Cäsh in die Täsch… dank Wirtschaftskrise???

8. Dezember 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Jippie! Hurra! Jippie! Hooray, Heijeh..! Oh, ich kriege mich gar nicht mehr ein. „ Die Wirtschaftskrise treibt die Reallöhne in die Höhe“ schreibt „Die Welt“. Rette sich wer kann vor diesen Reallöhnen! Wenn Sie jetzt noch etwas warten, sind Sie bald schon Millionär. Da legt`s di nieda! (…das war bayrisch)…

Das sind doch mal richtig gute Nachrichten, die die Zeitung kurz vor dem Wochenende verbreitet. Man kann sich gemütlich in die Sommersonne setzen und sich wünschen, dass alles viel viel schlechter wird, denn diese Wirtschaftskrise hat nämlich wirklich ihr Guttes, pardon, Guttenberg, oh sorry… ihr Gutes, wollte ich schreiben. Was der Aufschwung nicht hin bekommen hat, nämlich mehr in die Taschen der Leute zu bringen, schafft jetzt die Krise. Erstmals seit fünf Jahren haben die Arbeitnehmer unterm Strich mehr in der Tasche, sagt das statistische Bundesamt. Das letzte Mal war das 2004, als wir alle noch jung und hübsch waren und die Arbeitnehmer 0,5 Prozent mehr zum Ausgeben hatten. Na, wir wollen nicht übertreiben mit der Überschrift „ …die Reallöhne in die Höhe.“ Demnach hat unsere Kanzlerin vor zwei Jahren etwas übertrieben, als sie den Aufschwung bei den Leuten hat ankommen sehen. Unsere Ökonomen waren der gleichen Meinung, nur dass sie ihre Prognosen immer und immer wieder korrigieren. Ja, so heißt das heute…

Ich muss erst mal ans Fenster, den Jubel beobachten und frische Luft schnappen, auch wenn ich in Frankfurt wohne..

So… zurück…

Schnell gerechnet

Das DIW bezeichnet es als einmalig in der bundesdeutschen Geschichte, dass die Arbeitnehmer im letzten Aufschwung Einbußen haben hinnehmen müssen. Nun, die Rechnung ist eigentlich ganz einfach. Das schafft jeder… Tariferhöhungen im ersten Halbjahr (+2 bis 3 Prozent) abzüglich der offiziellen Inflationsrate (0 bis +1 Prozent) – und schwupps, wird die Kasse voll.

Heimliche Beobachtungen

Beim Wochenendeinkauf beobachtete ich heimlich eine Frau mit Tränen in den Augen. Voller Dankbarkeit für die Krise, legte sie zwei Joghurts zum Preis von einem in den Einkaufskorb. Ja, man shoppt sich das Leben schön. Kein Wunder, dass sich die Konsumenten im Kaufrausch befinden. Das sagt jedenfalls der GfK-Konsumklimaindex aus, der zum fünften Mal in Folge gestiegen ist. Sogar die Einkommenserwartungen steigen kurz vor der Bundestagswahl, trotz der befürchteten Entlassungswelle danach. Vielleicht war es auch eine Umfrage im Bankensektor. Man kann ja nicht wissen… Wenn das die Krise ist, bitte, bitte, bleib!

Der DAX steigt, die Preise fallen. Bald ist Weihnachten. Vielleicht kommt noch der Klapperstorch. Sogar das Wetter spielte zumindest in Frankfurt verdächtig mit in dieser Woche. Und um die Ecke kommt der Aufschwung. Aufschwung? Um Gottes Willen! Dann stünde demnächst geschrieben: „Wirtschaftsaufschwung drückt die Reallöhne in den Keller…“ Wollen Sie das etwa? Ich halte kurz inne. Sollte ich nochmal aus dem Fenster schauen? Ich bemühe meinen Taschenrechner. Wie lange dauert es, bis jeder Deutsche Millionär ist? Etwas Geduld ist dabei schon erforderlich, sagen wir mal 500 Jahre. Bei steigender Inflation, mit der man nun gar nicht rechnen kann, vielleicht sogar etwas früher.

Die Gewerkschaften sorgen sich jetzt vor einer schwarz-gelben Regierung, zumindest Franz-Josef Müllenberg von der NGG gegenüber der „Berliner Zeitung“. Eine bessere Wahlempfehlung kann sich schwarz-gelb doch eigentlich gar nicht wünschen. Unter rot-schwarz gab es diesen wunderbaren Aufschwung und diese wunderbare Krise, die jetzt die Taschen füllt. Auch wenn manche Dauerpessimistendauernöglerundschwarzmaler meinen, die Koalition hätte es vermurxt, so kann es die nächste Regierung ja vermarxen – Hauptsache die Krise bleibt…

P.S. Vor lauter optimistischen Pessimismus wäre ich vor der Haustür fast gegen ein Wahlplakat der Linken gerannt. Darauf stand „Reichtum für alle!“

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