Griechenland: Logenplatz im Freilufttheater

29. Mai 2011 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Statt ständig Experten in Sachen Zukunft zu befragen, sollte man seine Nase tiefer in die Geschichte stecken. Nicht umsonst heißt es, dass sich Geschichte zwar nicht wiederholt, aber reimt…

Dies scheint auch für Griechenland zu passen. Es ist nicht dumm, Fehler zu machen, aber töricht, immer die gleichen Fehler zu begehen – nicht nur in Griechenland. Die armen Griechen.

Welch Glück für uns hier, die Sache vorerst aus der Ferne beobachten zu können, als eine Art Vorspann für einen großen Film, der dann nicht im Kino, sondern später unter freiem Himmel und auf den Konten abgespult wird. Vor unseren Augen spielt sich eine monetäre Tragödie ab. Diskussionen über eine Pleite werden inzwischen offen geführt. Was passiert mit dem Geld, wenn die Drachme aufersteht und die Währung wieder mal reformiert wird? Solche Reformen waren in der Geschichte fast immer Betrug. Das Volk verlor den Großteil seiner Ersparnisse.

Aus Griechenlands Banken flüchteten inzwischen 46 Milliarden Euro. Wann kommen Kapitalkontrollen? Historiker behaupten, früher konnte man in bessere Währungen flüchten. Doch was ist heute besser, wenn alles aus Vertrauen besteht? Sagen Sie das mal einem Lemming. Oder fragen Sie das alte Geld, warum es so alt geworden ist und wie es früher Schwierigkeiten umschifft hat. Es wird sagen, dass es im Hafen echter Werten geankert hat, meist im Gold, und nicht im Nachbarhafen der Versprechen, lauten Radios und Schönwetterprognosen. Eine Feinunze Gold kostete in dieser Woche 1.087 Euro. Und die Geschichte würde wieder rufen: Da weiß man, was man hat. Schönes Wochenende noch.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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