Zocker? Zieht ihnen doch einfach den Stecker!

15. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Wenn die Börsen steigen, sagt man, es wären Investoren, die unterwegs wären. Fallen sie dann, sind es die Spekulanten. Und wenn die Commerzbank weniger als zwei Euro kostet und französische Banken doppelstellig verlieren, sind es die Zocker gewesen, denen jetzt das Handwerk gelegt werden soll. Moment mal!

Sollte mit den Zockereien nicht lange schon Schluss sein? Nach gefühlten 5.000 Regierungserklärungen zu diesem Thema und noch mehr Absichtsbekundungen hat sich in der Finanzwelt kaum etwas verändert. Man wollte Märkte bändigen. Wer sind diese Märkte überhaupt? Vielleicht ist das gar nicht so einfach, wenn Banken die Rettungsprogramme für Regierungen schreiben – und damit ihre eigenen.

Aufgewacht – für einen Moment

Nach elf Tagen Crash an den Börsen kommen die Aufsichtsgremien auf die grandiose Idee, das Spekulieren über Leerverkäufe auf Bankaktien für zwei Wochen zu verbieten. Etwas später fordert Wirtschaftsminister Rösler das weltweite Verbot von Leerverkäufen.

„Aber das reicht nicht. Es ist notwendig, dass hochspekulative Finanzgeschäfte nicht nur in Europa, sondern auch auf der Ebene der G7-Staaten verboten werden.“

Ach, da wir gerade beim jungen Wirtschaftsminister aus der Splitterpartei sind… Im ZDF-Sommerinterview trug sich folgendes zu:

Moderator: Warum ist es Ihnen in zwei Jahren Bundesregierung nicht gelungen die Märkte soweit zu beruhigen, dass diese Eurokrise in den Griff zu bekommen wäre?

Rösler: Zunächst einmal zeigen die aktuellen Zahlen, dass es gelungen ist. Aber ich gebe Ihnen recht… Die Börsen sind ja stabil abgeschlossen, aber wir wollen ja keine weitere Unruhe reinbringen. (Link, ZDF)

Tolle Wurst! Ist wieder Wahlkampf? Die bösen Zocker werden sich vor Lachen auf die Schenkel geklopft haben, gibt es doch viele Umleitungen und Möglichkeiten, die man der vor Innovation strotzenden Finanzindustrie irgendjemand irgendwann mal genehmigt hat. Und nun fahren deren Computerprogramme die Börse zu Brei, wenn sie Lust darauf haben oder es sich lohnt.

Was sind eigentlich Leerverkäufe?

Investoren leihen sich Papiere und verkaufen diese in der Absicht, sie später zu einem tieferen Kurs zurückzukaufen und dem Verleiher zurückzugeben. Bei ungedeckten Leerverkäufen haben die „Handelnden“ die verkauften Papiere gar nicht mal geliehen. Börsianer sprechen von „nackten Shorts“.

Dabei nutzen sie die Regelung aus, dass der Verkäufer einer Aktie binnen 48 Stunden die Papiere dem Käufer liefern muss. Innerhalb dieser Zeit muss ein Leerverkäufer die Aktien am Markt kaufen, unabhängig von der Kursentwicklung. Ist der Preis dann gestiegen, laufen Verluste auf. Fallen dagegen die Aktien, sind die Gewinnchancen höher, denn es fallen keine Gebühren an.

In Deutschland gilt seit 2010 eine Meldepflicht für alle Leerverkäufe für zehn Finanzpapiere. Ungedeckte Leerverkäufe sind für alle Aktien und auch Staatsanleihen der Euro-Länder ganz verboten. Geholfen hat es nichts. Wie sollte es auch?

Wahrscheinlichkeiten handeln

Warum handeln diese „Zocker“ überhaupt den Verfall der Bankaktien? Wahrscheinlich nur, weil sie vermuten und wissen, wie es um die einst so ehrwürdigen Institutionen steht und sie morsch sind wie Salzstangen. Es ist dort kein Geheimnis, dass die Bankbücher vollgestopft sind mit Papieren, die beim Öffnen der Schränke die Betrachter der ganzen Sache wegen des üblen  Geruchs der Verwesung in Ohnmacht fallen lassen würden. Im Bankbuch liegen nicht nur werthaltige Papiere. Alle milliardenschweren „problembehafteten Anleihen“ sind noch irgendwo. Wenn sie fällig werden, dann wird es ernst. Seltsam, wenn Banken rank, schlank und stark wären, würde man doch eher auf steigende Preise „zocken“. Oder etwa nicht? Dann wären die Zocker wieder Investoren. (Seite 2)

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