Löcher in der Matrix – Noch mehr Orwell?

28. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

„75 000 Exemplare von „1984“ nachgedruckt: Trump beschert George Orwell ein Comeback“ (bild.de, 26.1.2017)

George Orwell ist ein Klassiker. Das Buch, als Warnung vor totalitären Systemen gedacht, scheint von immer mehr Machthabern als Blaupause missbraucht zu werden. Nun ist der Verkauf erneut in die Höhe geschnellt und im Gegensatz zu steigenden Börsenkursen, sah man hier im Mainstream sofort einen direkten Zusammenhang mit Donald Trump. Vor allem die ungelenken ersten Auftritte seines Pressesprechers und einer Beraterin zog man als Beweis dafür heran, dass wir vor einem neuen Orwellschen Zeitalter stehen. Da dürfen Fragezeichen erlaubt sein.

Das öffentliche Herumgegackse zweier Vertreter einer gerade ins Amt gekommenen Administration, auf die vom ersten Tag an eine mediale Hetzjagd veranstaltet wurde, wirkt nicht gerade wie ein von langer Hand geplantes Lügengebäude, um die Bevölkerung klein, dumm und abhängig zu halten. Was der Beitrag auch nicht thematisiert ist, dass es Orwells Klassiker „1984“ mit schöner Regelmäßigkeit auf die Bestsellerlisten schafft – beispielsweise anlässlich des PRISM-Skandals im Jahr 2013. Damals war das Thema „Totalüberwachung“.

Noch weniger mochte sich der Springer-Boulevard an die vielen Parallelen zwischen Orwells Dystopie und der Zeit vor Trump erinnern – in den USA und in Europa.

Kostproben gefällig?

Ein „Krieg gegen den Terror“, der in fataler Weise an den Dauerkriegszustand des Romanlandes „Ozeanien“ mit einem unsichtbaren und unbesiegbaren Gegner erinnert.

Das planvolle Zurückdrängen bürgerlicher Freiheiten (Bargeld, Vorratsdatenspeicherung, etc.) für eine ominöse „Sicherheit“, die nie geliefert wird.

Eine Inflation von Umetikettierungen, Wortneuschöpfungen und ideologiegerechten Sprachverhunzungen, die den Orwellschen „Neusprech“ um Längen in den Schatten stellen – polit- und gendergerecht, versteht sich.

Eine Gemeinschaftswährung, die Zwietracht zwischen den Völkern Europas sät, aber unablässig als „Friedensprojekt“ bezeichnet wird – „Krieg ist Frieden“?

Ein geplantes „Abwehrzentrum gegen Desinformation“, das ebenso gut auch gleich „Wahrheitsministerium“ heißen könnte.
Massenmedien, die ihr Publikum unverhohlen nach der Devise „Unwissenheit ist Stärke“ dauerberieseln und dafür auch noch zwangsweise eine „Demokratieabgabe“ eintreiben.
etc., etc.

Nach unserem ersten Eindruck kann der Orwellsche Druck auf die Menschen unter Trump also durchaus erst einmal nachlassen, wobei uns eine solche neue Freiheit dann konsequenterweise als „Sklaverei“ verkauft würde.

© Ralph Malisch (Homepage vom Smart Investor)

 

Ein Kommentar auf "Löcher in der Matrix – Noch mehr Orwell?"

  1. Insasse sagt:

    Hahaha, ja die Welt steht komplett Kopf. Fast alles läuft genau verkehrtherum. Und so werden auch Begriffe im genau entgegengesetzten Sinn ihrer eigentlichen Bedeutung gebraucht. Es ist erstaunlich und auch traurig, wie lange die Menschen brauchen, um das zu erkennen und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Sie glauben lieber den Worten von Leuten, weil diese „in Amt und Würden“ stehen, als deren Sinngehalt und daraus resultierenden Handlungen zu prüfen. Aber es gibt Hoffnung: Überm großen Teich wird es dem alten Europa gerade wieder vorgemacht, dass es doch eine Alternative gibt. Schaun mer mal, ob die Menschen im alten Europa ebenfalls aus der Matrix, die zur Einschränkung ihrer Freiheitsrechte aus Poltical Correctness und mannigfaltigen Tabus errichtet wurde, ausbrechen können.

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