Löcher in der Matrix: Endlich „Gerechtigkeit“

28. März 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

„Schluss mit ungerechten Strompreisen“ (www.welt.de, 21.3.2017)

Er ist wieder da, der „ungerechte Preis“. Diesmal hat er sein hässliches Haupt ausgerechnet dort erhoben, wo man es am allerwenigsten erwartet hätte, beim Strom. Es soll mit der Energiewende zu tun haben, was wir so gar nicht glauben können. Schließlich wurde diese von der Regierung höchst selbst in nicht enden wollender Weisheit beschlossen und schon der frühere TV-Journalist Franz Alt wusste: „Die Sonne schickt uns keine Rechnung“

Tatsächlich kommt die Rechnung auch gar nicht von der Sonne. Aktuell stecken im durchschnittlichen Strompreis von 29,16 Cents/kWh nämlich 55% Steuern und Abgaben – mindestens! So wird uns das gerne beschönigend vorgerechnet.

In Wirklichkeit schlägt Mutti Staat aber satte 120% auf den Preis drauf – darunter eine Mehrwertsteuer, die sich ihrerseits auf andere Steuern und Abgaben bezieht, ganz so, als ob sich darin irgendwo ein „Mehrwert“ verstecken würde.

Die Zusammensetzung des Strompreises ist also tatsächlich sehr ungerecht – besonders, weil der Staat, dessen positive Beiträge bei Stromerzeugung und -verteilung bislang vergeblich gesucht wurden, am weitesten die Hand aufhält.

Diese Form der Ungerechtigkeit hatten die Wirtschaftsexperten des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) allerdings nicht im Sinn, als sie sich heroisch in die Schlacht warfen. Stattdessen kritisieren sie, dass – gemessen am Einkommen (!) – Wohlhabende wenig, Arme aber viel für die Energiewende und damit für den Strom bezahlen müssen. Absolut zahlen natürlich alle in etwa gleich viel für eine Einheit Strom.

Das ist auf anderen Gebieten nicht anders. Egal ob Millionär oder Mindestlohnbezieher, an der Aldi-Kasse sind alle gleich – beim Porsche-Händler übrigens auch. Die besondere Brisanz beim Strompreis ergibt sich, weil dieser erstens durch die Lasten der Wendepolitik weitaus schneller gestiegen ist als die allgemeine Einkommensentwicklung und man zweitens hierzulande auch im unteren Einkommenssegment nicht ernsthaft auf Strom verzichten kann – was diesen dann allerdings doch noch vom Porsche unterscheidet.

Zwar zielt der Beitrag gemäß der Überschrift auf „ungerechte Strompreise“, im Verlauf der präsentierten Lösungsvorschläge aber wird klar, dass es eher in Richtung einer Korrektur „ungerechter“ Einkommensverhältnisse geht. Gut, dass der Staat mit dem Instrument der progressiven Einkommensbesteuerung da über ein probates Mittel verfüge, derartige Gerechtigkeitslücken zu schließen, so der Tenor. Gut auch, dass dies laut einer Umfrage als ziemlich „gerecht“ empfunden würde.

Allerdings scheint all das zu kurz gesprungen. Ganz abgesehen davon, dass jemand, der einen „ungerechten“ Preis moniert, sich eher beiläufig anmaßt den „gerechten Preis“ zu kennen– was auch immer das überhaupt sein soll?!

Im Wesentlichen ist dies ein Lehrstück in Interventionismus. Und das Megaprojekt „Energiewende“ entwickelt sich theoriegerecht entlang einer immer schieferen Bahn aus unerwünschten Fernwirkungen (“Ungerechtigkeiten“) und erneuten Maßnahmen bzw. Gegenmaßnahmen. Idealerweise lässt man das Ganze dann irgendwo geräuschlos im Bundeshaushalt und in der allgemeinen Besteuerung verschwinden – wie bereits so viele gescheiterte Staatsinterventionen zuvor.

Die mit unüberhörbar lautem Schweigen im Raum stehende Grundsatzfrage ist doch nicht, wie Preise „gerechter“ gemacht werden können, sondern ob das grobmotorische Projekt der Energiewende nicht insgesamt eine ziemlich „windige“ Angelegenheit ist.

Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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2 Kommentare auf "Löcher in der Matrix: Endlich „Gerechtigkeit“"

  1. JayJay sagt:

    Die “Energiewende“ ist alternativlos, da wir jeden Tag damit rechnen müssen, das ein Tsunami unsere AKWs zerstört und schließlich will die Ökolobby gut verdienen am schlechten Gewissen des gemeinen Michelschafes.

    Wir retten die Welt mit unserer Energiewende, Einwegpfand und anderen Ökoquatsch der uns eingeredet wird das er schlecht für uns ist und nur durch massive Abgaben darauf gestoppt werden kann.

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