Lügen: Vor der Wahl und nach der Jagd

10. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Nie wird so viel gelogen wie vor einer Wahl und nach der Jagd, heißt es. In den USA ist der Wahlkampf wieder als eine Art Virus ausgebrochen, eine Art Wahl zwischen Pest und Cholera und so unterhaltsam wie der Denver-Clan. Je näher der Termin rückt, desto verrückter die Thesen, desto schmutziger die Schlammschlacht…

Donald Trump versteht sich auf Schlagzeilen. So hat er angekündigt, die Steuern drastisch zu senken und die Staatsausgaben ebenso drastisch zu erhöhen. Die Steuersenkungen würden 9,5 Billionen US-Dollar kosten, die Ausgabepakete 11,5 Billionen US-Dollar, also zusammen 21 Billionen US-Dollar in zehn Jahren, so eine Studie. Ist der verrückt? Es ist Wahlkampf!

Die arme Frau Clinton. Sie ist mit ihren Ideen langsamer als ihr Rivale. Man stelle sich vor, sie hätte solche Pläne aus ihrem Schreibtisch geholt oder von ihrem Server im Keller. Das wäre doch glatt als „zukunftsweisend“ durchgegangen, ohne zu wissen, wohin diese Zukunft führt. Das weiß man auch bei Trump nicht, er kam Clinton nur zuvor.

Das ist schon ein seltsamer Kerl. Ich würde ja gerne mal ein normales Bild von ihm sehen. Hierzulande sieht man nur Fotos mit entstellten Gesichtszügen oder altmodischer Frisur – ganz im Gegensatz zu seiner Herausforderin. Das ist sicherlich nur Zufall.

Clinton sagte, Trump würde die Reichen nur reicher machen und vor allem sich selbst. Vielleicht stimmt das. Aber haben nicht alle Regierungschefs dafür gesorgt, dass die Reichen reicher wurden und die Armen ärmer? Warum sollte das künftig anders sein?

Ich weiß nicht, was ich von Trump halten soll. Er ist irgendwie anders. Aber vielleicht entspricht er dem Wunsch der Amerikaner, die ausgetreten Pfade zu verlassen. Wahrscheinlich wissen die US-Amerikaner so wenig wie ich, was dort die Zukunft mit sich bringt. Doch was, wenn sie das wirklich wissen und erfahren wollen und Trump wählen? Ich meine, es besteht schon ein gewisser Zusammenhang mit dem Ausgang des BREXIT-Votums und der US-Wahl. Die Leute sind neugierig, auch wenn sie mit den Folgen dann nicht leben wollen.

Hierzulande sind die Dinge klar in Gut und Böse unterteilt. Die Medien sorgen mit ihrer Deutungshoheit für die passende Meinung. Wenn man Thesen oft genug wiederholt, werden sie irgendwann zur Wahrheit. Man hat schon den Eindruck, wir befinden uns hierzulande auch im US-Wahlkampf. Und wenn Trump etwas sagt, ist es natürlich schlecht.

Ist es vielleicht auch…

Sollte aber Trump als Präsident ausnahmsweise mal sein Versprechen umsetzen, würde sich die US-Staatsschuld von derzeit fast 20 Milliarden US-Dollar binnen zehn Jahren auf dann rund 40 Billionen US-Dollar verdoppeln. Na und? Soweit man sehen kann, war bislang jeder der letzten US-Präsidenten Schuldenkönig. Obama hat wie Bush und seine Vorgänger auch mehr Schulden gemacht als alle US-Präsidenten vor ihm zusammen. Trump würde die „Tradition“ lediglich pflegen. Niemand käme auf die Idee, dass dies mit dem verrückten Geldsystem zusammenhängt und dem Zwang zum Wachstum. Denn jemand muss ja die Zinsen erarbeiten bzw. zahlen.

Aber woher will Trump das Geld nehmen? Von anderen? Die haben es aber nicht. Und diejenigen, die es haben, denen wird man es wohl nicht wegnehmen, so mächtig wie sie sind. Und schon gar nicht der Wall Street. Und nun?

Hören Sie auf, von ausgeglichenen Staatshaushalten zu träumen. Dafür sind sie nicht da. In Japan funktioniert das Schuldenmachen tadellos. Da wird frisches Geld ausgegeben, warm wie Brötchen aus dem Backofen. Billionen, Billiarden, bevor es Trillionen und Trilliarden werden. Die Schulden Japans haben sich inzwischen auf 240 Prozent des BIP geschraubt. Hat es geschadet? Nein, es hat aber auch nichts genützt. Doch warum sollen die USA ihre Schuldenquote nicht auch auf japanisches Niveau anheben, bevor sie über die finanzielle Klippe stürzen? Nur Geduld!

Was Regierung den Bürgern nicht stiehlt, aber ausgeben will, kann auch in den USA aus dem Nichts erzeugt werden. Ein Anruf des Finanzministeriums bei der FED würde genügen. Ob aber Janet Yellen dann noch Chefin ist. Für diesen Job muss man doch richtig skrupellos sein. Ob Greenspan nochmal…?

Nehmen wir an, die US-Regierung bräuchte pro Jahr zwei Billionen US-Dollar zusätzlich. Früher hätte sie neue Schuldscheine herausgegeben. Doch wer soll diese heute zu kaum nennenswerten Zinsen kaufen und damit den Staat finanzieren? Das kann letztlich nur die Notenbank, ob direkt oder indirekt. Frau Clinton verspricht ebenfalls ein Konjunkturgramm, eines ohne Zahlen, als ob dieses nichts kosten würde. Dabei läuft doch die Konjunktur so prima. Seltsam. Ach ja, es ist Wahlkampf. Da wird viel versprochen. Früher war es ja auch so, dass man das, was man dem Bürger schenkte, ihm später doppelt und dreifach wieder weggenommen hat. Heute nimmt man ihm etwas weg, was man ihm vorher gar nicht geschenkt hat, sondern nur versprochen. Mit der Kaufkraft des Geldes und der Freiheit hat das ja schon mal ganz gut geklappt. Demnächst auch wieder hierzulande…

 

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4 Kommentare auf "Lügen: Vor der Wahl und nach der Jagd"

  1. Reiner Vogels sagt:

    Zwei Anmerkungen zu Trumps Wirtschafts- und Steuerprogramm:

    1. Was Trump vorschlägt, ist in meinen Augen nichts anderes als das von vielen diskutierte und geforderte Helikoptergeld. Steuern senken und gleichzeitig in die Infrastruktur investieren und das alles mit neuem Geld, das aus dem Nichts geschaffen wird, bezahlen, das ist eine klassische Form von Helikoptergeld. Daß dies durchaus eine Zeitlang funktionieren kann, zeigt das Beispiel Japan.

    2. Trump ist einer der Repräsentanten eines weltweiten politischen Aufstands gegen die totale Globalisierung. (Andere Repräsentanten sind z.B. Putin, Marine le Pen und natürlich die gesamte Anti-TTIP-Bewegung.)
    An dieser Position ist durchaus etwas Richtiges. Die totale Globalisierung nützt am Ende nur den Starken, während die Schwachen ins Elend gestürzt werden. Klassisch sieht man diesen Effekt an dem verheerenden Einfluß, den der Euro auf die schwächeren Mitgliedsstaaten der Eurozone (Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und auch Frankreich) hat.

    Außerordentlich interessant ist in diesem Zusammenhang m.E., daß aus russischen Quellen zu vernehmen ist, daß man in Rußland bei dem Umsteuern der Wirtschaft fort von der totalen Globalisierung vor allem das Werk des deutschen Ökonomen Friedrich List – Hauptwerk: „Das nationale System der Politischen Ökonomie“ – studiert.

    List war der wissenschaftliche Ideengeber und Wegbereiter der deutschen Zollunion im 19. Jhd. Damals hat es ähnliche Diskussionen gegeben wie heute. Auf der einen Seite standen die Anhänger Adam Smiths, die auf totalen Freihandel setzten, und auf der anderen die Vertreter der Schutzzölle. Natürlich waren die Engländer Smithianer. Sie waren schließlich die industriell am weitesten fortgeschrittene Nation (siehe USA, Deutschland heute), während die Schwächeren wie das damalige Deutschland am Ende für Schutzzölle eintraten.

    Der Erfolg hat List recht gegeben. Am Ende des 19. Jhd.s war Deutschland die führende Industrienation der Welt. Es hat halt einiger Jahrzehnte des Schutzes bedurft, um selbst stark genug zu werden für den grenzenlosen internationalen Markt.

    Ganz ähnlich scheint mir das Konzept Trumps zu sein, wenn er gegen die nach seiner Meinung für die USA ungünstigen internationalen Handelsabkommen schimpft und verspricht, die produzierende Wirtschaft wieder zurück in die USA zu holen.

  2. Argonautiker sagt:

    So ist es, Karneval in good old Amerika. Eine Büttenrede jagt die Nächste. Tataa, Tataa, Tataa.

    Beide Kandidaten werden letztlich nicht wirklich umsetzen können, was sie jetzt versprechen, und trotzdem gibt es genügend Idioten, die entweder den Einen oder die Andere wählen. Exakt in dieser Welt leben wir.

    Machen es die wirklich Reichen also vielleicht gold richtig, wenn sie sich gut bezahlte Marionetten nehmen, Gutsverwalter, die diese Idioten als Sklaven nehmen, weil sie eben als Sklaven gehalten werden möchten, und sich selbst abgeschottete Bereiche vor ihnen schaffen lassen?

    Ganz sinnfrei ist das nicht.

  3. Avantgarde sagt:

    Clinton hatte eine Schlüsselrolle beim Angriffskrieg gegen Libyen.
    „Dank“ ihr kommen in Europa nun nebenbei auch jede Menge Asylanten aus Afrika an.
    Das Land selbst ist nach dem Sieg der NATO im Bürgerkrieg versunken und der IS hat zwischenzeitlich Fuß gefasst.

    Muammar al-Gaddafi war zweifellos ein Diktator – die Alternative aber ist eine nun noch sehr viel schlimmere Situation als sie jemals für die Menschen dort bestand.
    Wir werden wohl mit noch sehr viel mehr Massenimmigration rechen müsse – nicht zuletzt durch eine Frau Clinton verursacht.

  4. bluestar sagt:

    Natürlich befinden wir uns hier im US-Wahlkampf. Schließlich ist die Vertreterin des Kriegsverbrecher-Establishment die Gute und muss unbedingt mit einer schneeweißen Weste präsentiert werden, damit die erfolgreiche Katastrophen-Politik des Westens der letzten Jahre auch zukünftig fortgesetzt werden kann. Die ganze Medienpropaganda in Deutschland ist ein zuverlässiger Indikator wohin diese gehören und welche Abhängigkeiten bestehen.
    Trumps Vergehen ist, das er finanziell unabhängig und damit für den ganzen Filz nicht berechenbar und somit brandgefährlich ist. Deshalb die penetrante „Putinisierung“ in hiesigen Medien.
    Bezüglich sinnfreier Versprechungen an das Wahlvolk ist es wie bei uns. Masse und Tellerrand. Das Niveau des Wahlkampfes ist nichts anderes wie ein Spiegel des Zustandes der Gesellschaft. Besser nicht tiefgründig darüber nachdenken…

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