Loch Bless: Kiffen, Kohle, Klubkultur?

19. März 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Das Monster von Loch Bless zieht weiter seine Runden. Nach den trostlosen Zahlen der vergangenen Jahre wartet die Commerzbank nun mit geradezu revolutionären Konzepten auf. Es wäre doch gelacht, wenn man sich nicht an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen könnte…

Der schon lange währende Umbau der Commerzbank schreitet voran. Nur weil einige Zeitgenossen vom „Projekt Münchhausen“ sprechen, lässt man sich in Frankfurt am Main nicht aus der Spur bringen.

So schrieb die FAZ unlängst von einer neuen Werbekampagne mit einigen Ballsportlern. Von der Begeisterung, die die Bürger gemeinhin bei Ereignissen wie Weltmeisterschaften mitreiße, solle sich etwas auf die Bank übertragen. Dieser Hoffnung habe der Vorstandsvorsitzende Blessing bei der letzten Bilanzpressekonferenz Ausdruck verliehen. Nun darf man zum einen darauf gespannt sein, wie groß denn die Begeisterung bei dieser WM ausfallen wird. Andererseits bleibt für den Sportfreund die Hoffnung, dass nicht allzu viel von der Bank auf die Mannschaft abfärbt.

Welche Ziele man genau erreichen will bleibt unklar, aber es gibt viele Hinweise. So sagte die Betriebsratschefin der Zentrale laut FAZ:

(FAZ 14.2.2014) Die Ziele, die wir bis Ende 2013 erreichen mussten, damit die Bank bis Ende 2014 keine betriebsbedingten Kündigungen ausspricht, wurden weit übererfüllt.“

Eine bemerkenswerte Zielsetzung muss das Bankhaus sich da ausgesucht haben. Da werden sich die Anteilseigner aber freuen. Es klingt ein wenig so, als würde ein professioneller Bergsteiger sich darüber freuen, dass er sich beim Verlassen des Hauses in Garmisch noch nicht den Fuß gebrochen hat. Im Grunde ist damit der Everest beinahe bezwungen.

Die Kosten, die man durch den bisherigen Personalabbau eingespart habe, würden in „neue Produkte und Dienstleistungen“ investiert. Im Jahr 2013 spreche man von 600 Millionen Euro, die man in Neuerungen gesteckt habe. 600 Millionen Euro? Für welche neuen Produkte? Den Kundenkompass oder etwa das sprechende Girokonto? Oder gar – wie originell – ein App?

Ja, die Finanzbranche ist auch abseits der Bilanzierung kreativ. Aber das Vergeben von Krediten und der Kauf von Anleihen oder Verbriefungen ist schon ein irrsinnig kompliziertes Geschäft, dass sich zudem von Jahr zu Jahr komplett verändert. Da muss man bereit sein, auch mal ein halbes Milliärdchen locker zu machen m auch weiterhin ganz vorne dabei zu sein. Ahead of the curve, wie man so schön sagt. Vielleicht kommt ja schon bald ein Disount-Lookback-NeitherLooseNorWin-Zertfikat dabei heraus. Oma Surbier wird sicher dankbar sein.

Generell verspricht man sich offenbar viel von einer Modernisierung von Auftritt und Angebot der Bank. Das ist seltsam, denn über die Comdirect Bank sollte man mitbekommen haben, was viele Menschen eigentlich nur noch für das Bankgeschäft benötigen. Ein Girokonto, ein Tagesgeldkonto und gegebenenfalls ein Depot. Auf die Beratung von Bankangestellten, die entweder freiwillig oder aus beruflichem Zwang teure Fonds und strukturierte Produkte verkaufen, verzichten nach den Erfahrungen der letzten Jahre immer mehr Menschen. Wer Blödsinn zum Thema Finanzen hören will, der muss ohnehin nur Fernsehen schauen oder Radio hören, da spart man sich zumindest den Weg.

Dem Filialüberschuss in Deutschland will man nun mit einem „neuen Filialtyp“ begegnen. In Berlin (ach wie trendy …) will man testweise Sofas hinstellen (huch!), Tablets auslegen (crazy – webculture) und eine Kaffeebar einrichten (ganz was Verrücktes!). Diese Idee kann man irgendwo zwischen Verzweiflung und Wahnsinn ansiedeln, aber vielleicht ergeben sich nach einer etwaigen Freigabe von Marihuana völlig ungeahnte Möglichkeiten, seine Freizeit in einer Filiale zu verbringen. Gerade auch für junge Menschen …

  Kluuub

Mal richtig einen durchziehen, sich Geld per Xbox hin- und wieder zurücküberweisen und dabei einen Kaffee Latte mit Zuckersirup aus Pappbechern mit Plastikdeckel trinken. Ein echter Freizeitspaß. Falls Sie nun ungeahnte Profite wittern, warten Sie einfach auf die nächste Kapitalerhöhung.

Manchmal fragt man sich, wie die Bank eigentlich dahin gekommen ist, wo sie heute ist.

blesschart2

Der Laie ahnt es beim Blick auf den Chart. Es handelt sich ganz offensichtlich lediglich um ein paar Übergangskrankheiten. Mehr als 95% Verlust sind kaum der Rede wert und Ausdruck normaler Schwankungen, wenn die Strategie passt. Vom aktuellen Niveau ausgehend muss der Kurs sich nur verachtundzwanzigfachen um wieder in die Nähe alter Hochs zu gelangen, man sollte also nicht alles so negativ darstellen.

Aber  wir meinten nicht (nur) den Aktienkurs. Wie geht man beispielsweise mit Fehlern der Vergangenheit um? (Seite 2)


 

Seiten: 1 2 3

Schlagworte: , , , , , , , ,

4 Kommentare auf "Loch Bless: Kiffen, Kohle, Klubkultur?"

  1. Lickneeson sagt:

    Vielen Dank wertes Bankhaus.

    Schöner kann ein Tag ja kaum anfangen. Für die Kreativabteilung der Coba hätte ich auch noch einige bahnbrechende Konzepte auf Halde. Werde da mal anrufen…

    Unsere Elite, die Mixtur aus Elend& Rendite.

    Mfg

  2. bluestar sagt:

    Also mal die ganze Sache mit der Coba-Führung mal bitte etwas positiver sehen.
    Ich find mit deren „Leistung“ und substanzlosem Gelaber haben die sich für einen hohen Posten in der Politik bestens empfohlen. Genau solche Leute werden bei Merkel und Co. gebraucht. Keine hohe Sachkenntnis, kein Verantwortungsbewusstsein,
    keine Performance, beste Nebelkerzenwerfer-Qualitäten, krankes Ego.
    Und das Gute: Solche Leute in der Politik würde die dumme Masse sogar noch wählen…

  3. Skyjumper sagt:

    Es ist zwar noch nicht einmal Mittag, aber dieser herrlich zynische Schreibstil hat mir schon ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert. Vielen Dank.

  4. JayJay sagt:

    Super Artikel, das hellt den Nachmittag auf. Weiter so.

    Gold & Silber Ahoi

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.