Mach den Tank noch einmal voll…"

  1. tempa sagt:

    Nachdem ein offensichtlich humorvoller Mensch ein „Waffenembargo“ vorschlug …

    Das ist freilich bittere Realität für Russlands Wirtschaft. Man wollte nie ein russisches Auto(nicht mal einen russischen Traktor), kein russisches TV-Gerät etc.
    Doch russischen Waffen schrieb man Qualitäten zu wie Robustheit etc.

    Vor einigen Jahren, als man selbst bei staatlichen russischen Medien noch Selbstkritisches lesen konnte, kritisierte selbst das russische Militär die eigenen Waffen als veraltet und fehleranfällig:
    http://de.ria.ru/security_and_military/20120215/262692357.html

    Um die Rückstand aufzuholen, importierte Russland Dronen aus Israel, Flugzeugträger aus Frankreich, gepanzerte Fahrzeuge aus Italien.

    Man konnte lesen, das, nach Abzug einer russischen Einheit von einer UN-Mission aus Afrika das russische Material irritierend oft versagt hatte.
    Das die indischen Partner bei wichtigen Waffenprojekten unzufrieden waren über die nachlassende Kompetenz der Russen.
    Deswegen auch wohl die indische Entscheidung für ein europäisches Modell bei einer wichtigen Ausschreibung.
    Andere Auffälligkeiten waren zb die Pannenserie in der russischen Raumfahrt.
    Offen wurde in russischen Medien darüber geschrieben, das ehemalige Vorzeigeindustrien überaltertes Fachpersonal und überalterte Maschienparks hätten. Und gefährliche Konkurrenten wie China und Indien billigere(oftmals Kopien russischer Waffen) und bessere Waffen in die selben Zielmärkte wie Russland liefern.
    Beispiel Türkei: Das chinesische Flugabwehrsystem FD2000, eine chinesische Weiterentwicklung des russischen s300 gewann eine Ausschreibung gegen das russische Orginal.
    http://de.ria.ru/security_and_military/20130927/266966093.html

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo tempa,

      Berichte über mangelnde oder veraltete Ausstattung sind beim Militär beliebt und weit verbreitet. Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Inwiefern diese jeweils zutreffen vermögen wir nicht zu sagen. So schrieb die „Heritage Foundation“ zum Zustand der US Armee:

      The average ages of major platforms today include:

      Air Force tactical aircraft: over 20 years old;
      Navy and Marine Corps tactical aircraft: over 15 years old;
      Army M-113 armored personnel carriers: 27 years old;
      Bradley fighting vehicles: 17 years old;
      CH-47 Chinook helicopters: nearly 20 years old;
      UH-1 Huey helicopters: 35 years old;
      Ticonderoga-class cruisers: nearly 20 years old;
      P-3C Orion long-range aircraft: almost 25 years old;
      B-1 Lancer bomber: over 20 years old;
      C-5A Galaxy transport aircraft: 40 years old; and
      KC-135 tankers: 44 years old.

      Das mag nicht zum Eindruck passen, den man gerne vermittelt, interessant ist es allemal. Man bekommt halt meistens nur ein paar Prototypen des US-Soldaten mit 3-D Video Brille und halbautomatischen Web 3.0 Anzug gezeigt. Mit der Masse des Militärs hat das offenbar soviel zu tun wie die Prototpyen auf einer Automobilausstellung mit den später verkauften Fahrzeugen. Ob der letzte technologische Schliff des Materials übrehaupt „kriegsentscheidend“ ist, bleibt angesichts der zahllosen Misserfolge der wohl technisch am besten ausgestatteten US-Armee sehr fraglich. Allen medialen Werbefeldzügen und den grünen Videos der „embedded journalists“ lässt sich ein Land nicht von zu Hause aus per Joystick einnehmen.

      Zur Bundeswehr liest man im Bericht der Weizsäcker-Kommission „Zukunft der Bundeswehr“:
      „Sie ist zu groß, falsch zusammengesetzt und zunehmend unmodern. In ihrer heutigen Struktur hat die Bundeswehr keine Zukunft. Die Wehrform produziert zu große Personalumfänge bei gleichzeitig zu schwachen Einsatzkräften. Veraltetes Material schmälert die Einsatzfähigkeit und treibt die Betriebskosten in die Höhe.“

      Von der Realitätsnähe der Ausbildung schweigt man lieber …

      Zur russischen Armee findet sich folgendes: Unter den von der russischen Armee eingesetzten Flugzeugen finden sich nur heimische Produkte und – wenig erstaunlich – kein „Eurofighter“, der Flugzeugträger der Marine wurde in Russland entwickelt. Ein einziges Landfahrzeug, ein gepanzertes Aufklärungsfahrzeug, stammt nicht aus russischer oder sowjetischer Produktion sondern aus Italien. Die Teile wurden in Italien gefertigt und in Russland montiert. Strategisch ist dieses Fahrzeug unbedeutend.

      „Um die Rückstand aufzuholen, importierte Russland Dronen aus Israel, Flugzeugträger aus Frankreich, gepanzerte Fahrzeuge aus Italien.“

      Wir wissen nicht, welchen Flugzeugträger Sie meinen, bei den Jeeps kann man aber davon ausgehen, dass niemand damit einen „Rückstand“ aufholen wollte.

      Es ist offensichtlich und nachvollziehbar, dass Russland ebenso wie China bei der militärischen Ausrüstung keinerlei strategische Abhängigkeiten eingehen will. Das muss man nicht sympathisch oder unsympathisch finden, es ist eine rationale Entscheidung. Ob die Ausrüstung „state of the art“ ist, steht auf einem anderem Blatt, wir vermögen das nicht zu beurteilen. Klagen über die Wehrfähigkeit gibt es bekanntermaßen auch andernorts. In Europa stellt sich neben der reinen Materialfrage auch die nach der Bereitschaft der Menschen zu kriegerischen Auseinandersetzungen.

      Da Sie die Probleme der russischen Raumfahrt ansprechen, sei abschließend noch auf den doch recht trostlosen Zustand der bemannten US-Raumfahrt hingewiesen. Geradezu hiflos wie andere Sanktionen wirkt der Entschluss der NASA die Zusammenarbeit bei der Raumfahrt zu stoppen.

      (Süddeutsche) „Im Zuge der Krim-Krise liegt nun auch die russisch-amerikanische Zusammenarbeit in der internationalen Raumfahrt weitgehend auf Eis. Wegen der Ukraine-Politik des Kreml stoppte die US-Raumfahrtbehörde Nasa demonstrativ einen großen Teil ihrer Zusammenarbeit mit Russland.

      Bei dem mit Abstand wichtigsten Kooperationsprojekt, dem Betrieb der Internationalen Raumstation ISS, soll es jedoch keine Abstriche geben, teilte die Nasa mit. Russland reagierte in einer ersten Stellungnahme gelassen. Außer der ISS gebe es überhaupt keine Zusammenarbeit mit den USA auf Staatsebene.“

      Putzig.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Skyjumper sagt:

        @Tempa hat sicherlich die Hubschrauberträger der Mistral-Klasse gemeint, von denen Russland 2 Stück in Frankreich geordert hat, und für 2 weitere eine Lizenz zum Eigenbau erworben hat. Flugzeugträger (die Russen haben sie aufgrund des Montreuxvertrages als „Flugdeckkreuzer“ klassifiziert) hat Russland nur 2 gebaut. Einen nutzen sie selbst, den anderen haben sie an China verkauft. Offziell baut Russland keine weiteren, weil die russische Militärstrategie keine Flugzeugträger braucht, inoffiziell dürfte das liebe Geld wohl eine tragende Rolle spielen.

        Aber das sind letztlich Nebenschauplätze. Klappern gehört bei allen Militärs auf der Welt zum Geschäft. Wer am lautesten weint bekommt die meisten Gelder. Ein Waffenembargo gegen Russland ist so ziemlich die sinnfreieste Maßnahme die man sich nur denken kann. Die „Sanktionen“ im Bereich der Weltraumfahrt erinnern ein wenig an einen hungernden Menschen vor der Suppenküche des Internationalen Roten Kreuzes der sich verweigert die angebotene Suppe zu essen. Ich gehe davon aus, dass die USA hier in Kürze wieder auftrumpfen werden, aber im Moment sind sie in diesem Bereich ziemlich hilflos.

        Bleiben die Rohstoffe! Und hier sind noch so reiche Vorkommen in den USA oder Kanada (so sie den wirklich so großartig wären) für Europa auf Jahre hinaus uninteressant. Die paar Flüssiggastanker nebst unzureichender Verladekapazitäten haben auf absehbare Zeit bestenfalls Symbolcharakter. Ebenso uninteressant sind für Russland auf der zeitlichen Schiene die Verträge mit China. Auch diese Pipelines werden (wenn´s gut geht) erst 2018 betriebsbereit. Die EUdSSR und Russland sind also noch ein paar Jahre auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Alles andere ist theoretischer Unsinn vom grünen Tisch.

  2. bluestar sagt:

    Vielen Dank liebes Bankhaus für diesen interessanten Artikel mit glasklaren Fakten.
    In Anbetracht dieser Wahrheiten ist das aktuelle Handeln der GROKO bereits als
    Hochverrat am deutschen Volk einzustufen.
    Oder hat die NSA bereits soviel Material über die Politikkasper gesammelt, dass alle wie an der Schnur gezogen mitmachen ?
    Übrigens habe ich gelesen, dass am vergangenen Freitag in einer Nacht und Nebel Aktion das gesamte Gold der Ukraine ( 40 Tonnen) in die USA ausgeflogen worden sein soll.
    Dann hätten ja die Drahtzieher alles richtig gemacht und die Ukraine hat schon jetzt den gleichen Status wie Deutschland.
    Sozusagen Willkommen in der Schutzhaft der USA.
    Andererseits kann ich kaum glauben, dass 40 Tonnen in einer Nacht möglich sind, wenn beim Rücktransport nach Deutschland dafür ein gesamtes Jahr benötigt wird.
    Wenn das stimmen sollte, dann muss uns wirklich allen klar sein, wo die Goldreserven Deutschlands sind.

  3. samy sagt:

    Vielen Dank für den superguten LNG-Artikel. Neben der politischen Brisanz auch für Anleger hochinteressant.
    Viele Grüße

  4. Tiannanmen sagt:

    >> So hat die Ukraine in 2012 ein Defizit von 31 Milliarden Kubikmetern Erdgas ausgewiesen, was in etwa der Ladung von 349 Tankerladungen entspricht. Das deutsche Defizit lag bei 66,2 Mrd. Kubikmetern. Damit läge man dann gemeinsam bereits bei mehr als 1094 Schiffsladungen – pro Jahr

    Entweder es sind doch nur 31 Mio m³ bzw 66 Mio m³ oder die Schiffe explodieren

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Tiananmen,

      das Defizit bezieht sich auf Erdgas, nicht die verflüssigte Variante (LNG). Auf Schiffen wird verständlicherweise LNG transportiert. Der entsprechende Kompressionsfaktor ist gemäß California Energy Commission 600, daher die Zahlen.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  5. Jochen sagt:

    Hallo Bankhaus Rott,

    vielen Dank für diesen tollen Beitrag.

    Nach Durchsicht dieser Zeilen fiel mir spontan eine ‚Prognose‘ ein, die
    JIm Willie (eigentlich nicht unbedingt seriös der Mann) vor langer Zeit gemacht hat.
    Er schrieb: Russland wird den Westen mit neuen Tauschsystemen schocken und meinte damit natürlich u.a. Gold als Gegenleistung für Gas und Öl.

    Wie dem auch sei, vor uns liegen spannende Jahre.

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