Löcher in der Matrix: Mogelpackung Macron

7. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

Aus der aktuellen politischen Diskussion sind Mogelpackung und Etikettenschwindel nicht wegzudenken. Beides ist einfach zu gut, um darauf zu verzichten. Ganze Heerscharen von Spin-Doktoren versuchen Politikern einen prägnanten Stempel aufzudrücken, der vom Wahlvolk fest mit dem Namen des Betreffenden assoziiert werden soll.

Der Bürger „weiß“ dann einfach, was das für einer ist, ohne je eine unkommentierte Rede in voller Länge gehört oder gar ein Programm gelesen zu haben – Mission erfüllt.

Wie wohlwollend ein solcher Stempel letztlich ausfällt, hat vor allem etwas mit der Nähe des Politikers zur herrschenden Macht und zur Medienmacht zu tun. Wer beispielsweise hierzulande mit dem aus libertärer Sicht zu begrüßenden Ziel antritt, den durch Zwangsgebühren finanzierten Staatsfunk abzuschaffen, darf sich über Schmähungen und mangelnde Objektivität der Berichterstattung aus diesem Biotop nicht wundern. Hat man gar keine Argumente, dann werden sogar die staatlich besoldeten Komiker losgelassen, die vorzugsweise unter der Gürtellinie für billige Lacher sorgen.

Wenn dagegen ein Politiker von den Großmedien kontinuierlich niedergeschrieben wird UND nicht Kim Jong-un heißt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Geschmähte den einen oder anderen richtigen Punkt getroffen hat. Die gehätschelten Homestory-Typen, denen mit freundlichen Fragen gefällige Antworten in den Mund gelegt werden, sind dagegen vollkommen ungefährlich für die herrschenden Interessen.

Ein interessanter aktueller Fall ist Emmanuel Macron, Kandidat um die französische Präsidentschaft. Ihm wurden zwei äußerst freundliche Etiketten umgehängt – „sozial“ und „liberal“ soll er sein, wer wollte das nicht?!

Wobei sozial um Gottes Willen nicht sozialistisch und liberal keinesfalls als neo-liberal verstanden werden darf. In Deutschland werden Erinnerungen an Helmut Schmidt wach, den beliebtesten Kanzler der Bundesrepublik, der den Gipfel seiner Popularität allerdings erst viele Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit erklomm.

Dabei steht Macron für einen knallharten Transfersozialismus auf EU-Ebene – Eurobonds, Bankenunion, gemeinsame Einlagensicherung, gemeinsame EU-Arbeitslosenversicherung, etc. – also all das, was uns der Mainstream gerne säuselnd als „pro-europäisch“ verkauft. Für den deutschen Steuerzahler läuft es dagegen schlicht darauf hinaus, die französische Reformunwilligkeit bzw. -unfähigkeit künftig verstärkt zu alimentieren.

Warum dennoch auf allen Kanälen die Werbetrommel für Macron gerührt wird? Weil diese Transfermechanismen Deutschland und Frankreich „gleicher“ machen, was vor allem dem Lieblingsprojekt Euro zugutekommen soll. Dass Deutschland und Frankreich nicht nur „gleicher“, sondern – wie bei jedem Umverteilungsmechanismus – künftig insgesamt auch ärmer sein werden, wird verschwiegen. Seine eigentliche politische Statur bezieht Macron ohnehin alleine aus der simplen Tatsache, dass er weder Marine noch Le Pen heißt. Gegen diese Kandidatin würde der Mainstream auch ein Baguette vom Vortag als wählbar präsentieren.

Vermutlich wird diese Strategie erneut aufgehen, obwohl eine Twitter-Umfrage von Macrons Ehefrau Brigitte gründlich schief lief: Unter ihren Followern votierten 30% für ihren Mann, 60% aber für Le Pen. Zum Glück kann man Twitter-Umfragen einfach löschen.
© Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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3 Kommentare auf "Löcher in der Matrix: Mogelpackung Macron"

  1. Diederich Heßling sagt:

    Frei nach Berthold Brecht:
    Wer nicht wählt, kann verlieren. Wer wählt, hat schon verloren.

    • DonSarkasmo sagt:

      Herr Heßling,
      da möchte ich Sie doch gerne korrigieren: Wer nicht wählt, akzepiert das, was ihm die wählenden Idioten vorsetzen. Wer wählt hat zumindest eine Chance. Meinen Sie nicht auch ?

  2. einer von vielen Narren sagt:

    Leider nicht.

    Wir dürfen wählen, aber wir haben keine Wahl.
    Könnten Wahlen etwas bewirken, hätte man sie gar nicht erst eingeführt.

    Leider ist jede politische Vereinigung eine parasitäre Verbrecherorganisation.

    Ich wäre ja für Anarchie, aber da müssten statt der Menschen Heilige die Welt bewohnen.

    Vielleicht dauert es mehr als tausend Jahre bis sich aus den Resten der Menschheit, die das große Chaos überlebt, wieder eine Zivilisation bilden kann.
    Noch viel später nennt man das dann ein goldenes Zeitalter, und hofft, daß es in erreichbarer Zukunft liegt.

    Ich wünsch uns Allen das Beste.

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