Löcher in der Matrix – Immer auf die Kleinen

21. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch – Smart Investor

„Münzen: Bargeld wird für Einzelhändler immer teurer“ (wiwo.de, 19.8.2015)

In Smart Investor 7/2015 widmeten wir unsere Titelstory dem Thema „Bargeldverbot“ und beleuchteten Gründe, Wahrscheinlichkeiten und Auswirkungen. Auch andere beschäftigen sich mit Bargeld, wie hier die Online-Ausgabe der Wirtschaftswoche. Sie allerdings sorgt sich nicht um eine der letzten Bastionen bürgerlicher Freiheit, sondern beteiligt sich an deren Untergrabung – steter Tropfen höhlt den Stein.

Diesmal sind die Kleinstmünzen, also Ein- und Zwei-Cent-Stücke, ins Visier geraten. In bewährter Manier erfahren wir gleich zu Beginn, wer sich vernünftigerweise schon davon losgesagt hat, etwa die Drogeriemarktkette „dm“. Aber auch in den Niederlanden und Finnland gebe „es sie so gut wie gar nicht“ – leuchtende Vorbilder also. Die Kleinstmünzen seien „nicht nur unbeliebt, weil sie Verbrauchern das Portemonnaie versperren“, für den Einzelhandel seien sie „mittlerweile richtig teuer“ geworden. Im „Ernstfall“ fielen bei Händlern „Gebühren von mehr als 1000 Euro monatlich an“ – Kleinvieh macht also auch Mist.

Bei dieser erdrückenden „Faktenlage“ sollte dem Leser der gewünschte Schluss „Weg damit!“ eigentlich nicht schwer fallen. Zur Sicherheit wird aber gleich noch ein Kommentar bzw. Appell unter der Überschrift „Bargeld: Schafft die kleinen Cent-Münzen ab!“ eingebunden. Dort wird unter anderem postuliert: „Ein- und Zwei-Cent-Münzen braucht niemand. Sie werden sinnlos gehortet …“. Diese Art des angemaßten Wissens darüber was andere für sinnvoll halten oder brauchen, findet man ansonsten vor allem in Planwirtschaften. Als eine Art Konsequenz wird „Freiheit für das Portemonnaie!“ gefordert, nicht zuletzt, weil dasjenige des Autors „gefühlte zwei Kilo“ wog. Das wackelige Fundament dieser Forderung dürfte also eine Wahrnehmungsstörung sein, denn Portemonnaies mit einem Lebendgewicht von „zwei Kilo“ sind uns in freier Wildbahn noch nicht begegnet – in richtigem Geld wären darin mehr als 60 Feinunzen Gold enthalten. Ohnehin würden wir die Forderung weiter fassen: „Freiheit für die Bürger!“ Die könnten dann nämlich ganz einfach selbst entscheiden, wieviel Freiheit sie ihrem Portemonnaie zumuten wollen.

Richtig ist allerdings, dass die Kosten für das Bargeld-Handling gestiegen sind. Dahinter steckt – wir sind wieder beim Hauptartikel – eine neue EU-Verordnung, die „Banken und Sparkassen … verpflichtet, Münzen regelmäßig auf Echtheit prüfen zu lassen“. Das, so versichert uns wiwo.de treuherzig, führe „zu einem teuren Kreislauf“. Mit keinem Wort wird thematisiert, dass eine Echtheitsprüfung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen natürlich vollkommener Blödsinn ist, egal ob diese Vorgabe aus Brüssel oder gleich vom Mond kommt. Statt also mit dieser Begründung eine Abschaffung der Kleinstmünzen zu fordern, könnte man mit deutlich mehr Berechtigung sinnvollere Verordnungen aus Brüssel fordern. Möglicherweise handelt es sich bei der Verordnung aber auch gar nicht um einen handwerklichen Fehler. Möglicherweise wollten die Lobbyisten von Banken und Einzelhandel die Kleinstmünzen durch die Verteuerung ganz planvoll aus dem Rennen kicken. Bei der prinzipiell „cashophoben“ Politik hätten sie damit offene Türen eingerannt. Und irgendjemand der das dem Volk als gottgegeben verkauft, lässt sich für kleines Geld immer finden.

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2 Kommentare auf "Löcher in der Matrix – Immer auf die Kleinen"

  1. Insasse sagt:

    Ja, die linksgrünen Meinungsmacher arbeiten in bekannt subtiler Art und Weise daran, den Deutschen das Bargeld madig zu machen. In der ARD gab es diese Woche bei Plusminus einen mehr als sinnfreien (wenn man die eingangs genannte Intention einmal beiseite lässt) Beitrag dazu.

    Dazu wird im quasi luftleeren Raum ein Vergleich Schweden gegen Deutschland herbeikonstruiert. Irgendein schwedisches Rentern-Pärchen kann inzwischen alles mit Plastikgeld zahlen, sogar den Klobesuch!!! Den armen, benachteiligten deutschen Rentnern, bleibt dagegen nichts anderes übrig, als mit (dem völlig veralteten Zahlungsmittel) Bargeld zu bezahlen. Wie doof!

    Gut man könnte genausogut auch andersherum argumentieren. Nämlich, dass die Schweden wohl bald nicht mehr anonym zahlen können. Aber dies widerspräche ja dem Propaganda-Auftrag des „Ersten“.

    Die wichtige Frage nach dem Warum wird selbstredend gar nicht erst gestellt. Dafür gibt es den zwangsgebührenbezahlten Grundtenor, dass bargeldloses Zahlen fortschrittlich ist, bargeldloses Zahlen dagegen nicht mehr zeitgemäß. Der vollvertrottelte Plusminus-Moderator teilt einleitend selbstverständlich mit, dass er zu den hierzulande nur wenigen Fortschrittlichen gehört, die bargeldlos zahlen.

    Um die Frage nach dem Warum beim in der Regel ohnehin des eigenständigen Denkens entwöhnten Zuschauer gar nicht erst aufkommen zu lassen, kommt natürlich im bewährten Propagandaschema auch ein Experte, ein Professor, zu Wort. Dieser bringt selbstverständlich auch nur die gewünschten Sprechblasen, ohne nach dem Sinn des bargeldlosen Zahlens zu fragen.

    Ein rundherum gelungener Propagandabeitrag gegen das Bargeld und zur weiteren Totalüberwachung der Deutschen. Aber seht selbst (wenn ihr euch das wirklich antun wollt):

    http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/bargeld-abschied-100.html

  2. Zudem wäre es für den Einzelhandel doch ausgesprochen lukrativ „zwangsweise“ alle Cent-Beträge auf den nächsten Zehner aufrunden zu „müssen“ …

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