Lust auf australische Immobilien?

20. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Ist es gesund, ein Drittel seines Einkommens für die Bedienung der Hypothek auszugeben? Ist es schlau oder eher gefährlich, bei steigenden Leerständen und sinkenden Realeinkommen nach einem sehr langen Preisanstieg ein Haus zu kaufen? Das sind Fragen, die sich viele Australier seit einigen Quartalen stellen müssen …

Der Anteil der monatlichen Raten am verfügbaren Einkommen hat in Australien beeindruckende Dimensionen erreicht. Von einem bereits erhöhten Niveau zur Jahrtausendwende hat die Belastung noch einmal um 8 Prozentpunkte zugelegt, ein Anstieg um 30 Prozent. Im gleichen Zeitraum verstärkten sich die ungesunden Entwicklungen bei den Leerständen.

Immerhin 10,7 Prozent der australischen Wohnimmobilien stehen leer, von der vielzitierten Knappheit ist wenig zu sehen. Im Vergleich zur vergleichsweise stabilen Lage an der Westküste und im Norden verdunkelt sich der Himmel über der Süd- und Ostküste rasch. Der gesamte Gürtel von Brisbane bis Melbourne steht nach den massiven Preisanstiegen der Vergangenheit schon seit einigen Quartalen unter Druck.

Auch vom erstaunlicherweise immer noch gefeierten Aufschwung ist der zyklischen australischen Wirtschaft nicht viel geblieben. Der Einzelhandel spürt den Gegenwind besonders hart. Wie sollte es auch anders sein, wenn allein durch die gestiegene Hypothekenbelastung in den letzten Jahren ein Drittel der Haushaltskasse verdampft ist. So meldete jüngst die Supermarktkette Woolworths, der größte Einzelhändler der Insel, das schwächste Quartal seit immerhin 13 Jahren. Das Umsatzwachstum ist nach langem Abwärtstrend auf der Nulllinie angekommen, der anhaltende Margendruck sorgt für den entsprechenden Gegenwind beim Gewinn. Da man von Verlusten kein Personal und keine Mieten bezahlen kann, dürften die kommenden Quartale von vielen Angestellten mit Sorge beobachtet werden.

Derzeit profitieren der australische Arbeitsmarkt und damit die Einkommen vieler Inselbewohner noch vom Einstellungsboom der Bauunternehmen und Finanzkonzerne. Das stärkste Wachstum wiesen in den letzten Jahren die Minenkonzerne auf. Seit der Jahrtausendwende hat die Zahl der Beschäftigten in diesem Sektor auf das Dreieinhalbfache zugelegt, allerdings liegt der Anteil der Digger am gesamten Arbeitsmarkt bei unter 2,5%. Zur Einordnung, der Handel beschäftigt rund 14,1%, das Baugewerbe 8,4% aller Beschäftigten. Probleme bei Woolworths und der Konkurrenz sowie eine stagnierende Baukonjunktur schlagen daher sehr deutlich zu Buche…(Seite 2)


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