Last Exit? Ohne Panik zum Ausgang!

8. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) Was wir bereits seit Wochen andeuten, wurde am Dienstag fast schon zur Gewissheit. Den Aktienmärkten mangelt es derzeit an Stärke. Erneute Verunsicherung um Griechenland führte mit einem Minus von 3,4% zum größten DAX-Tagesverlust des laufenden Jahres. Auffällig ist, dass eine solche Bewegung vor dem Hintergrund ausgesprochen positiver Aufmacher diverser Börsenmagazine in der jüngeren Vergangenheit stattfindet…

„DAX 10.000 – Warum der DAX weiter steigt“ (Der Aktionär, 22.2.2012), „DAX-Rally – Warum die Hausse weitergeht“ (Börse online, 23.2.2012) …). Auch dürfte sich die Hoffnung als trügerisch erweisen, dass die den Banken im Rahmen des sogenannten LTRO-Programms (longer-term refinancing operation) zur Verfügung gestellte rund eine Billion (= 1.000 Milliarden) aus dünner Luft geschöpfter Draghi-Euros, ihren Weg in nennenswertem Umfang an die Aktienmärkte finden werde.

Risiken sind das, was die Banken in ihren Bilanzen zur Zeit am wenigsten gebrauchen können, weshalb das frische Geld weit überwiegend in die gesetzlich als „risikolos“ definierten Staatsanleihen fließen wird. Die EZB flutete mit dem Geld – so ein weit verbreitetes Missverständnis – eben nicht die Finanzmärkte, sondern vor allem die Bilanzen vorzugsweise südeuropäischer Banken.

Insofern ist die Reaktion des DAX auf die beiden Bankentender nachvollziehbar: Dominierte nach dem Überraschungscoup der EZB vom 21. Dezember 2011 noch die Hoffnung auf frische Geldzuflüsse, so wich diese nach Tender Nummer 2 vom 29. Februar 2012 relativ schnell der Ernüchterung.

Im DAX-Chart haben wir als Folge der Kursverluste vom Dienstag nun die zweite, etwas flachere Aufwärtstrendlinie erreicht.Technisch gesprochen kann diese Linie zwar für Unterstützung gut sein, andererseits sind die Anzeichen nicht mehr zu übersehen, dass sich der Markt in einer Topp-Bildung befindet.


Neben dem bereits erwähnten Sentiment erscheint uns insbesondere Deutschland, das bislang gut durch die europäische Schuldenkrise kam, in der weiteren Entwicklung überdurchschnittlich gefährdet. Es stimmt schon, Deutschland profitiert derzeit vordergründig von seinem Nimbus als sicherer Hafen und zieht Fluchtgelder in Milliardenhöhe an. Aber um welchen Preis?

Der rasante Verfall der Aktivseite der Bundesbankbilanz, die als wesentliche Position – realistisch gesehen – kaum werthaltige Forderungen gegen das Eurosystem enthält, ist nur ein Beispiel.

Die von der Regierung massenhaft abgegebenen Garantien im Rahmen diverser „Rettungspakete“ hängen zudem wie ein Damoklesschwert über dem deutschen Staatshaushalt und dem Land insgesamt. Dennoch hat der Geldzustrom in praktisch allen Bereichen die Preise in die Höhe getrieben, egal ob Bundesanleihen, Immobilien oder Aktien. Das Problem dabei ist, dass dem keine vergleichbare Steigerung der Erträge gegenüber steht. Die Schere zwischen Preis und Wert ist aufgrund wahrgenommener „Alternativlosigkeit“ aufgegangen.

Wenn sich die Konjunktur auf den deutschen Exportmärkten aufgrund der dort betriebenen Austeritätspolitik weiter eintrübt, werden sich die Unternehmen schwer tun, die hohen Erwartungen der Anleger zu erfüllen. In einem solchen Umfeld favorisieren wir eine beherzte Bereinigung des Musterdepots und einen entsprechender Aufbau der Barreserve. Dies bedeutet weder, dass die jetzt verkauften Aktien schlecht sind, noch dass wir dem Crack-up-Boom für immer Lebewohl sagen. Vielmehr halten wir es für wahrscheinlich, dass der grassierende Aktienoptimismus in einem Zwischenschritt noch abgebaut werden muss, bevor die letzte und eigentliche Stufe des CuB zünden kann.

Eine europäische Rezession wäre dafür ebenso ein Anlass und Auslöser wie eine verschärfte Krise im Nahen Osten. Solche Korrekturen können nicht nur schmerzhaft sein und erschreckend weit nach unten führen, eine hohe Barreserve hat auch den Vorteil, dass man am Ende der Korrektur wieder gezielt bei den Favoriten der nächsten Aufwärtsbewegung einsteigen kann. (—> Seite 2, Sonderthema Griechenland)

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