Löcher in der Matrix: Gendergerechte Geldanlage

26. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

„Lufthansa belegt Platz eins bei neuem „German Gender Index“ (format.at, 23.4.2015) Wäre die Meldung zum Monatsanfang gekommen, die meisten Anleger hätten vermutlich herzlich über den gelungenen Aprilscherz der Börse Hannover gelacht…

Diese gab am 22. April bekannt, einen eigenen Aktienindex für „Gender Diversität“ zu starten, den „German Gender Index“. Um hier zu punkten, muss ein Unternehmen „ein ausgewogenes Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Führungskräften in Vorstand und Aufsichtsrat“ nachweisen. Wie sich das zum Rest der Belegschaft verhält ist egal. Die Gleichberechtigung des Jahres 2015 findet also vor allem in den Chefetagen deutscher Großunternehmen statt.

Dabei ist der Begriff „Gender“ durchaus unglücklich gewählt. Denn beim Thema „Gender“ geht es ja eigentlich um die Dekonstruktion der biologischen Geschlechter. „Männlich“ und „weiblich“ sind demnach nur erlernte Rollen. In der Genderideologie wäre der „German Gender Index“ daher wohl als Ausdruck eines ganz schlimmen Biologismus abzulehnen, da die Einstufung offenkundig anhand des biologischen und nicht anhand des entscheidenden „sozialen Geschlechts“ vorgenommen wird.

Eine Frau im Vorstand, die sich aber eigentlich als Mann fühlt, müsste zutreffend als Mann gezählt werden. Umgekehrt ist es bei Männern, die das weibliche Geschlecht „wählen“ – sie müssten eigentlich als Frauen zählen. Auch erscheint uns die Reduktion der sozialen Wirklichkeit auf ganze zwei Geschlechter – Mann und Frau – ebenfalls nicht ganz auf der Höhe der Zeit und alles andere als gendergerecht zu sein. Nach den vorliegenden Informationen können wir beispielsweise eine Diskriminierung Transsexueller durch dieses Konstrukt nicht ausschließen.

Aus Sicht der Börse Hannover mag dieser neue Index durchaus sinnvoll sein, eignet er sich doch dazu, sich mit einem zeitgeistigen Thema im Kampf der Regionalbörsen zu positionieren, ins Gespräch zu bringen, oder auch einfach nur einmal eine Kostprobe des hauseigenen Humors abzuliefern. Und tatsächlich, schon einen Tag nach der Ankündigung des Indexes hat ein erster Nachhaltigkeitsfonds angekündigt dem „German Gender Index“ zu folgen.

Auf Rang 1 in diesem Index liegt derzeit die Lufthansa – und genau da liegt das Problem, wenn die Geldanlage mit allerlei anderen Themen überfrachtet wird, oder mit der Altersvorsorge Politik gemacht werden soll. Denn die Lufthansa war nicht gerade ein Bringer im DAX.

Natürlich, der Anleger hat das gute Gefühl, mit seinen Spargroschen die Tätigkeit von Frauen – also von biologischen Frauen – in Vorstand und Aufsichtsrat von Deutschlands größter Airline irgendwie unterstützt zu haben. Viel sinnvoller erscheint es uns jedoch, dort Geld anzulegen, wo auch welches zu verdienen ist – und das hat mit dem Geschlecht, der Schuhgröße und der Haarfarbe der Leitungsorgane eines Unternehmens vermutlich gar nicht so viel zu tun. In einem zweiten Schritt kann man sich dann ja immer noch mit dem so verdienten Geld engagieren – zum Beispiel für transsexuelle Kahlköpfe in Unternehmensbeiräten.
Ralph Malich – Smart Investor



 

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