Liquiditäts-Hausse und Blasenbildung

20. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit – Seit etwa Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wachsen in den Vereinigten Staaten von Amerika die Bankkredite deutlich stärker als die Wirtschaftsleistung. Daran hat auch die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise nichts geändert. Der krisenbedingte Rückgang der Bankkredite im Verhältnis zur Produktion war nur von sehr kurzer Dauer…


Die „Rettungspolitiken“ der amerikanischen Zentralbank – Nullzinspolitik und (Basis-)Geldmengenausweitung – scheinen folglich die Kreditvergabe der US-Banken erfolgreich in Gang zu halten. Mit anderen Worten: Die Geldpolitik, die maßgeblich zur jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise geführt hat – nämlich die Erzeugung eines „Kreditbooms“ – wird unvermindert fortgeführt.

Ein solcher Kreditboom muss jedoch früher oder später in einen Abschwung („Bust“) münden. Denn die Ausweitung der Bankkredite zu künstlich niedrigen Zinsen führt zu Kapitalfehllenkungen. Derzeit scheint die anwachsende Geldmenge, für die die Bankkreditausweitung sorgt, nicht so sehr die Endverbraucherpreise in die Höhe zu treiben, sondern die Aktienkurse.


Auch die niedrigen Zinsen, die Anlegern nach Abzug der laufenden Inflation vielerorts bereits eine negative Verzinsung bescheren, dürften die Nachfrage nach Aktien befördern.

Das Halten von Anleihen wird zusehends unattraktiver; es hat sich eine kaum mehr übersehbare „Blase“ in den wichtigen Staatsanleihemärkten herausaus gebildet.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine häufig benutzte Kenngröße zur Beurteilung der Frage, ob Aktien angemessen bewertet sind. Das KGV errechnet sich, indem der Aktienkurs durch den Unternehmensgewinn geteilt wird. Ist das KGV hoch (im historischen Vergleich), so ist der Aktienmarkt „teuer“, ist das KGV niedrig, so ist der Aktienmarkt „billig“.

Ein KGV lässt sich auch für den Anleihemarkt errechnen. Man teilt hierzu den Anleihekurs durch den Zinscoupon. Ein KGV des Anleihemarktes in Höhe von zum Beispiel 20 würde besagen, dass bei einem Kurswert der Anleihe von 100 der jährliche Zinscoupon 5 Prozent beträgt.

Die obige Graphik legt nahe, dass der USAnleihemarkt (seit geraumer Zeit) überbewertet ist: Das KGV des Anleihemarktes beträgt jetzt etwa 50 (!) und ist damit beispielslos hoch (und markant höher als das Aktienmarkt-KGVs von derzeit etwa 16). Eine „Normalisierung“ der Anleihekurse würde absehbar (deutlich) steigende Zinsen nach sich ziehen. Doch sie wird durch geldpolitische Maßnahmen (in Form von Anleihekäufen) verhindert. Die Geldpolitik „zementiert“ bislang erfolgreich die Überbewertung der Anleihenkurse.

Zur „Blasen“-Bildung auf den Finanzmärkten

Unter dem Begriff „Blase“ wird üblicherweise eine preisliche Überbewertung eines Finanzmarkttitels verstanden. Notiert zum Beispiel eine Aktie zu 100 Euro, und beläuft sich der „fundamental gerechtfertigte Wert“ der Aktie nur auf 40 Euro, so wäre eine „Blase“ zu diagnostizieren (in Höhe von 60 Euro (d. h. die Differenz zwischen dem Marktkurs von 100 und dem „fundamental gerechtfertigten Wert“ von 40 Euro)).

Blasen lassen sich jedoch nicht immer eindeutig vorab erkennen. So kann sich zum Beispiel die künftige Gewinnsituation eines Unternehmens deutlich verbessern (aufgrund von Innovationen), so dass der Aktienkurs des Unternehmens auf Basis der bisherigen Gewinne überteuert erscheint. Wenn aber der Aktienkurs mit den künftig hohen Gewinnen (die noch nicht bekannt sind) ins Verhältnis gesetzt wird, so kann sich eine gegenteilige Beurteilung ergeben. Da die Erwartungen bezüglich künftiger Unternehmensentwicklungen von Investor zu Investor unterschiedlich sind, ergeben sich auch in der Regel keine einheitlichen Urteile über die Angemessenheit von Aktienbewertungen. Eine Blase auf den Anleihemärkten zu erkennen, dürfte hingegen weitaus leichter fallen… (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Liquiditäts-Hausse und Blasenbildung"

  1. pat sagt:

    Ich finde das KGV immer sehr merkwürdig. Der Kehrwert ist viel aussagekräftiger. Das wäre der prozentuale Gewinn im Verhältnis zur Marktkapitalisierung. Diesen Wert könnte man dann auch viel Sinnvoller mit der prozentualen Dividende vergleichen.

    Bei Anleihen ist der Kehrwert des KGV schlicht der Zinssatz. Das KGV verwirrt meist mehr, als es Verständnis fördert.

    Wenn man bedenkt, dass die Inflation systematisch nach unten gerechnet wird, dann ist auch das Bruttoinlandsprodukt geringer als angenommen, da von den nominalen Zahlen die Inflation abgezogen wird um das reale Bruttoinlandsprodukt zu errechnen.

    Damit klafft die Lücke zwischen Bruttoinlandsprodukt und Bankkredit noch größer. Aber im grunde kann es, wie in jedem Schneballsystem, nicht anders laufen. Es muss mehr Rendite versprochen werden, als real erzielbar sind. Sonst steigt ja niemand in dieses Schneballsystem ein.

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