Löcher in der Matrix – Das Geld anderer Leute

4. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph MalischSmart Investor

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

„Eurokrise: Frankreich will Währungsunion mit Finanzausgleich“ (faz.net, 31.8.2015)

Es klingt zynisch, aber die aktuelle Migrationskrise dürfte aus Sicht manches Politikers auch Chancen bieten. Unter anderem bindet sie die Aufmerksamkeit der Bürger. Das gelingt umso besser, je emotionaler die Debatte geführt bzw. eigentlich verweigert wird. Der Mainstream arbeitet jedenfalls tatkräftig daran, das Erregtheit auf Anschlag zu halten – Bilder verdrängen Argumente. Einen traurigen Höhepunkt erreichte das gestern, als mit dem Bild eines toten Jungen am Strand von Bodrum Schlagzeilen und Auflage gemacht wurden. Mit der medialen Ausschlachtung des Todesfalls starb der kleine Kerl ein zweites Mal. Mittlerweile sind in der Sache mehr als ein Dutzend Beschwerden beim Deutschen Presserat eingegangen.

Soviel zur traurigen Vorrede. Tatsächlich werden im Windschatten der größten Wanderungsbewegung die der Kontinent seit Kriegsende gesehen hat, noch ganz andere Dinge „gefingert“, die das Antlitz Europas ebenso nachhaltig verändern werden. Es ist erneut Frankreichs Wirtschaftsminister Macron, dem „eine grundlegende Erneuerung der Eurozone“ vorschwebt, wie faz.net unter Berufung auf ein Interview der Süddeutschen Zeitung berichtet.

Offenbar sind wir Zeugen eines Spiels mit verteilten Rollen: Nachdem in der Vorwoche EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré seinen Hut in den Ring warf – mit Rückendeckung von EZB-Präsident Mario Draghi versteht sich – konkretisierte Emmanuel Macron nun, wie sich Frankreichs Sozialisten eine „Neugründung Europas“ vorstellen. Dabei bediente er sich vorzugsweise an den Haaren herbeigezogener Behauptungen vom Schlage „Je höher das Budget, desto glaubwürdiger wäre Europa“. Die Katze lässt er im übrigen völlig ungeniert aus dem Sack. Sein Vorstoß verlange „von Deutschland Tabubrüche“. Aha, von Deutschland also? Das Kehren vor der Tür der eigenen sozialistischen Misswirtschaft kommt ihm gar nicht erst in den Sinn. Und weiter: „Falls die Mitgliedstaaten wie bisher zu keiner Form von Finanztransfer in der Währungsunion bereit sind, können wir den Euro und die Eurozone vergessen.“

Die dreistelligen Milliardentransfers und Garantien im Rahmen der Euro-„Rettung“ scheint er bei dieser Argumentation “vergessen“ zu haben. Oder in seiner Rechnung zählt nur jenes Geld, das automatisch fließt bzw. das sich ein künftiger EU-Finanzminister dank eigener Steuerhoheit selbst holen kann. Natürlich wollen „wir“ – also er – das ganze Euro-Experiment ganz und gar nicht vergessen, zumindest nicht, ohne noch einmal ordentlich abgemolken zu haben. Deshalb setzt Macron zum großen Finale an: „Eine Währungsunion ohne Finanzausgleich – das gibt es nicht! Die Starken müssen helfen.“ Besser hätte er Maggie Thatchers Einsicht nicht bestätigen können, wonach Sozialisten eben nicht am Ende sind, wenn ihre eigenen, meist bescheidenen Mittel aufgezehrt sind, sondern erst dann, wenn sie auch das Geld der anderen verfrühstückt haben – und Herr Macron zielt explizit auf deutsches Geld.

Weil es die Sozialisten in Brüssel und Paris zudem offenbar ordentlich kneift, wird auf die Tube gedrückt, denn „die radikale Reform“ soll „bis spätestens 2019 in einem neuen EU-Vertrag“ verankert werden. Lediglich die Wahlen im Jahre 2017 will man noch abwarten – nicht, dass die Bürger vorher noch Lunte riechen.

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Ein Kommentar auf "Löcher in der Matrix – Das Geld anderer Leute"

  1. JayJay sagt:

    Wir werden schon ordentlich verraten und verkauft, darauf kann man sich verlassen.
    Schlimm, das es die meisten nicht merken, erst wenn es zu spät ist.

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