Deutsche Bank: Leistung, die Leiden schafft…

2. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Während der Hauptversammlung der Deutschen Bank begann es in Frankfurt zu regnen. Waren es Freudentränen des Himmels über Ackermanns letzten Tag als Chef? Oder weinten die Götter, als sie hörten, die Bank wäre gestärkt aus der Krise heraus gekommen?

Dabei fängt die Krise doch erst an, sagte die Aktie und tummelte sich bei 29 Euro und fiel dann etwas. Das Hoch erlebte sie mit 107 Euro, als 2007 der Rubel mit giftigen Finanzprodukten noch rollte. Deswegen liegt der einstige Branchenprimus in den USA im Rechtsstreit.

Viele werden Ackermann als Streitfigur vermissen. Hat er die Bank gut durch die Krise geführt oder nur gute Beziehungen zur Politik? In Berlin spendierte man ihm eine Geburtstagsfeier, die wegen der Kosten und der Umstände für Schlagzeilen sorgte.  Doch was sind diese Kosten im Vergleich zu den Milliarden, die bei der Stützung der Commerzbank und Verstaatlichung des Finanzmülls der HRE auf Kosten der Steuerzahler angefallen sind und noch weiter anfallen? Ohne diese Milliarden wären auch die beiden Frankfurter Türme der Deutschbanker aus Soll und Haben gekippt.

Es gibt wenige Witze über Ackermann. Das mag daran liegen, dass einem diese vergehen, wenn man in die Bilanz schaut. 53,4 Milliarden Euro Eigenkapital stehen einer Bilanzsumme von gigantischen 2.164 Milliarden Euro gegenüber – ein Hebel von 41, ein Trend der Zeit, ein verhinderter Unfall und eine Mischung aus Leistung und Leidenschaft.

Die neuen Chefs brauchen viel Glück, dass die große Kugel, die sie vor sich her schieben, nicht aus der Bahn gerät. Das hängt von der Zukunft der Finanzmärkte ab, und diese baumeln am seidenen Faden. Leistung und Leidenschaft oder Leistung, die auch Leiden schafft – bzw. diese finanziert. Ackermann mag es künftig egal sein.

Und hier sind die neuen Zahlen für das erste Quartal 2012…

Bilanzsumme: 2103 Mrd. Euro
Eigenkapital: 55,8 Mrd. Euro
Tier1-Kapitalquote: 13,4%
Tier1-Kapitalquote (ohne hybride Bestandteile) 10,0%
Tier1-Kapital: 49,4 Mrd. Euro

Lediglich 368 Mrd. Euro (risikogewichtete Aktiva) hat die Bank, die mit dem Tier1-Kapital zu unterlegen sind. Der Rest der Bilanzsumme ist kein Risiko, da die Zockerei mit dem Geld der Steuerzahler unterlegt ist! Interessant auch noch das…

In Level-3, also Wertpapiere ohne Marktpreis, die aber zu Anschaffungskosten bilanziert werden, schlummern 42,409 Mrd. Euro und warten auf, auf was oder wen? Im Ernstfall auf den Steuerzahler. Weitere 1070,641 Mrd. Euro sind in Level2 geparkt.

Level was? Erläuterung zu Level zu 1-3:

Laut US-Rechnungslegung sind für „Level-1-Assets“ Marktpreise vorhanden.

Bei „Level-2-Assets“ gibt es vergleichbare Produkte, deren Marktpreis für die Bewertung herangezogen wird.

Mit „Level-3-Assets“ finden keine oder keine vergleichbaren Transaktionen statt. Marktpreise gibt es nicht. Stattdessen bewerten Banken diese Positionen anhand von Modellen, die auf Annahmen basieren.

„Unternehmensspezifische Faktoren sollten dabei nicht berücksichtigt werden. Offen bleibt jedoch, wie das in der Praxis erfolgen soll“

sagt Christian Zwirner, Prokurist bei der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Kleeberg.

Na dann bin ich ja beruhigt…



 

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7 Kommentare auf "Deutsche Bank: Leistung, die Leiden schafft…"

  1. EuroTanic sagt:

    Was interessieren mich die Banken. Es gab eine Welt vor den Banken. Und es wird eine Welt nach den Banken geben. Aber der Mensch, das Tier, die Natur sind wichtig. Die gilt es zu retten. Ich sage: “Schafft die Banken ab, und die Welt ist gerettet.”

  2. amoratis sagt:

    Ja aber was machen wir mit den ganzen Bänkern, das ist dann doch der toxische Rest, müssen wir die dann in Salzstöcke sperren? oder in Umerziehungslager? Fragen über Fragen…

    • Orson sagt:

      Die würde ich zusammen mit den Schleckerfrauen zu „Weiterbildungskursen“ schicken. 😉

      • amoratis sagt:

        Also ich habe da so meine Zweifel, ich denke, jede „Schleckerfrau“ (eine übles Wort) ist lernfähiger als als ein Bänker, sie haben ja nun klar gezeigt, das Kriesen bei Ihnen NICHT dazu führen voooorsichtiger mit dem Geld der Anderen zu agieren, die Erkenntnisresistenz ist kaum zu durchbrechen – leider – das ist ähnlich wie bei Politikern 🙁

  3. Avantgarde sagt:

    Weiß nicht, ob ich das Lied hier bringen darf.
    Gibt es noch künstlerische Freiheit?

    edit*** – nein **** Grüße vom Blogwart

    Ja er ist tatsächlich der Held unserer „Werteschaffer“ – die Bilanz weist das durchaus richtig aus.

    Und ich kann es mir auch an dieser Stelle nicht verkneifen mal darauf hinzuweisen, daß ein Ausfall dieser bilanzierten Werte alles andere als Hyperinflatioär wirken dürfte.

  4. Wollen sagt:

    Wie kann ich es vermeiden in meinen gesprochenen Sätzen das Wort Geld,oder was kostet es,wie teuer ist es denn zu vermeiden, wird einigen schwerfallen, weil viele Urteile der Wirtschaftlichkeit, wirtschaftliches Denken, unterliegen mittlerweile.Es wird lange dauern, ehe der Mensch wieder zur Besinnung kommt,und merkt, was eigentlich wichtig ist im Leben außer dem Geld…

  5. […] Mit einem extremen Hebel von 41: Deutsche Bank: Leistung, die Leiden schafft… […]

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