Lerne, lese, leiste was!

30. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der schöne Satz „Erfahrung ist die beste Schule, aber die teuerste“ geprägt. Gerade im Finanzwesen ist Erfahrung durch nichts zu ersetzen. Die schmucke Sammlung angelsächsischer Finanzzertifizierungen ist in der Regel eher als Wandschmuck denn als praxisrelevantes Wissen geeignet. In der heutigen Zeit bemühen sich zahlreiche private Bildungseinrichtungen, zumindest was die Kosten angeht, zur Erfahrung aufzuschließen. In den USA hat dies mittlerweile bereits Tradition…

Während Begriffe wie Leistung hierzulande durchaus abweichend interpretiert werden – der eine meint sie müsse sich wieder lohnen, der andere fragt, wo sie zu beantragen sei – haben viele US-Amerikaner das Sprüchlein „erst lerne, lese, leiste was, dann haste, kannste, biste was“ nicht nur gelernt sondern verinnerlicht. Die Realität fügt den Lehrgängen der privaten Universitäten seit einigen Jahren allerdings die wichtigste Lektion hinzu. Erfahrung. Nur weil etwas immer teurer wird, muss es sich noch lange nicht lohnen.

Die Kosten für die universitäre Ausbildung in den Staaten sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich stärker gestiegen als die allgemeinen Lebenshaltungskosten und die verfügbaren Einkommen. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn das was hinten rauskommt die Kosten rechtfertigte. In vielen Fällen ist das nicht der Fall. Nach der Hochschule wartet auch in den USA vermehrt die Arbeitslosigkeit an der nächsten Ecke. Jenseits einiger weniger Anwaltskanzleien oder staatlich subventionierter Firmen des Finanzsektors geht zudem der Gehaltspegel auf klaren Südkurs. Die Studienkosten haben davon leider noch nichts mitbekommen.

In den vergangenen zwanzig Jahren stieg das Realeinkommen der Absolventen im Mittel um zehn Prozent. Im gleichen Zeitraum wurden die Studenten Zeugen einer realen Steigerung der Ausbildungskosten um mehr als 50%. Das reale Medianeinkommen der Absolventen ist sogar um 4% gesunken. 50% der Absolventen verdienen folglich real mindestens 4% weniger als 1991.

Interessanterweise markiert das von uns als großer ökonomischer Wendepunkt angesehene Jahr 2000 neben anderen Gipfeln auch den Zenit der Entwicklung der Einstiegsgehälter. Seither stiegen die Kosten unvermindert weiter und legten real um knapp ein Viertel zu. Die Gehälter schrumpften seither real um 10%.

Betrachtet man das Studium wirtschaftlich als Projekt, so muss eine massiv sinkende Marge konstatiert werden. Die steigende Arbeitslosigkeit unter Akademikern auch in den USA zeigt, dass viele Menschen die oft kreditfinanzierten Koste nach dem Abschluss nicht mehr durch höhere Einnahmen decken können.  Die Summe der ausstehenden Studentenkredite hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als vervierfacht. Es ist die einzige Kategorie privater Kredite, die gewachsen und nicht geschrumpft ist. (Seite 2)

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12 Kommentare auf "Lerne, lese, leiste was!"

  1. Austrian sagt:

    Leistung, wo kann ich die beantragen?… Köstlich… 🙂

  2. tizian sagt:

    Kann mir mal einer helfen? Ich versuche gerade etwas zu lernen, denn ich weiß nicht, was da passiert:
    Dazu bitte Kitco „charts & Data“ Gold anclicken: „Es“ rauscht eben mal um 30 USD nach oben. Und das in kürzester Zeit. Ist da was faul?
    Oder ist schon September? …und Silber rauscht hinterher. *!?*

    • Der Wuppertaler sagt:

      Ich bekomme in den letzten Tagen auch nen Föhn, wenn ich den Goldchart betrachte. Habe nach dem Artikel vom Düsseldorfer „Gold: Achtung! Eisberg voraus?“ Stichwort: „Fibonacci-Projektion“ mein ganzes Papiergold mit Knock-out Schwellen bei 1400$ verkauft, um nach einem ordentlichen Rücksetzer dann wieder schön einzusteigen! Hatte da so einen Satz im Kopf: „verliere niemals deine Position“ 🙂 und seither läuft der Chart mir nun davon :-/ wollte das Zertifikat, eigentlich bis Ende des Jahres durchziehen…und jetzt komme ich nicht mehr „vernünftig“ rein 🙁

      Wir sind eindeutig im überverkauften Bereich, aber irgendwie ist bei Gold richtig Dampf unterm Kessel und dann kommt jetzt der September (bester Gold-Monat) und was bei den Banken hinter den Kulissen wirklich abläuft ,weiß auch keiner…da kann jeden Tag so ein schwarzer Schwan um die Ecke kommen…

      Hätte heute auch eher mit fallenden Kursen gerechnet, keine Ahnung wie hoch es noch geht, ob wirklich noch ein Rücksetzer kommt…oder ist durch den Anstieg heute über 1828$ jetzt die nächste Stufe gezündet worden!??! Jemand nen Tipp, wo seht ihr aktuell mögliche Unterstützungen für das Papiergold ;)???

      MFG Der Wuppertaler

      • Frank Meyer sagt:

        Bei Null. Oder irgendwo dort.
        Wäre das mit echtem Gold passiert. Das bekommt man in zwei Tagen nicht mal so schnell los.
        Eigentlich ist es unerheblich, womit man im Tagesverlauf rechnet. Es kommt wie es kommt. Aber das scheint wirklich Druck im Kessel zu sein.
        Ted Butler vermutete in den letzten Tagen Short Covering vom Feinsten.

        • Der Wuppertaler sagt:

          Short Covering – da könnte wirklich was dran sein. Vor allem im physischen Handel in London scheint diesbezüglich viel los zu sein.
          Mal abwarten viell. könnt ihr diesen Aspekt ja auch mal in der Metallwoche behandeln 🙂

          Ich lese immer Ted Butlers ältere Artikel, wenn sie dann iwann öffentlich zugänglich sind! Aber aktuelle Interviews im Web oder TV findet man nicht so oft von ihm, oder?!

      • tizian sagt:

        Hi, Wuppertaler!
        Frei nach dem Motto: „Sell in may and go away“? -Was für den Aktienmarkt eventuell, aber noch lang nicht für den Goldmarkt(Silbermarkt) zuträfe…
        Mein Motto: Fallen kann es, steigen muss es.
        Also immer schön drinnen bleiben! Gilt auch für die Minen.
        Das ist ja das einmalige an diesem Markt, in diesen Zeiten: nix timen müssen, stoisch oben auf dem Bullen sitzen bleiben, vor allem un-gehebelt bleiben!
        Dieses soll hier keine Anlageempfehlung sein, das gleiche gilt auch für diesen AusnahmeBlog hier, der in diesen irren Zeiten versucht erheiternd, erhellend und informativ diesen ganzen Wahnsinn journalistisch zu begleiten.

        Versuch’s mal auf dem Goldseitenblog. 😉
        Grüssle

  3. Austrian sagt:

    Tizian: Fed Mitglied Evans spricht sich für mehr QE aus…

  4. Gernot sagt:

    Guter Artikel!
    Anmerkung: Kann es sein, daß es auf S. 2 oben „und rund $30.000 pro Jahr in den teils massiv mit staatlichen Mitteln aufgepäppelten privaten Institutionen“ heißen sollte?

  5. Takuto sagt:

    Ein gutes Video der amerikanischen National Inflation Association zum Thema Bildungsbetrug:

    http://inflation.us/videos.html (erstes Video)

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