Löcher in der Matrix: Warum? Darum!

15. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

„Back home? Darum holt die Bundesbank ihr Gold zurück“ (wiwo.de, 10.2.2017)

Hier kündigen wiwo.de und n-tv.de eines jener Erklärstücke an, auf die Leser und Zuschauer einigermaßen gespannt sein dürften. Warum holt die Bundesbank wohl „ihr“ Gold zurück – Gold, das nebenbei bemerkt gar nicht ihres ist?

Sie verwahrt es lediglich treuhänderisch für die deutschen Bürgerinnen und Bürger. Aber wir wollen nicht kleinlich sein, denn immerhin versprechen uns die Autoren tiefe Einblicke in die Motivlage der der einst stolzen Bundesbank. Warum also?

Was nun folgt, kann geradezu als Lehrstück in journalistischer Hinterfotzigkeit gelten. Gleich im ersten Satz heißt es:

„Seit Donald Trump ein Dekret nach dem anderen unterzeichnet, steigt bei vielen Anlegern die Unsicherheit. Gut, dass es Gold gibt und dies als sicher gilt.“

Mit diesen beiden Sätzen konnte gleich zu Beginn die offensichtlich gewünschte Verbindung zwischen US-Präsident Trump und der Unsicherheit der Anleger hergestellt werden. Eine „Unsicherheit“, die den Dow-Jones-Index übrigens auf ein Allzeithoch trieb. Die Verbindung zwischen Gold und Sicherheit mochte man dagegen wohl nicht ganz so stark in den Köpfen der geneigten Leser verankert wissen. Denn Gold „gilt“ lediglich als sicher.

In den beiden unmittelbar nachfolgenden Sätzen – die gleichzeitig auch schon die letzten Sätze des Beitrags bilden – wird dann der Bogen zur Goldrückholung der Bundesbank gespannt – also zu dem Thema, um das es laut Überschrift eigentlich gehen sollte:

„Doch die Bundesbank holt immer mehr Gold nach Deutschland. Aus gutem Grund.“

Eigentlich ist es ein Nicht-Bogen, der hier gespannt wird, denn das Wort „doch“, das an dieser Stelle so merkwürdig quer im Satz steht, drückt sprachlich einen Gegensatz aus. Warum aber erwähnt man Trump dann überhaupt?!

Wer nun noch immer Aufklärung über das „darum“ erhofft, ist auf die eingebettete Video-Sequenz angewiesen. Bei Minute 0:50 des 1:20 Minuten langen Erklärstücks wird immerhin eine Aussage zur Auslandslagerung des deutschen Goldes gemacht:

„…, was Politiker und Bürger heftig kritisierten.“

Tatsächlich gibt es hier nicht einen Grund, Politiker an erster Stelle zu nennen. Die verhielten sich in der Sache nämlich weit überwiegend mucksmäuschenstill, einige wenige ließen sich zum Jagen tragen und nur einer Handvoll war das Thema ein echtes Herzensanliegen. Auch schaffen es wiwo.de/n-tv.de, einen Beitrag zu diesem Thema zu produzieren, ohne die Bürgerinitiative „Holt unser Gold heim!“ (www.gold-action.de) als treibende Kraft auch nur mit einem Sterbenswörtchen zu erwähnen. Wir erlauben uns, dies hiermit nachzuholen. Journalistische Sorgfalt und so.

Eine „überraschende Wendung“ nimmt die Erklärung der Hintergründe der Goldtransporte dann bei Minute 1:08:

„… das hängt tatsächlich nicht mit dem US-Präsidenten zusammen, versichert die Bundesbank.“

Wer so lange durchgehalten hat, weiß nun zumindest warum die Bundesbank das Gold nicht zurückgeholt hat, eben wegen jenes Donald Trump, mit dem man so prominent aufgemacht hat. In den Verdacht besonderer wirtschaftlicher Kompetenz geraten die Autoren auch mit ihrem Schlusssatz nicht mehr:

„Ein Teil des deutschen Goldes liegt ja auch weiterhin in den USA, um es im Krisenfall schnell verkaufen zu können.“

Warum und gegen was man Gold in einem Krisenfall, „schnell verkaufen“ will? Na, darum!

©Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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