Liquidität und liquide bleiben

14. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Eines meiner Lieblingsthemen heißt seit längerer Zeit: Liquidität. Aktueller Anlass, warum ich mich heute wieder mit diesem Thema beschäftige: Verschiedene Indizien deuten dahin, dass die Liquidität in wichtigen Bereichen der Geldanlage abnimmt – mit zum Teil dramatischen Folgen für Ihr Geld…

Ausschlaggebend sind die verzweifelten Versuche von Groß- und Kleinanlegern, Geld angesichts der Mini-, Null- und Negativzinsen schnell mal in höher verzinslichen, aber später nur schwer liquidierbaren Anlagen unterzubringen. Dazu gehört speziell der massenhafte Kauf von Anleihen zweifelhafter Qualität ebenso wie die Flucht in Immobilien – um nur zwei Beispiele zu nennen.

Wer die in letzter Zeit wieder nervöser reagierenden Indizes VDax in Deutschland und Vix in den USA verfolgt, erkennt schnell deren tendenziellen Anstieg, der von zunehmender Nervosität und bald abnehmender Liquidität an die Aktienmärkten zeugt. Besonders deutlich erkennbar ist auch, dass der Aktienhandel an der amerikanischen Leitbörse seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise vor nunmehr fast acht Jahren deutlich abgenommen hat.

Bevor Sie sich nun zu Recht fragen, was sich hinter all dem im Einzelnen verbirgt und welche Konsequenzen es für Sie persönlich hat, definiere ich erst einmal wieder den Begriff Liquidität. Er bedeutet erstens Geld als jederzeit einsetzbares Zahlungs- bzw. Tauschobjekt, etwa in Form von Bargeld, Geldscheinen und -münzen oder als Tagesgeld. Er bedeutet zweitens Liquidierbarkeit, also die Möglichkeit der Umwandlung von Anleihen, Aktien, Immobilien, Fonds, Edelmetallen u.a. in Geld. Und er bedeutet schließlich drittens Zahlungsfähigkeit als Eigenschaft, Forderungen aller Art jederzeit begleichen zu können.



Die größte Brisanz birgt derzeit Nummer zwei. Gehen wir dazu die gerade genannten Anlagen durch und beginnen wir mit Anleihen. Deren Liquidierbarkeit reicht von extrem gut (gängige Bundesanleihen mit breitem Markt) bis grottenschlecht (riskante Privatplatzierungen, aber auch indirekt, etwa in Kapitallebensversicherungen, gehaltene Anleihen aller Art). Grundsätzlich gilt: Anleihen sind umso risikoreicher, je mehr Zinsen sie bieten und je enger ihr Markt ist.

Vor allem viele von Ratingagenturen schlecht bewertete Unternehmensanleihen haben den gravierenden Nachteil, dass sie sich nicht mal eben liquidieren lassen. Denn dafür bräuchte es passende Käufer, die jedoch allzu oft erst gar nicht zu finden sind. Fazit: Gängige Bundes-, aber auch Unternehmensanleihen mit breitem Markt eignen sich als Ersatz für Liquidität auf dem Konto, wobei de facto reale Zinslosigkeit in Kauf genommen werden muss.

Aktientrends lassen sich nicht nur anhand der üblichen Kurskurven verfolgen, sondern auch mithilfe von Volatilitätsindizes, wie VDax und Vix (im Internet auf den üblichen Finanzseiten verfügbar). Diese Indizes messen die Höhe der Kursschwankungen. Je höher sie steigen, desto mehr geht es an der Börse rauf und runter und desto schwieriger wird es, Aktien zu einem bestimmten Wunschkurs zu liquidieren. Das heißt, Aktien sind zwar grundsätzlich gut liquidierbar; aber an den Liquidationserlös müssen umso mehr Konzessionen gemacht werden, je höher der VDax oder der Vix steigt. Fazit: Machen Sie sich rechtzeitig mit Volatilitätsindizes vertraut, um beim Aktienverkauf nicht zu große Abstriche an Ihre Wunschkurse machen zu müssen.

Zu Immobilien ist im Hinblick auf die Liquidität grundsätzlich nur so viel zu sagen: Gängige Wohnimmobilien in besten Lagen sind bei gutem Immobilienklima – wie derzeit – leicht zu liquidieren, falls der Preis stimmt. In allen anderen Fällen müssen Abstriche gemacht werden, entweder an den Preis oder an die Wartezeit oder an beide. Verschlechtert sich das Immobilienklima, wird es höchste Zeit zu verkaufen. Weniger gängige Immobilien sind dann praktisch illiquide. Indirekte Immobilienanlagen in offenen Fonds, Schwerpunkt Gewerbeimmobilien, sind nach neuer Rechtslage nur noch bedingt liquidierbar, Anlagen in geschlossenen Fonds jahrelang gar nicht. Fazit: Selbst genutzte Wohnimmobilien sind ok, vorausgesetzt, sie bilden im Verhältnis zum Gesamtvermögen kein Klumpenrisiko. Alles andere ist etwas für Spezialisten, die sich in bestimmten Märkten besonders gut auskennen.

Die Fondsvielfalt ist derart erdrückend, dass hier nur auf die besonders verbreiteten offenen Wertpapierfonds hingewiesen sei. Sie investieren in Aktien und/oder Anleihen und halten Liquidität vor für den Fall, dass Anleger Fondsanteile verkaufen. Für den Anlageerfolg entscheidend ist neben der Entwicklung der Aktien- und Anleihenkurse die Qualität von Fondsmanagern. Die zu beurteilen, ist nur in der Rückwärtsbetrachtung möglich. Insofern bleibt jegliche Fondsanlage eine Spekulation. So viel zu gemanagten Fonds. Darüber hinaus werden börsengehandelte Indexfonds immer populärer, üblicherweise ETF genannt (Exchange Traded Funds). Fazit: Man erkauft sich die Risikostreuung mit der Unsicherheit über die kommende Entwicklung. Als Pluspunkt bleibt die Möglichkeit, Anteile gängiger Wertpapierfonds jederzeit liquidieren zu können.

Bei Edelmetallen heißt es zu unterscheiden: zwischen Gold, Silber, Platin und Palladium, zwischen Anlage- und Sammlermünzen, kleinen und großen Barren, Minenaktien und -fonds – nur um die gängigsten Anlagen zu nennen. Bis zu einem gewissen Grad liquide sind sie alle, aber eben in unterschiedlichem Ausmaß. Krügerrand, Maple Leaf, Känguru, Wiener Philharmoniker und American Eagle als Goldanlagemünzen, ferner Goldbarren bis zu einem Kilo dürften für die meisten privaten Anleger am einfachsten liquidierbar sein. Fazit: Sie sollten zur Grundausstattung eines gut gemischten Vermögens gehören.

Manfred Gburek – Homepage




 

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4 Kommentare auf "Liquidität und liquide bleiben"

  1. cubus53 sagt:

    Der Besitz von Gold dient der langfristigen Sicherung des Privatvermögens. Ob das Gold allerdings dazu taugt, in Krisenzeiten liquide zu bleiben, bezweifle ich. Sollte es zu einem Finanzcrash kommen, gehe ich von grossen Verwerfungen und dem Verlust meiner Menschenrechte innerhalb der Gesellschaft aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich dann – im Gegensatz zu vielen anderen – Waren mit Gold kaufen und damit unbehelligt nach Hause gehen kann. Insofern stellt Gold für mich nur eine Sicherheit für eine Zeit nach der Krise dar.

    • Deutscher Michel sagt:

      Wie recht Sie haben! Gold ist eine (Ver)Sicherung des Vermögens und dient deren Erhalt. Während Papiergeld sukzessive entwertet wird, wird Gold seinen Wert auch in einer neuen Währung mehr oder weniger behalten.

  2. bluestar sagt:

    @cubus53
    Gold sehe ich auch Sicherheit für die Zeit „danach“.
    Wer die konsequenten Vorbereitungen auf den Polizeistaat unter dem absolut cleveren Deckmantel „Terroristengefahr“analysiert muss wohl schlussfolgern, dass der Finanzcrash kommt und die Eliten bereits ihre Position nach dem Neustart vorbereiten.
    Auch die ununterbrochene Kriegspropaganda und Hasspredigten gegen äußere „Feinde“ und innere „Verschwörungstheoretiker“ lässt nichts Gutes vermuten.
    Wir werden wohl alle etwas verlieren, egal wie das Vermögen verteilt ist.
    Aber das wichtigste was wir verlieren werden sind die Reste der bürgerlichen FREIHEIT.

  3. Michael sagt:

    Hütet euch vor dem Tag an dem die Bevölkerung sich in Sicherheit wiegt … dann lacht die nächste Korrektur ums Eck.

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