Löcher in der Matrix – Vollstes Vertrauen

5. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

Von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien.

„Führende CDU-Politiker wollen Merkel auch 2017 als Kanzlerkandidatin“ (faz.net, 28.8.2016)

„William krönt NRW-Jubiläum: Prinz William verzaubert Miss Germany“ (bild.de, 23.8.2016)

Die CDU und der deutsche Medien-Mainstream haben ein gemeinsames Problem – Angela Merkel. Zu bedingungslos, ja besinnungslos hat man jede der zahlreichen Volten der Regierungschefin mitgemacht. Kritik? Fehlanzeige. In den Medien schien man sich – und scheint sich bis heute – als verlängertes Sprachrohr und medialer Schutzschirm der Regierung zu verstehen, statt sich der eigentlichen Aufgabe des politischen Journalismus zu erinnern, nämlich vor allem das Regierungshandeln immer und immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Ist es rechtens? Ist es vernünftig? Ist es zukunftsträchtig? Statt die Rolle der „Vierten Gewalt“ im Sinne einer echten Gewaltenteilung mit Leben auszufüllen, krochen viele unter den Rock der Exekutive. Beschämend.

Diese Exekutive löst sich gerade auf. Besonders deutlich ist das beim Koalitionspartner SPD zu sehen. Deren Chef rudert mit einer Schlagzahl, die man ihm so gar nicht zutrauen wollte, um der Sogwirkung der untergehenden „MS Angela“ zu entkommen. Egal ob TTIP, Obergrenze für die Massenmigration oder „Wir schaffen das“-Mantra, wo Merkel „Hü“ sagt, da sagt Gabriel jetzt „Hott“ – zumindest bis die beiden anstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin vorüber sind. Nutzen wird es seiner Partei kaum etwas. Denn die Rolle der koalitionsinternen Nörgelopposition wird seit geraumer Zeit von der CSU ausgefüllt. Noch eine Partei, die gegen die „Alternativlose“ mault und dann letztlich doch alles brav abnickt, werden die Wähler kaum honorieren.

In der Zwickmühle sind nun vor allem jene, die bislang gar nicht eng genug an der Kanzlerin sein konnten – egal, ob in der Partei oder in den Medien. Falls Merkel stürzt, ist es sicher ein Vorteil, nicht allzu viel von ihrem „Stallgeruch“ an sich zu haben. Schließlich halten sich viele auch in neuer, ja in jedweder Konstellation für unverzichtbar. Sollte sich die Kanzlerin jedoch wider Erwarten noch einmal stabilisieren, dann wird sie sich erinnern, wer in ihren bislang wackeligsten Tagen vorpreschte. Merkel selbst hat den Systemwechsel – seinerzeit von der DDR zur Bundesrepublik – bekanntlich mit unnachahmlicher Geschmeidigkeit gemeistert. Ja, man kann in solchen Umbruchssituationen auch die Leiter hinauffallen.

Am einfachsten ist es natürlich, sich still zu verhalten. Das geht aber nur so lange gut, bis man explizit befragt wird. In der Politik hat sich als zweitbeste Lösung daher ein anderes Ritual herausgebildet – das ostentative Aussprechen des Vertrauens. Der Subtext solcher Solidaritätsadressen ist natürlich, dass sie notwendig geworden sind. Und: Die Sache ist im Politbetrieb mittlerweile zu einer Art Running Gag geworden: Wer sogar von den eigenen Parteifreunden öffentliche Unterstützung erhält, weiß, was die Uhr geschlagen hat. Insofern können sich die „führenden CDU-Politiker“, über die faz.net berichtet, kaum auf Unkenntnis berufen.

Oder man prescht vor und setzt auf die alternativlose Bleibeperspektive der Kanzlerin, so wie es der bestens vernetzte Springer-Boulevard tut. Dass man dabei auch über das Ziel hinausschießen kann, belegt auf besonders auffällige Weise ein Bericht über den Deutschland-Besuch des britischen Thronfolgers Prinz William: Dieser habe „Miss Germany verzaubert“. Darunter ein Bild von … Merkel. „Miss Germany“?! Das ist vermutlich eine der absurdesten Assoziationen, die man bei „Mutti“ Merkel haben kann. Zur Ehrenrettung des Blattes gehen wir allerdings davon aus, dass bei dieser Schlagzeile die halbe Redaktion lachend unter den Tischen gelegen sein muss.

© Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

 

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