L – Der unterschätzte Faktor

12. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Vor wenigen Dingen haben manche Anleger mehr Angst als vor einem Tag, an dem andere Geld verdienen, und sie nicht. So erklärt sich der offenbar unerbittliche Sog von Bullenmärkten, die im späteren Stadium auch institutionelle Anleger in Scharen anlocken. Einer der wichtigsten Faktoren wird dabei jedoch ignoriert. Die Liquidität…

Ein Gewinn ist ein Gewinn und ein Buchgewinn ist ein Buchgewinn. Es könnte nicht schaden, diesen Satz in Messing geprägt an die Wände  so mancher Institution zu nageln.

Die deutlichen Kurssteigerungen von Anleihen jeglicher Qualität nagen derzeit an den Nerven vieler Verwalter von Pensions- und Versicherungsgeldern. Da man es trotz lächerlich niedriger Renditen offenbar immer noch nicht für opportun hält, einmal über eine Erhöhung von Beiträgen oder eine Reduktion von Auszahlungen zu sprechen, begeben sich zahlreiche institutionelle Anleger auf dünnes Eis und experimentieren mit der Portfoliozusammenstellung.

Ein bisschen High Yield hier, ein bisschen Emerging Market da, und das Geld „das man nicht so bald braucht“ legt man in Strukturen oder vollkommen illiquiden Anlageklassen an.

Immer noch hat sich nicht herumgesprochen, dass es zwar mehr Risiko erfordert, wenn man auf mehr Rendite abzielt, dass jedoch mehr Risiko nicht zwingend zu höheren Renditen führt. Wer einen Teil der Gelder in illiquiden Anlagen bindet, geht vermutlich davon aus, die anderen Anlagen ließen sich jederzeit verkaufen. Nicht nur für Versicherungen und Pensionskassen ist die Veräußerbarkeit von Teilen der Anlage von Bedeutung. Angesichts des extrem hohen Anteils festverzinslicher Wertpapiere in den Depots der Firmen ist ein Blick auf die Situation im Anleihehandel aufschlussreich.

Im Anleihemarkt fungieren die Handelsbücher von Großbanken und Brokern als Puffer zwischen Verkäufern und Käufern. Sie gehen long und short-Positionen ein, nehmen Verkäufern Positionen ab, auch wenn sie noch keinen Abnehmer an der Hand haben und sie besorgen Papiere, die sie sich ihrerseits in ihrem Kundenkreis besorgen. Dies ist der „normale Prozess“, der in Zeiten der Krise immer schlechter funktioniert. Viele Banken haben ihre Handelsabteilungen geschlossen und die höheren Kapitalanforderungen für die bestehenden Handelsbücher sorgen für weiteren Druck. Wenig überraschend sind daher die Positionen in den Handelsbüchern seit 2008 deutlich geschrumpft.

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Bemerkenswert und wichtig für die Beurteilung der Liquidität ist das Verhältnis der Anlagen in Zinspapieren über Fonds ETFs. Vor der akuten Phase der Krise lag das Verhältnis zwischen 2 und 5. Die angelegten Gelder waren also zwei bis fünf mal so groß wie der „Puffer“. In der anhaltenden Krise hat sich das Verhältnis auf mehr als das zehnfache ausgeweitet, mit stark steigender Tendenz.Je größer das Verhältnis, desto kleiner ist die Ausgangstür. Gerade ETF-Anleger haben gezeigt, wie schnell sie Papiere abstoßen, wenn es einmal bergab geht wie dies in diese Jahr bei den Anleihen der Emerging Markets der Fall war… (Seite 2)

 

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