Leih mir doch mal 1.000 Euro…

8. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

…oder was wir von früheren US-Präsidenten lernen können. Reden wir einmal über die Banken, deren „Ableger“, die Zentralbanken – und über den Zins. Gerade um Letzteren ranken sich zahlreiche Mythen und Gerüchte. Angeblich sei er, der Zins, für eine entwickelte Volkswirtschaft „unverzichtbar“…

Historisch betrachtet kann man das allerdings nicht unterschreiben. Beispielsweise fällt auf, dass Europa in einer Phase des Zinsverbots enormes Wachstum von Wohlstand und Bevölkerung zu verzeichnen hatte: Während des Hochmittelalters vom 11. bis zum 13. Jahrhundert wurden so viele Kathedralen gebaut und Städte gegründet wie nie zuvor und wie später nie wieder in der europäischen Geschichte.

Doch davon will heute niemand etwas hören. Wir sind ja schließlich „fortschrittlich“. Das beliebteste Totschlagargument, um Zinskritiker in die Schranken zu weisen, lautet sinngemäß folgendermaßen: „Leih mir doch mal 1.000 Euro, Du bekommst dafür auch keine Zinsen“.

Was will man da noch groß erwidern? Das Argument scheint eingängig und ist für jeden sofort nachvollziehbar. Schließlich gehen gutgläubige Menschen selbstverständlich davon aus, dass derjenige, der Geld verleiht, dieses auch irgendwie „erarbeitet“ hat. Dann ist es doch auch völlig in Ordnung, wenn der gütige Geldgeber für seine Dienste eine Gegenleistung erhält, nämlich den Zins.

Sollte der Geldverleiher allerdings auf die Idee kommen, Geld auszureichen, das gar nicht existiert, weil es erst noch geschaffen werden muss, per Knopfdruck sozusagen und ohne jede „Gegenleistung“ aus dem Nichts, wird die Diskussion über Sinn und Unsinn des Zins schon deutlich komplizierter.

Denn wer bezahlt schon freiwillig für eine „Leistung“, die es gar nicht gibt?! Noch dazu, wenn er weiß, dass er für diese Nicht-Leistung Sachwerte wie etwa Immobilien oder Grundstücke als Pfand bereithalten muss, um diese im „Bedarfsfall“ an den Geldgeber zu übertragen?!

Genau das geschieht jedoch tagtäglich, was den Firmengründer Henry Ford zu der berühmt gewordenen Bemerkung inspiriert haben mag, noch vor morgen früh sei eine Revolution zu erwarten, sollten die Menschen jemals die Mechanismen unseres Geldsystems begreifen.

Aber wir sind da auf einem guten Weg, sowohl was die Revolte angeht, was im folgenden Video deutlich wird, wenn auch in einem ganz anderen Zusammenhang – als auch das wachsende Wissen über unser Geldsystem betreffend. Denn allmählich spricht sich herum, was auf unserem Planeten gespielt wird.

Blicken wir beispielsweise einmal nach Japan:

In ihrer „Not“ und weil sonst nichts mehr hilft, könnte die japanische Notenbank schon bald gezwungen sein, das Land mit „Helikoptergeld“ zu fluten. Mein Kollege Clemens Schmale hat die Lage im folgenden Beitrag zusammengefasst. Zitat:

„Letztlich fehlt es der BoJ inzwischen an Munition, die sie noch verschießen könnte. Sie muss ihren Maßnahmenkatalog erweitern, wenn sie noch zusätzlich lockern will. Dabei würde kein Weg an Helikoptergeld vorbeiführen“.

Man kann sich schon heute an fünf Fingern abzählen, dass auch dieses japanische „Experiment“ scheitern wird – sofern es tatsächlich dazu kommt. Denn Helikoptergeld ist ein Schlag ins Gesicht jedes Menschen, der (noch) darauf vertraut, dass die Herren des Geldes noch irgendetwas im Griff haben.

Dessen ungeachtet bejubeln insbesondere viele Finanzexperten immer neue Absurditäten aus den Elfenbeintürmen dieser so genannten „Geldhüter“. Das mag an der Bildung dieser Jubler liegen und an den Scheuklappen, die ihnen in den Hörsälen gewachsen sind. Die „Menschen auf der Straße“ jedenfalls haben rein intuitiv nach meiner Erfahrung oftmals sehr viel mehr Durchblick in Geldsystemfragen, das aber nur am Rande.

Die wichtigste Frage lautet, wie lange es wohl noch dauert, bis der großen Masse ein Licht aufgeht und auch Lieschen Müller begreift, welch unglaublichem Schwindel sie seit Jahrzehnten auf den Leim geht.

Warum nur, so könnte sich Lieschen beispielsweise fragen, drucken Staaten nicht ihr eigenes Geld und verleihen es dann ohne Zinsen an die Bürger? Geld würde so wieder zu dem werden, wozu es einmal gedacht war: Ein Tauschmittel, um den Wert einer Leistung zu beziffern. Das ist keineswegs so utopisch wie es klingt. Wir kommen gleich noch einmal darauf zurück.

Wer freilich Geld lediglich dazu benutzt, um damit noch (viel) mehr Geld zu scheffeln, der hätte in einem solchen Umfeld nichts zu lachen, denn sein „Geschäftsmodell“ wäre plötzlich überflüssig.

Und während Lieschen Müller weiter stumpfsinnig vor sich hin schuftet, um „Kredite“ und die dazugehörigen Zinsen zu erwirtschaften, könnte der folgende Beitrag über die Geschichte des Zentralbankwesens in den USA etwas Licht ins Dunkel bringen…

Kurz zusammengefasst:

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts hatten einflussreiche Banker immer wieder versucht, die Geldschöpfung in den USA mittels einer Zentralbank unter ihre Kontrolle zu bringen. Weitblickende US-Präsidenten wie Thomas Jefferson, Andrew Jackson, James Garfield, Abraham Lincoln oder John F. Kennedy hatten das Spiel jedoch durchschaut und erkannten die Gefahren. Sie lehnten Zentralbanken und deren Schuldgeld deshalb kategorisch ab. Es ist zu vermuten, dass sowohl Garfield, wie auch Lincoln und Kennedy ihre Weigerung mit dem Leben bezahlten. Denn wer sich mit der Finanzmafia anlegt, der lebt gefährlich. Daran sollte auch Donald Trump gelegentlich denken, dem ebenfalls nachgesagt wird, die Wall Street an die Kandare nehmen zu wollen…

Die frühen US-Präsidenten jedenfalls, die im Unterschied zu allen Amtsinhabern seit John F. Kennedy nicht von der Wall Street gekauft waren, hatten erkannt, dass es zur Versklavung der gesamten amerikanischen Nation führen musste, wenn die US-Regierung gezwungen war, fremdes Schuldgeld zu benutzen, anstatt ihr eigenes staatliches Geld zinsfrei in Umlauf zu bringen.

„The best way to predict your future, is to create it“. (Abraham Lincoln)

Eine Schlüsselrolle spielte das Jahr 1862: Weil er sich von den Bankern und deren horrenden Zinsforderungen für die Finanzierung des Sezessionskriegs von 1861 bis 1865 nicht über den Tisch ziehen lassen wollte, gab Präsident Lincoln im Rahmen des so genannten „Legal Tender Act“ der US-Regierung die Möglichkeit, schuldfreies Geld herauszugeben, die so genannten „Greenbacks“.

Die europäischen Zentralbanken, die ihre finanziellen Selbstbedienungsläden unter Federführung des Rothschild-Clans auf dem alten Kontinent bereits erfolgreich etabliert hatten, waren von der Entwicklung derart alarmiert, dass im Jahr 1862 in der Londoner Times ein Artikel erschien, der Abraham Lincolns Initiative scharf verurteilte.

Sinngemäß hieß es dort:

„Wenn diese bösartige Finanzpolitik, die ihren Ursprung in Nordamerika hat, zu einer festen Einrichtung werden sollte, dann wird sich diese Regierung kostenlos mit ihrem eigenen Geld ausstatten. Sie wird damit Schulden abbezahlen und schuldenfrei sein. Sie wird all das nötige Geld haben, um ihren Handel voranzutreiben. Sie wird ein in der Geschichte der Menschheit beispielloses wirtschaftliches Wohlergehen erleben. Die Intelligenz und das Vermögen aller Länder werden dann nach Nordamerika gehen. Das Land muss zerstört werden, oder es wird jede Monarchie auf dem Globus vernichten.“

Im Klartext: Weil sie ihre Felle davonschwimmen sahen, und weil sie erkannten, dass die amerikanische Nation im Zuge eigener Geldschöpfung zu enormen Wohlstand kommen würde, wetterten die europäischen Zentralbanker gegen Lincolns Greenbacks und sorgten später mit dem Börsenkrach von 1907  dafür, dass nach zwei gescheiterten Versuchen der Boden bereitet wurde für die Schaffung der dritten US-amerikanischen Zentralbank im Jahr 1913. Gut informierten Zeitgenossen ist diese Einrichtung auch bekannt unter der Bezeichnung „Die Kreatur von Jekyll Island“…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

 

4 Kommentare auf "Leih mir doch mal 1.000 Euro…"

  1. Midas sagt:

    Herzlichen Glückwunsch, das ist die ehrlichste Analyse unseres Geldsystem, die ich jemals auf dieser Seite gelesen habe. Weiter so.

  2. Argonautiker sagt:

    Schöner Artikel Herr Hoose.
    Immer wieder inspirierend diese Seite.

    Und weil es ist wie Sie schreiben, sollte die Geldschöpfung ganz befreit werden, und nicht nur in die Hände des Staates gelangen, denn sie können leicht einen Staatsmann töten und damit zeigen, wie es jedem ergeht, der es wagt an ihrem quasi Monopol zu rütteln.

    Läge die Geldschöpfung jedoch bei Jedermann, hätten diese Herren ein Problem, weil sie Alle gegen sich hätten, und sie können unmöglich alle töten. Aber natürlich kann die Regierung auch Geld schöpfen. Wegen mir aus könnte man deren Währung, wenn sie gut gelänge, den „Regenten“ nennen.

    Wir brauchen eine frei Geldschöpfung, so wie jeder auch sein eigenes Brot backen darf, es aber doch nicht regelmäßig tut. Die die besonders gutes Geld backen können, werden sich dann schon durchsetzen, und diesen Part der Wirtschaft übernehmen. Es backt ja auch nicht jeder sein eigenes Brot, auch wenn er es darf, sondern das übernehmen die, die es besonders gut hinbekommen.

    Was es heißt ein gutes Geld gebacken zu kriegen, werden die, die am Markt teilnehmen, dann schon entscheiden. Geldschöpfen muß wieder ein Handwerk werden, bei dem man so wie alle Anderen auch, wirklich was tut, und selbst die 3 Parameter des Handelns investiert. Material, Leistung, Zeit, Und es dann, je nach Qualität der verwendeten Parameter, eben gut ankommt, oder auch nicht.

    So wie es überall Bäcker gibt, braucht es Geldschöpfer, zu denen man geht, wenn das im Umlauf seiende Geld zu knapp für den Warenhandel wird, und zu dem man dann hin geht, und seine Ware oder Dienstleistung anbietet, und bei gefallen und Handelseinigkeit, in frisches Geld eintauscht. Der Geldschöpfer kann diese Waren/Leistungen dann weiter handeln, und dabei gewinnen oder verlieren.

    Auf diese Weise wäre Geld immer noch ein Wertmaßstab, und Wertlagerstätte, aber einer, der auch selbst der Bemessung durch den Freien Markt unterläge, und vor allen Dingen eben durch die Waren die wirklich im Handel sind gedeckt wäre. Geld würde so also selbst im Wert durch den Handel bemessen, und genau das fehlt unserem Geld derzeit.

    Die heutigen Geldschöpfer tauschen einen Cent Artikel, der mit den heutigen Druckmethoden in Nullkomma Nix entsteht, gegen ungleich viel höhere Werte ein, und nehmen dafür auch noch horrende Zinsen, und trichtern uns ein, daß das ein gerechter Tausch sei. Wobei es sich mit den Zinsen ja gerade ausgezinst hat, und man deshalb die Währungen ja auch durch übermäßiges Drucken zerstört, damit man dann ein neues Schneeballsystem mit einer neuen Währung eröffnen kann.

    Mit wenigen Worten, Geld muß wieder das werden, was es ist. Nicht so wichtig. Eine Dienstleistung, eine ledigliche Wertebemessung, und Wertespeicher, die jeder durchführen kann, der am Handel teilnimmt, denn wenn er das nicht könnte, wie sollte er dann am Handel teilnehmen? Es wäre wieder Diener des Handels und nicht selbsternannter König.

    Es würde sicherlich sowohl sehr wertiges Geld entstehen, was man ihm auch durchaus ansehen würde, und auch weniger wertiges. Es kann goldiges, silbriges, kunstvolles, schlichtes, oder was auch immer für Geld geben, so es sich etablieren könnte. Betrogen werden wird sicherlich, das kann man nicht ausschließen, aber es betrügen dann eben nicht immer nur sehr wenige und immer die Gleichen.

    Dieses einheitliche Geld nutzt eigentlich vornehmlich nur denen, die es alleinigst herstellen dürfen, alle Anderen haben einen wesentlich geringeren Nutzen davon, wenn nicht sogar Nachteile. Die Bewertenden müssen ebenfalls bewertet werden, und zwar nicht durch sich selbst. Wenn Geld am Markt teilnehmen will, dann muß es das auch tun, und sich auch der Bewertung durch all die stellen, die es selbst bewerten will.

  3. Frank Frei sagt:

    „„Leih mir doch mal 1.000 Euro, Du bekommst dafür auch keine Zinsen“.“
    Wie klingt dieses konträre Beispiel.
    „Arbeite für mich doch mal 8 Stunden. Ich arbeite dann morgen für dich auch 8 Stunden.“

  4. FDominicus sagt:

    Also Abraham Lincoln hat auch Geld aus dem Nichts geschafft. Wo ist bitte der Unterschied. Ein Geld darf in feinster Weise von Staaten geschaffen werden. Es ist dabe völlig egal ob mit oder ohne Zinsen. Geld was verliehen werden kann/darf/soll muß vorher gespart worden sein. Punkt.

    Alles andere ist Augenwischerei und Betrug. Ein Greenback war genau was, genau eine IOY – wenn wir den Krieg gewinnen stand dahinter und Lincoln genau wie Kennedy waren mit die übelsten Präsidenten. Es war absolut nicht nötig die Südstaaten nicht ein eigenes Land gründen zu lassen und Kennedy: Frage nicht was Dein Land für Dich tun kann, sondern Du für Dein Land, ist ekelhaft. Heißt ja nur es ist was Gutes für das Vaterland verrecken zu dürfen. Wie gut war es denn was Kennedy zustieß. Hat hier auch irgendwer vergessen, wer Kuba angreifen lies und unterwerfen wollte. Wie kann man solche Maßstäbe anlegen?

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