Löcher in der Matrix: Trump, der “Lieferheld”

6. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien.

„Mega-Hochhaus in Frankfurt – Donald Trump hat nicht geliefert“ (faz.net, 4.2.2016)

Der bundesdeutsche Mainstream ist fester Bestandteil des US-Vorwahlkampfs. Die Richtung ist klar. Hillary Clinton ist die Richtige – erstens, weil sie als „Billy Boys“ Frau schon einmal im Weißen Haus saß, zweitens, weil sie bereits als Außenministerin „brillierte“ und drittens, weil sie eine Demokratin ist.

Da drückt man dann angesichts ihrer Korruptionsaffären und ihres notorisch kreativen Umgangs mit Fakten auch schon einmal beide Augen zu.

Dagegen sind US-Republikaner aus hiesiger Sicht ausnahmslos Hinterwäldler, die verdientermaßen ohne Erfolgsaussichten ins Rennen starten. Dass dann doch mit schöner Regelmäßigkeit auch Republikaner ins höchste US-Amt gewählt werden, bringt das politische Feuilleton dann ebenso regelmäßig in Erklärungsnot: „Sie wissen ja, „Mittlerer Westen“, der „Bible Belt“, die Amis halt.“

Dass es „The Donald“ unter den US-Wahlkämpfern mühelos zum Hassobjekt Nr. 1 brachte, hat ebenfalls mehrere Gründe: Der Mann gehört offensichtlich nicht zum Polit-Establishment. Auch in Deutschland gibt es die reale Möglichkeit, dass Außenseiter die politische Landschaft durcheinanderwirbeln. Ein Trump-Triumpf würde den Etablierten also auch hier gefährlich. Zudem sprengt es schlicht das Vorstellungsvermögen manch eines Beobachters, dass der vom „Turbo-Kapitalismus“ ausgemergelte US-Durchschnittswähler ausgerechnet einen Milliardär, also den personifizierten Klassenfeind, unterstützen könnte.

Die plumpe Wahlarithmetik lautet: Schwarze, Latinos und Frauen wählen gefälligst Clinton. Doch Trump hat einen Trumpf gezogen, der seine Gegner auf dem falschen Fuß erwischte. Mit sicherem Instinkt und sichtlichem Vergnügen entwickelte er den Tabubruch zu einer höchst erfolgreichen Kunstform. Da hyperventilieren die Ideologen der „Political Correctness“, wenn Trump ihre mühsam gezogenen Grenzen einfach überrennt – durchaus zum Vergnügen eines überraschend breiten Publikums. Es dämmert, dass einer wie Trump den Menschen auch hierzulande aus dem Herzen sprechen könnte – ein ausgesprochen gefährlicher Mann.

Der Umgang mit dem Phänomen Trump entwickelte sich bislang entsprechend des bekannten Gandhi-Schemas:

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“

Nach dem Ignorieren erwiesen sich auch die überaus geistreichen Bemerkungen zu seiner „markanten Frisur“ als Rohrkrepierer. Nun ist also „Bekämpfen“ angesagt – und da scheint jedes Mittel recht. Jüngstes Beispiel für ein besonders abstruses Trump-Bashing ist der oben angeführte Beitrag auf faz.net. Bereits die Überschrift „Donald Trump hat nicht geliefert“ soll signalisieren:

„Achtung Großmaul!“

Der Beitrag bezieht sich auf eine rund 15 Jahre (!) zurückliegende Begebenheit:

„Wie Donald Trump den Frankfurtern einmal das höchste Haus der Welt bauen wollte – und dann für immer verschwand.“

Dabei wird nicht mit Details der Trumpschen Großmannssucht gegeizt. Aber wollte Trump das wirklich? Hat er gar ein Versprechen abgegeben? Der Autor geht davon aus:

„Das versprochene Hochhaus der Superlative …“, heißt es da beispielsweise. Die Beweislage allerdings bleibt dünn: Erstens ließ Trump „noch während des einstündigen Gesprächs mit Roth nach seinem Projektentwickler schicken …“ Zweitens, er kam „… ein paar Monate nach dem Besuch … sogar noch einmal in die Mainmetropole …“ und schaute im Römer vorbei. Das war’s.

Eindrucksvolle Beweisführung. Auch dürfte die Ferndiagnose „Trump war eingeschnappt“ dem Reich der Küchenpsychologie entstammen. Vielmehr deutet der geschilderte Ablauf darauf, dass Trump bereits nach zwei kurzen Terminen mit der Frankfurter Stadtspitze restlos von der Idee einer Investition kuriert war. Spricht das gegen ihn? Wohl kaum. Zu so viel Realismus und Geschäftssinn kann man den Amerikaner eigentlich nur beglückwünschen, vor allem wenn man sich vor Augen führt, wie andere Großbaustellen im Lande seit Jahren vor sich hinsiechen.

Interessant ist die Reaktion der Leser, die praktisch unisono die Inhaltslosigkeit des Beitrages bemängeln. Dessen alleinige Intention scheint darin zu bestehen, nach der verlorenen Iowa-Vorwahl bei Trump noch ein wenig nachzutreten – die klassische deutsche Zivilcourage also. Frei nach Goethe: „So fühlt man Absicht und man ist verstimmt.“ Dabei sind die Leser überwiegend nicht einmal bekennende Trump-Fans, aber sie wollen sich eben nicht ganz so plump für dumm verkaufen lassen, wie das hier geschieht. Das mit dem „Klugen Kopf“ und der FAZ stimmt jedenfalls noch immer – zumindest bei den Leserkommentaren.
Ralph Malisch – Smart Investor

 

2 Kommentare auf "Löcher in der Matrix: Trump, der “Lieferheld”"

  1. Michael sagt:

    Die Hillary Clinton hat eh schon 2 Perioden hinter sich, wenn auch nicht offiziell als Figur im Vordergrund. Mehr als 2 Perioden gibt es mal nicht. Hoffe die Wähler sind klug genug …

  2. FDominicus sagt:

    Es ist bedauerlich das es tatsächlich auf Trump vs Hillary hinauslaufen wird. Wenn man mich fragt ist die Wahl genauso keine wie bei Obama und McCain. Und ich bezweiele sehr stark, daß Freiheit bei einem von den beiden nicht unter ferner liefen läuft. Und ich bezweifele noch stärker, daß einer von den beiden mit dem Schuldenanhäufen aufhört und ich bezweifele sehr stark, daß sich an der kriegerischen Politik der USA etwas ändern wird. Eine Wahl die keine ist kann man sich ehrlicherweise schenken. Daher mein Vorschlag 2 Jahre Trump / 2 Jahre Hillary mit dem jeweilig anderen als Vize……

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