Dystichos eptochevsamen! Leider sind wir bankrott.

7. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Frank Meyer) Das waren die Worte von Ministerpräsident Trikoupis im Jahr 1893. Hören wir heute diesen Satz erneut? Was passiert, wenn Griechenland pleite geht? Stehen wir dann wirklich so nackt in den Erbsen wie die Politiker? Ich weiß es nicht, nur dass die Akropolis in Schuldsachen schon öfters gebebt hat. Und sie wird es auch das sechste Mal seit 1829 tun, wenn es keine weiteren 130 Milliarden Euro regnet…

Und dennoch wird sich die Erde weiter drehen, notfalls auch ohne uns. In Griechenland würden neue bunte Geldscheine verteilt. Soweit man vermuten kann, ist die Last für den Bürger nach einem Haircut kleiner als zuvor. Hierzulande scheinen vor allem Politiker und Finanzindustrieelle in Panik zu sein, nicht aber der Otto Normal-Bürge.

In einer n-tv-Umfrage hätten 89 Prozent nichts gegen eine griechische Pleite. Die letzte Emnid-Umfrage in der „Bild am Sonntag“ ergab 53 Prozent der Befragten, die Griechenland die Drachme zurück gönnen. Aber was wird dann mit dem Euro? Wird er scheitern? Oder scheitern die Banken und dann der Euro? Wird aus der EZB-Notenbank eine Bank in Nöten? Wird es schlimm werden? Wahrscheinlich wird es schlimmer, wenn die Schulden weiter wachsen. Was sollen sie sonst tun?

Quadrigatour des Preises

Von den angekündigten Überschüssen gibt es trotz aller Sparanstrengungen keine Spur. Selbst die aufwendig inszenierte Quadriga-Preisverleihung an Ex-Ministerpräsident Papandreou, überreicht von Josef Ackermann am 3.10.2010, für seine „Wahrhaftigkeit und sein Stehvermögen in der Finanzkrise“, hat da nichts geholfen. Herr zu Guttenberg wurde damals auch bedacht. Vielleicht wären in diesem Jahr der dann noch amtierende Bundespräsident und Gottschalks neue Show an der Reihe.

Übrigens soll „Griechenland“ in „Hellas“ umbenannt werden, geht es nach Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis. Sein Konzept: Neuer Name, neues Glück. Auf diese Idee kommen wohl nur Abgeordnete des EU-Parlaments. Er sagte, Griechenland stehe für ein kaputtes politisches System und Vetternwirtschaft. Mag sein. Wann sucht sich dann das Europaparlament einen neuen Namen? VEB Bananas?

Gut versteckt

Wer in Griechenland noch über Sparguthaben verfügt, versteckt sie unter der Matratze, im Schrank oder im Ausland. 49 Milliarden Euro sollen von den Banken abgeholt worden sein. Wen wundert es? Wenn es neues Geld gibt, hat man noch seine ungeliebten aber harten Euro (kleiner Scherz) in der Kommode versteckt und dann einen super Start, vorausgesetzt, es gibt ihn dann noch.

Das ganze „Retten“ ist teuer geworden. Dabei landet das Geld ja nicht bei der griechischen Bevölkerung, sondern macht einen kleinen Umweg über Konten zu den Gläubigern. Dort ist die Angst vor einem „Default“ besonders groß. Das Wort muss seinen Ursprung in etwas Faulem haben (DE-fault), wobei mit DE nicht Deutschland gemeint sein soll. Auf den Euroscheinen trägt Deutschland ein „X“. Leicht zu merkeln: „Terra X – in selbstloser Mission“

Auf der gestrigen Merkosy-Pressekonferenz gab es Erhellendes. Zum einen sagte die Kanzlerin, der Euro sei ein politisches Projekt. Zum anderen befände er sich der Krise. Für diese These gibt es beim aktuellen Stand kaum Anhaltspunkte. Sollte der Euro wirklich in der Krise stecken, befindet sich auch das politische Projekt in der Krise, damit deren Erschaffer und Verteidiger. Was werden wohl die Griechen gesagt haben, als sie heute Nachrichten gesehen haben? Nachdem der „Sparkommissar“ für Griechenland“ als Demütigung verworfen wurde, wollen Deutschland und Frankreich griechische Steuergelder auf ein Sonderkonto eingezahlt wissen, von dem die Gläubiger bedient werden. Merkel sprach von einem Extra-Konto. Dibadibadu!

Dass das Jahr noch so jung ist. Nachdem der „Sparkommissar“ gescheitert ist, kommt das „Sonderkonto“. Und danach der mittelalterliche Schuldenturm? Die paar hundert Milliarden Euro, werden wir unseren Freunden zurück geben, wenn wir uns etwas anstrengen und fleißig arbeiten, wollte Papandreou nach dem Empfang der Quadriga noch sagen. Arbeiten? Wo denn bitte?

Mehr als eine Pressekonferenz?

Was halten Sie davon? Das Bündnis der Franzosen mit Deutschland wäre bedingungslos, hieß es vor der Presse. „Bedingungslos“ ist vielleicht die kleinere Schwester von alternativlos aus der Familie „Harmlos“. Unsere Kanzlerin sagte, sie unterstütze Sarkozy, egal, was er tut. Na, das kann ja heiter werden. Neulich hat Sarkozy Flugzeuge nach Libyen geschickt und geholfen, Gaddhafi zu töten, mit dem er nicht lange zuvor auf der Bühne stand und in Kameras lachte. Das haben fast alle Regierungschefs gemacht. Scheint harmlos, bedingungslos und alternativlos gewesen zu sein.

Doch warum dauern diese Verhandlungen nur so lange zwischen dem Ex-Goldman Mitarbeiter und jetzigem Chef der Griechen, seinem dicken Finanzminister und der „Troika“… „Wir sind bereits hinter der Deadline“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. „Athen reitet auf der Rasierklinge“, so eineandere Schlagzeile. Bildlich möchte ich mir das nicht vorstellen. Proteste, Streikwellen und bevorstehende Wahlen machen die Sache nicht einfacher.

„Die Zeit drängt!“ so eine andere Schlagzeile. Richtig! Banken wollen Mitte März ihre Kredite zurück. 14,4 Milliarden Euro. Beeilt Euch endlich mal! Mit dem Beitritt der Griechen zum Euro konnte es ja auch nicht schnell genug gehen. Längst waren die griechischen Buchstaben auf den bunten Euroscheinen gedruckt und im Umlauf. Auf deren Rückseite, welch Zufall, verlaufen auf den Noten die Brücken ins Nichts. Ruft doch endlich mal bei Goldman und J.P.Morgan an. Sie hatten für Finanznöte griechischer Regierungen schon immer gute Ratschläge und Lösungen.

Scheitert der Euro, scheitert Europa, scheitert Frau Merkel? Die EZB braucht man dann auch nicht mehr. Schade, gerade als Mario Draghi, auch ein Ex-Goldman-Experte, ans Ruder gesetzt wurde. Europa ist eine Sache von Krieg und Frieden, sagte die Kanzlerin. Ich hätte da eine Idee:

Da sich Bilder abnutzen, sollten Politiker jetzt ein paar einprägsamere Bilder benutzen. Ich helfe aus.

Scheitert der Euro- scheitert Ihre Heizung!

Schalten Sie für einen Tag die Heizung ab und Sie wissen, was das bedeutet. Das ist echte Eurokrise! Bis zu diesem Zeitpunkt wäre es ratsam, sich nach einer Alternative umzuschauen, vielleicht einem Holzofen. Dort kann man dann auch notfalls auch die gesparten Scheinchen fein dosiert verbrennen und sich am Feuer erwärmen.





P.S. Übrigens ist Spanien mit 13 Pleiten seit 1557 der Pleite-Meister, allein sieben mal im 19. Jahrhundert. Und Deutschland? Acht mal. Griechenland hat in der Hinsicht einen Joker frei.

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7 Kommentare auf "Dystichos eptochevsamen! Leider sind wir bankrott."

  1. wolfswurt sagt:

    Wer über seine Verhältnisse gelebt hat, in Form von geliehenem Geld, hat keine Probleme.
    Probleme hat der Geldgeber, wenn der Schuldner nun nicht mehr zahlen kann oder will.
    „Meine Schulden sind dein Problem“ heißt die Devise.

    Insofern ist Griechenland fein raus.
    Jeder Gläubiger der in völliger Verwirrtheit des heutigen Geldsystems sein Geld verleiht in dem er es Banken anvertraut muß bestraft werden.
    Nur der Verlust von Forderungen ist hier als Strafe nicht genug.

    Es braucht die siebenschwänzige Peitsche auf den Rücken eines jeden Gläubigers, oder auch Vollidioten, um für eine kurze Zeit das Gefühl des geläutert seins zu erzeugen!

  2. EuroTanic sagt:

    Innerhalb dieses Geldsystems gibt es keine Lösung im Sinne von Wohlstand für alle. Hier gilt nur das philosophische: „Wäre ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ Ob $, €, Rubel Yan …, alle funktionieren nach demselben System in dem Jeder (auf Kosten anderer) reich werden kann, aber eben nicht alle.

    • crunchy sagt:

      Hi!

      …oder war das eine viel zu positive, angloide Begrüssung?

      Ich war auch mal jung, arm und druchschittlich (intelligent). Seinerzeit standen wenigstens die Mädels Schlange. Dennoch habe ich mich, der die gleiche Erziehung wie Ulrike Meinhof (selbes Gymnasium) reingewürgt bekam, auch mit linksradikalen, roten Zellen(im persönlichen Gespräch) auseinandergesetzt, rechtsradikalen Schwachsinn diskutiert und bin im sozialen Leben gelandet. Warum? Nun ich habe eingesehen, das nur ich etwas an der Situation ändern kann, in die ich hereingeboren wurde. Wut auf Andere, wie sie bei Baader-Meinhof verständlich war, hilft nicht weiter. Klar, (nein, nicht Christian) hat man die alten Nazi-Kapital-Seilschaften gesehen, doch Hass und töten hat uns nicht weitergebracht. Oder wollen wir das Mittelalter mit Scharia und anderer (moderner, amerikanischer) Folter?
      Gestalten hilft: Ich besuche mit meinem Hund alte Menschen und mache ihnen eine Freude. Ich spende von meiner bescheidenen Rente, obwohl ich weiss, dass der eine oder andere Funktionär sich was persönlich zurechnet. Werd´ mal alt und glücklich!

    • pat sagt:

      Doch es können alle Reich werden. Wenn alle sinnvollen Aufgaben nachgehen, dann mehrt sich mit der Zeit der Wohlstand für alle. Die Infrastruktur wird besser, alle haben mehr. Nur die Neidhammel, die sich immer nur mit dem Nachbarn verglichen merken den Unterschied nicht.

      Man braucht nur mal von Deutschland in andere Länder gehen wo Armut herrscht um das Nachzuvollziehen. Dort wird oft 80% des Einkommens für Lebensmittel gezahlt.

  3. […] Rott & Meyer: Dystichos eptochevsamen! Leider sind wir bankrott. […]

  4. crunchy sagt:

    Das ist Europa: „Otto, der Normalbürge.“ Klasse, nicht zu übertreffen:
    König Otto von Griechenland (1815-1867), Amtszeit: 1832-1863, hat sicher schon gewusst, wie man die Bewunderer seines Volkes:“ Urland der Demokratie“ über´n Leisten zieht! Die Briten und die Bayern kamen ihm gar nicht so spanisch vor, wie das sonstige Geschlecht. Was per Adel sich damals so verbandelte, hat sich im Geldadel wiedergefunden.
    Es geht immer nur um Eins: Um Deins oder Meins. Unten oder Oben. Gearscht ist Bürger: Normalo.
    So, jetzt werd´ ich mal weiterlesen.
    Ähem, 49 Milliarden, sind die, die Venizelos persönlich kennt (abgerundet).
    Eines ist doch klar: Wer noch hat, dem wird genommen. Und das ist der Plan hinter der ganzen angloiden Inszenierung: Eine Demokratie darf nicht erfolgreich sein, weil sie dann die menschentypische Ausbeutungsmaschinerie in Frage stellt. Eine Demokratie ist sozial. Das widerspricht auch aufstrebenden, ehemals kofuzianischen (sozial-kapitalistischen: das gibt´s!) Supermächten.

  5. Hans Zahm sagt:

    Bislang konnte man Griechenland noch nicht fallen lassen. Ist ja immer noch nicht gelungen alle profitablen Betriebe und Anlagen für nen Appel und en Ei den Griechen zu enteignen.
    Aber bald ist es soweit… die Chinesen haben seinerzeit, als sie den halben Hafen von Piräus kauften, bestimmt auch die Drachmen-Drucker-Platten mit genommen, diese rotieren irgendwo in Zentralchina, ein Schiff wird kommen.
    Mir tut die kleine Griechin und der kleine Grieche leid. Ja, auch sie hatten vom Eurorausch profitiert, aber längs nicht unser Niveau erreicht und jetzt heißt es abgeben.

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