Löcher in der Matrix: „Uncooles Gold“

24. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Die ersten Lebenszeichen bei den Edelmetallen sind unübersehbar. Nach einer mittlerweile rund vierjährigen Baisse verdichten sich die Hinweise auf eine Bodenbildung. Auch das Handelsblatt beschäftigte sich mit dem Thema…

„Gold ist eine langweilige Veranstaltung“ (handelsblatt.com, 21.5.2015)

Fein, könnte man denken, da werden die Anleger auf eine interessante Chance aufmerksam gemacht. Im Vergleich zu Aktien und Immobilien hinkt Gold schließlich seit Jahren hinterher.

Es ist also durchaus naheliegend, sich wieder intensiver mit Edelmetallen zu beschäftigen, jetzt, da „der Goldpreis … langsam wieder in die Gänge“ kommt und „nahe seines Drei-Monats-Hochs“ notiert. Dass diese Punkte gleich einleitend angesprochen werden, scheint einer besonderen Dramaturgie des Beitrags zu folgen. Es wirkt schließlich nicht sonderlich glaubwürdig, wenn man die offensichtlichen Pluspunkte gänzlich unter den Tisch fallen ließe. Stellt man sie dagegen voran, lassen sie sich mit einem großen „Ja, aber …“-Erklärstück gegen Gold wenden.

Nach der rhetorischen Frage „Steht das gelbe Edelmetall vor dem Comeback?“ folgt genau dieses „Aber“ auf dem Fuße: „So weit würden Experten nicht gehen.“ Genau, allenfalls Laien würden sich durch die Preisbewegung zu solchen Schlussfolgerungen verleiten lassen. Aber „Experten“? Niemals! Es folgt ein Bild mit einem Goldbarren und einem gesichtslosen „Anzugträger“ in steriler Umgebung – Bildunterschrift: „Große Langeweile“. Es scheint, als ob sich für die Autorin gute Anlagen vor allem durch ihre „Kurzweiligkeit“ auszeichnen.

Wer sich bis hierin – gähnend vor Langeweile – bis zum eigentlichen Artikel durchgekämpft hat, der wird gleich zu Beginn mit einem großen „Eigentlich“ begrüßt: „Eigentlich gilt Gold als die Krisenwährung überhaupt, als „sicherer Hafen“ in stürmischen Zeiten.“. Richtig, nur „eigentlich“ ist das so. Und damit die Botschaft auch sicher richtig verstanden wird, fasst man den „sicheren Hafen“ vorsichtshalber nur mit den spitzen Fingern der Gänsefüßchen an. Die tatsächlich „ernüchternde“ Bilanz fasst ein freundlicher Experte von der „Vermögensverwaltung Adlatus“ für uns zusammen: „Gold hat in den letzten Jahren als Krisenwährung völlig versagt.“ Das etwas aus der Mode gekommene Wort „Adlatus “ wird heute übrigens vor allem scherzhaft gebraucht und bezeichnet einen zumeist untergeordneten Gehilfen. Nun ja. „Vier Gründe für die lahme Gold-Bilanz“ werden geliefert. So seien „viele Investoren enttäuscht, die zu Hochzeiten gekauft hätten und nun auf Verlusten sitzen“. Also, die Bilanz ist lahm, weil Gold gefallen ist, weil Anleger enttäuscht sind, weil die Bilanz lahm ist … Für solche Aussagen am Rande der Tautologie muss man schon tief in der Materie stecken. Auch wird an dieser Stelle konsequent nur mit Verlusten des Goldpreises in US-Dollar von „gut einem Drittel“ argumentiert. Zwar ist richtig, dass man Chartanalyse in der Hauptwährung betreiben sollte, für die überwiegend deutschen und europäischen Leser des Handelsblatts sieht die Bilanz aufgrund der ausgeprägten Euro-Schwäche jedoch wesentlich positiver aus.

„Zweitens würden viele Anleger regelmäßige Ausschüttungen suchen, also Zinszahlungen oder Dividenden. Da fällt Gold als Anlageklasse aus.“ Die Null- und Negativzins-Umgebung der Finanziellen Repression scheint sich bis zu diesem Experten noch nicht herumgesprochen zu haben. Zwar mag es sein, dass „viele Anleger … Zinszahlungen“ suchen, nur dürften sie halt kaum fündig werden.

Ebenfalls ein richtiges Schmankerl ist der dritte Grund gegen Gold, denn derzeit seien „Aktien und Immobilien „cool“ … während Gold für „Verluste und Trägheit“ steht.“ Yeah, Baby, coole Anleger wollen nur richtig coole Sachen in ihren coolen Depots haben. Deshalb sind sie ja auch so erfolgreich. Sein Meisterstück liefert der Experte mit dem vierten Grund ab: Es „sei schlicht Unsicherheit. Niemand könne genau nachvollziehen, wer aktuell eigentlich Gold besitzt und was die Großinvestoren damit machen.“ Man will uns nicht nur Glauben machen, das Thema „Unsicherheit“ spreche gegen Gold, sondern auch, dass „Berichte, welche beispielsweise anzweifeln, ob das deutsche Gold überhaupt noch da ist“, ebenfalls auf den Preis drücken würden. Schließlich implizieren diese Aussagen, dass man bei anderen Anlageklassen genau wüsste, mit welchen Absichten Großinvestoren dort engagiert seien. Nun gut, bei Staatsanleihen ist dies tatsächlich der Fall. Fed und EZB halten sie, damit der Kurs nicht absäuft – und richtig „cool“ sind Staatsanleihen sowieso.

Ralph Malisch – Smart Investor



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3 Kommentare auf "Löcher in der Matrix: „Uncooles Gold“"

  1. Josh sagt:

    Es ist doch schon Bergbau im Weltall geplant – Gold für alle!
    Ne, aber Gold gibt den Menschen das Gefühl von Sicherheit, darum wird es auch immer eine Anlageform bleiben.

  2. Klugscheisser sagt:

    …Ebenfalls ein richtiges Schmankerl ist der dritte Grund gegen Gold, denn derzeit seien „Aktien und Immobilien „cool“ … während Gold für „Verluste und Trägheit“ steht.“ Yeah, Baby, coole Anleger wollen nur richtig coole Sachen in ihren coolen Depots haben. Deshalb sind sie ja auch so erfolgreich.

    🙂 sehr treffend kommentiert, der heutige Sonntagsaufsteller.

  3. Avantgarde sagt:

    Ob Cool oder nicht – ich bleib dabei….. ich könnte fast darauf wetten, daß wir beim Gold noch irgendwas zwischen 9XX und 10XX Dollar sehen werden. Wie auch immer das dann in Euro aussehen wird.
    Und im Gegensatz zu manch anderem hier will ich NICHT hoffen, daß wir danach mehrere tausend Dollar oder gar Euro sehen werden – wirklich nicht…..mit dem Gesamtmarkt nach oben oder unten reicht völlig.

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