Löcher in der Matrix: H1B: Doch etwas mit Vogelgrippe?

22. April 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Stefan Preuß

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien.

Trump sperrt die Fachkräfte aus“ (wiwo.de)

Von einem streng zynischen Standpunkt aus muss man feststellen, dass die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten bei weiten nicht die schlechte Nachricht ist, für die die Mehrheit der Deutschen sie hält. Dies wird mit jeder Woche, stets randvoll gespickt mit neuen Aktivitäten, deutlich. Die neue Administration schwächt die US-Wirtschaft nach Kräften, so viel lässt sich bereits absehen.

TTIP – abgesagt. TTP – gekündigt. Kanada – Milchkrieg. Mexico – Mauerbau. China – Währungsmanipulateure. Deutschland – Strafzölle. Klimawandel – frei erfunden. Wissenschaftler – Maulkorb. Islam – Einreisestopp.

Neuester Vorstoß: Für ausländische Fachkräfte soll es deutlich schwerer werden, ein Arbeitsvisum zu erhalten. Dieses so genannte H1-B-Visum hört sich nach Vogelgrippe an, regelt aber den Zuzug besonders benötigter Spezialisten. Zusammen mit der massenhaften Ausweisung illegaler Migranten, die sich oft als Billigstarbeiter verdingen, weist das auf spürbar steigende Lohnkosten für US-Unternehmen hin. Für die Wettbewerbsfähigkeit sind das nicht die besten Neuigkeiten. Apple, Alphabet, Microsoft und Co. protestieren eifrig.

Klar: Europa und ganz besonders Deutschland können kein Interesse an einem wirtschaftlich darbenden Nordamerika haben, dafür sind die Verflechtungen und gegenseitigen Abhängigkeiten zu eng. Zu stark, geradezu erdrückend für ein zerstrittenes Europa, sollten die USA allerdings auch nicht sein. So gesehen ist Trump der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Bedenken scheinen mittlerweile selbst in den Chefetagen der üblichen Verdächtigen der Öl-, Kohle- und Nahrungsmittelindustrie angekommen zu sein, die sich mittlerweile öffentlich zum Beispiel für den Verbleib im Pariser Klimaschutzabkommen stark machen. Das muss man sich vergegenwärtigen: Big Oil drängt den US-Präsidenten zum Klimaschutz!

Zurück zu den Fachkräften: Auch in Deutschland gibt es diesbezüglich überschaubar sinnige Regelungen, allerdings waren die hiesigen Unternehmen nie in dem Maße von der Zuwanderung aus Entwicklungsländern abhängig wie die US-Konzerne. Jetzt deuten sich sogar neue Chancen an, nicht zuletzt durch die Rückkehr oder den Zuzug von Spitzenwissenschaftlern. Das sind nicht die schlechtesten Aussichten.

Stefan Preuß – Homepage vom Smart Investor

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