Laufsteg der Hässlichkeiten

21. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Experten sagen, schwache Währungen sind gute Währungen. Das haben sie aus Lehrbüchern oder von anderen Experten gehört. So etwas spricht sich herum, bis es jeder glaubt wie die Kinder an Klapperstörche…

Keine Währung besitzt heute mehr einen Anker. Sie sind aus Vertrauen gezimmert und flattern als bunte Zettel herum. Oft machen sie Schwierigkeiten wie die Schweizer Franken. Auf dem US-Dollar steht geschrieben, man vertraut in Gott und auf Euroscheinen führen Brücken aus dem irgendwo ins nirgendwo. Ihre Designer waren Schelme oder haben sich dabei etwas gedacht.

Vor 40 Jahren gaben die USA die Bindung des Dollar an Gold auf. Nun konnte man so viele Dollar produzieren wie gewünscht, damit Kriege finanzieren, aufgeblähte Staatsapparate, und wenn es eng wurde, sogar Konjunkturprogramme. Unter einem Goldstandard hat man seinen Haushalt in Ordnung halten müssen, aber welche Regierung will das schon. Es heißt, frische Billionen aus dem Nichts zu erzeugen wäre eine gute Sache. Und deshalb begann man Gold zu verteufeln.

Heute taumeln die Währungsmärkte mit dem Charme einer Kreissäge auf dem Laufsteg der Hässlichkeiten umher. Jeder will schwache Währungen. Also fummelt man an ihnen herum, interveniert und versucht, die eigene Währungssuppe zu verwässern. Die Frage ist, wer zuerst stolpert und vom Laufsteg fällt. Nein, keine Währung wird fallen. Sie werden nur so hässlich, dass sie keiner mehr mag und flüchtet. Wundert es, dass Gold so teuer geworden ist? Eine Banknote ist, wenn man sie genau betrachtet wie beim Origami nur ein Blatt Papier. Und wir Tölpel meinen, sie hätte einen Wert.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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8 Kommentare auf "Laufsteg der Hässlichkeiten"

  1. sachse sagt:

    Hallo an alle,

    schon mehrmals wurde darüber geschrieben, wie gefährlich die Situation einer harten Währung, besonders in der Schweiz ist. Die Schweiz hat ein Island-Problem, weil die Großbanken die Zahlungsbilanz dominieren: Ihre Bilanzsumme entspricht dem 4-fachen des BIP (vgl SNB) In dieser Situation haben UBS und CSFB 2 Billionen auf $ lautende Assets (vgl Rott), bei einer Abwertung, z.B. infolge default aber auch infolge von Wechselkurs-verschiebungen ist das Eigenkapital der beiden Banken von 100 mrd sfr sofort verdampft. Nehmen wir mal an, dass die Schweizer diese Assets seit über 18 Monaten halten und zum Y/E 2010 nur unwesentlich abgeschrieben wurden, dann ergibt sich ein Wertverlust von 25%= 500mrd$= 400mrdsfr. Das ist das Vierfache des Eigenkapitals! Sollten diese Anlagen hold to maturity sein? Dann wird es auch nicht besser angesichts der Inflations- / Wechselkursperspektive zum $. Es kostet 200 Quartalsergebnisse der Banken, um 400mrd auszugleichen, also beide Banken 25 Jahre ohne Ausschüttung und Überleben nur mit Bilanztricks?

    Nun ist die Schweiz nicht in der Eurozone und es kann uns egal sein (kann es?), aber das Problem in UK ist gleichartig, aber doch anders: das Pfund wird als Weichwährung parallel zum US$ abwerten (wird es das?). Wie sieht es in der Eurozone aus? Dort ist die Exposition 4 Billionen $, der Wechselkursanstieg ist nicht so bedeutend, aber wie sieht es aus bei 1,60 – 1,80? Wieso hat die Eurozone überhaupt eine Exposition von 4 Billionen $ Assets in den Bilanzen, die US-Banken aber nur 500 mrd € (Rott)? Wieso tragen wir das Geld nach Amerika? um dort als silly money verbraten zu werden?

    Alle jammern über die bösen Rate-Agenturen, die so schmerzlich den Finger in die Wunden legen. Können nicht einfach durch die EZB die Rate-Noten adjustiert werden, z.B. die Anwendung eines Abschlags um 1-2 Bonitätsnoten mit dem Ziel höherer Eigenkapitalunterlegung? Gründe gibt es dafür genug: Staatsschulden US+Einzelstaaten+Städte oder Wechselkursrisiko oder rechtliche Risiken (wer hat überhaupt jemals so einen Vertrag mit Triggern, Levers und Bestandteilen, die nur der Vertragspartner kontrolliert, gelesen?). Die EZB könnte doch eine derartiges Adjustment zu den Bonitätsnoten vorschreiben und damit die gefährlichen Ausleihungen in $ reduzieren, geht das?

    Ich hoffe, ich bin rübergekommen, denn ich liege als Ü50 mit Mumps im Bett, freue mich aber über jedes Statement, das ich auch beantworten werde.

    • Avantgarde sagt:

      „Die Schweiz hat ein Island-Problem“

      Nein – ich finde dieser Begriff sollte Island vorbehalten bleiben.
      🙂

      Islands Problem war:
      Hohe Zinsen bis 9,10%
      In z.B. Japan mit Deflation niedrige Zinsen nahe Null.
      Die Japaner und andere haben ihr Geld wegen der Zinsen in Island angelegt.
      Die Isländer hatten Kapital welches geradezu zum Spekulieren verführte und gleichzeitig die Währung immer weiter aufwertete – und es kam wie es kommen musste.

      Die Schweiz bekommt das Geld fast für nix.
      Und es ist ein sehr hoher Anteil Steuerfluchtgeld dabei – das ist treu…

      Gut – nun droht auch CH eine Deflation und Zerstörung der Wirtschaft mit ihrer Harten Währung.
      Aber die SNB steuert bereits gegen – und das muß sie auch.

  2. sachse sagt:

    nein, keine Deflation: alle erwarten eine Inflation. Vor 35 Jahren war die Situation schon einmal so ähnlich: unerwarteter und unbegründeter Verfall der DM in Relation zum sfr. Und viel früheres und entschlosseneres Einschreiten der SNB mit viel neuem Geld brachte die Inflation Mitte der 70er Jahre über 10% und Anfang der 80er immer noch über 6%.

    Heute ist die Situation viel ausgeprägter , die Volumen sind viel größer und Hildebrand handelt sehr viel später und zögerlicher als Leutwiler damals! Eines ist gemeinsam: das Inflationsziel wird zugunsten des Wechselkursziels aufgegeben.

    • Avantgarde sagt:

      Na ja – momentan leiden die Schweizer gewiss nicht unter Inflation – und klar von der Basis aus gesehen kann es dann auch schon mal etwas inflationär werden – sofern die SNB Erfolg hat.
      Und Erfolg muß sie haben ansonsten brechen harte Zeiten an.

      Die Frankenkredite sind gefährdet und die Einzelhändler werden das sicher auch nicht lange mitmachen – ganz zu schweigen von der Exportindustrie.

      Was lernen wir daraus?
      Eine harte Währung ist nur gut für den, der sie besitzt sofern er rechtzeitig eingestiegen ist – aber nicht unbedingt für das Volk und Land an sich.

      • auroria sagt:

        [Eine harte Währung ist nur gut für den, der sie besitzt sofern er rechtzeitig eingestiegen ist – aber nicht unbedingt für das Volk und Land an sich.]

        Das sehe ich anders, es fehlt nur an der Flexibilität, auch die Löhne anzupassen.
        Wenn die Schweiz 20% aufwertet und man die Löhne um 15% senken würde, könnte unterm Strich sich der Arbeiter immer noch mehr Benzin für seinen Monatslohn kaufen als vor der Aufwertung. (weil das Benzin ja 20% billiger wird)
        Wenn ein Deutscher in der Schweiz tanken muss, bekommt er nach der Aufwertung zwar weniger Franken für seine €, kann mit diesen Franken aber mehr Benzin kaufen.
        Würde man alle gesunkenen Importkosten und die gesenkten Lohnkosten bis in die Supermärkte durchreichen, würde das Land auch für Touristen kaum teurer.
        Und die Exportwirtschaft könnte ihre Produkte zu nidrigeren Franken-Preisen verkaufen und damit der Aufwertung entgegenwirken.

        Gewinner wären am Ende diejenigen, die Vermögen, Rentenversicherungen, etc in SF haben. Das hört sich im 1. Moment so an wie dein Fazit, aber da eine starke währung ständig aufwertet, bzw. die anderen ständig abwerten, profitiert im laufe der Zeit das Volk sehr wohl davon.

        Wenn die Aufwertung so ruckartig verläuft, wie jetzt bringt das natürlich erstmal Probleme, wenn sie aber langsamer über die Zeit verteilt läuft, wäre das relativ unproblematisch.

        • Avantgarde sagt:

          „Das sehe ich anders, es fehlt nur an der Flexibilität, auch die Löhne anzupassen.
          Wenn die Schweiz 20% aufwertet und man die Löhne um 15% senken würde, könnte unterm Strich sich der Arbeiter immer noch mehr Benzin für seinen Monatslohn kaufen als vor der Aufwertung. (weil das Benzin ja 20% billiger wird)“

          Das funktioniert aber NUR bei Lohnintensiven Beschäftigungen des Dienstleistungsbereichs.
          Bei Kapitalintensiven Bereichen der Industrie sind die Lohnkosten nicht so schrecklich wichtig – da kannst Du noch mehr als 20% kürzen und es bringt fast nix.

          „Wenn die Aufwertung so ruckartig verläuft, wie jetzt bringt das natürlich erstmal Probleme, wenn sie aber langsamer über die Zeit verteilt läuft, wäre das relativ unproblematisch.“

          Dem möchte ich ja auch gar nicht widersprechen – das war ja der Vermögensmotor der DM gegen die Lire, Drachme, Peseten…

          Es GIBT aber in der Schweiz nun mal eine äußerst Ruckartige Bewegung hin zum Franken und die HABEN das Problem nun einmal.
          Hätte die SNB nicht gehandelt so wären wir sicherlich auf der Parität.
          Die Folgen für die Menschen in der Schweiz wären drastisch – was man allerdings wohl erst in einigen Monaten sähe.

  3. auroria sagt:

    Ich muss noch was zum Artikel selbst schreiben, ausnahmsweise mal Kritik:

    [„Vor 40 Jahren gaben die USA die Bindung des Dollar an Gold auf. Nun konnte man so viele Dollar produzieren wie gewünscht, damit Kriege finanzieren, aufgeblähte Staatsapparate, und wenn es eng wurde, sogar Konjunkturprogramme. Unter einem Goldstandard hat man seinen Haushalt in Ordnung halten müssen, aber welche Regierung will das schon.“]

    Hier entsteht der Eindruck, dass das Ende der Golddeckung der Beginn des Dollardruckens war. Und der Eindruck, dass unter einem Goldstandard keine solchen Manipulationen möglich sind.
    Beide Eindrücke sind falsch! (Auch bei dem Beitrag vom Heute-Journal neulich war das änlich.)

    Das Ende der Golddeckung war aber nicht der Beginn des Dollardruckens, sondern die Folge davon!
    Genauergesagt die Folge davon, dass es immer mehr Leuten bakannt wurde.
    Schon zu Zeiten des Goldstandards haben die USA die Druckerpressen laufen lassen und die restliche Welt dadurch betrogen. Eine Zeit lang hat es keiner gemerkt, danach haben einige ihre Scheine in Gold getauscht, aber erst eine geöhrige Zeit nach Beginn des Betruges ist haben die Franzosen das Spiel beendet.

    Ich weiss, ich bin hier etwas kleinlich, aber ich halte die oben geschilderten Eindrücke schlicht für gefährlich.
    Sollte eines Tages eine Goldgedeckte Währung kommen, ist es entscheidend, dass die Daten wie Geldmengen, Goldmenge, etc. ständig veröffentlicht werden UND z.b. die Goldmenge auch nachprüfbar sind.
    Wenn es läuft wie heute, wo die Bundesbank nicht mal sagt, wo sie das Gold lager, oder in welcher Form, dann ist es wieder nur eine Währung, die nur durch Versprechungen / Behauptungen gedeckt ist und Manipulationen Tür und Tor öffnet.

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