Löcher in der Matrix – Vorbereitung für den Bankrun

9. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

Der Umstand, dass wir nicht jede Woche etwas Neues über die Zurückdrängung des Bargelds und die Unterstützung des Banksektors in der Eurozone hören, sollte nicht zu dem Fehlschluss verleiten, dass diese Projekte eingeschlafen wären. Das Gegenteil ist der Fall…

Die unheilige Allianz aus Politik und Finanzunternehmen hat sich hier definitiv nicht auf einen Sprint, sondern auf einen Marathonlauf eingerichtet. Eigentlich ist es sogar eher ein „Iron Man“, denn es wird mit unterschiedlichen Mitteln und an verschiedenen Fronten gekämpft. Die Mühlen mahlen vielleicht langsam, aber sie mahlen – unaufhörlich.

Manchmal hört man aber auch deshalb nichts, weil nicht jeder Zwischenspurt an die große Glocke gehängt wird. So stieß eine Reuters-Meldung, wonach die EU dabei sei, den rechtlichen Rahmen für mögliche Kontensperrungen zur Verhinderung künftiger Bankruns zu schaffen, vor allem in der ausländischen Presse auf Beachtung. Auch kritische Nachrichtenportale erkannten die Bedeutung des Themas und nahmen den Faden auf.

Der Staatsfunk gab sich dagegen zurückhaltend. So viel Realismus zum Zustand des Banksystems wollte man wohl niemandem zumuten. Schließlich war der Vorgang ja auch gar nicht für die Augen und Ohren des Publikums bestimmt, denn Reuters zitierte aus einem internen Papier. Worum geht es?

Bei Gefahr eines Bankruns sollen Kontoauszahlungen für fünf Arbeitstage unterbunden werden können. „Unter außergewöhnlichen Umständen“ ist eine Verlängerung dieser Sperre auf bis zu 20 Tage geplant. Offenbar wird unter EU-Bürokraten zwischen gewöhnlichen und außergewöhnlichen Bankruns unterschieden, was einmal mehr die ganze Weltfremdheit dieser Spezies dokumentiert. Die Sperre soll im Übrigen auch für Konten mit Guthaben von weniger als 100.000 EUR gelten.

Das Vorpreschen der Estnischen Ratspräsidentschaft ist durchaus als ein solcher Zwischenspurt zu sehen. Allerings ist die Angelegenheit noch nicht ganz eingetütet, denn Bankkunden – darauf verweisen Kritiker – werden dann schon beim ersten Gerücht ihr Geld abziehen, weil ja die Kontensperre droht. Das aber erzeugt weniger und nicht mehr Stabilität.

Die deutsche Regierung unterstützt diesen Vorschlag dennoch, wie praktisch jede Idee, die hinreichend bürgerfeindlich ist. Übrigens: Die Summe der faulen Kredite innerhalb der EU wurde per Ende 2016 mit einem Volumen von knapp 1,1 Billionen EUR angegeben, womit klar sein dürfte, warum das Thema auf der Tagesordnung landete. Gewiss, die Finanzkrise ist überwunden, und das war auch schon die ganze Pointe.
Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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3 Kommentare auf "Löcher in der Matrix – Vorbereitung für den Bankrun"

  1. JayJay sagt:

    Wohl dem, der schon lange die Zeichen der Zeit erkannt und vorgesorgt hat. Die meisten Mitbürger (Biedermeierschläfer 2.0) sicherlich nicht, oh werden die jammern und fluchen wenn es soweit ist.

  2. mohrfan sagt:

    In Zypern hat das Sperren von Konten und Banken aber auch ohne diesen EU-Rechtsrahmen ganz gut geklappt. Von daher ist mir nicht so klar, in wieweit sich die Lage für den Bürger hierdurch verschlechtert.
    Das man unter gewissen Umständen nicht an sein Kontoguthaben kommt, sollte eigentlich! jedem bekannt sein.

  3. Avantgarde sagt:

    Tja – wenn das Bargeld erst mal weg oder fast weg ist dann wird es auch schwierig mit einem Bankrun – die EZB hat mit der Abschaffung der 500er jüngst die Tresorkosten erhöht.

    Negativzinsen oder auch Kontogebühren genannt werden gerade zur Normalität.
    Selbst Riester-Sparer werden unter Umständen mit Negativzinsen wie bei der Volksbank Reutlingen zwangsbeglückt. Gut das haben sie auf öffentlichen Druck zurückgenommen.
    Aber der Trend ist klar.

    Und wer bei Kenneth Rogoff (Schach-Großmeister, Harvard) nachliest – es ist völlig klar und systemkonform, daß Negativzinsen eine Option sind das Bargeld einfach weg muß.

    Gespickt mit ein wenig Bail-in.
    Schöne Neue Welt…..

    Edelmetalle? übrige Rohstoffe? möglicherweise Kaufkurse?
    Ach nein nicht doch – alles so unmodern und der Chart im Gegensatz zum Angesagten völlig im Keller.
    🙂

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