Kurzfristig weiter bullish … aber dann!

27. Januar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Ronald Gehrt. In Davos kommt es dieser Tage zu kurzfristigen Preisanomalien. Eine Unterkunft kostet auf einmal ein Vielfaches des ohnehin strammen „Normalpreises“ in diesem Schweizer Bergdorf, Verpflegung und Transport desgleichen. Denn die Elite der Weltwirtschaft gibt sich mal wieder, wie jedes Jahr, auf dem World Economic Forum die Ehre und diskutiert über die Lage.

Grundsätzlich, so hört man im Vorfeld, herrscht nach Jahren der Besorgnis nun wieder ein allgemeiner, „vorsichtiger Optimismus“. In einem Interview mit n-tv sagte der RWE-Chef Großmann gestern sinngemäß, was wohl auch als Fazit bei diesem Treffen herauskommen dürfte: Es gibt Grund zum Optimismus, da das Wachstum zurückgekehrt ist. Nur muss man darauf achten, dass dieses zuvor allem kreditfinanzierte Wachstum nun stabilisiert wird, die Schulden bedient und zumindest partiell nach und nach abgetragen werden müssen.

Durchaus wahr. Nur gibt es da ein paar Haken, die voraussichtlich in Davos nicht im Vordergrund stehen werden, da sie zuviel Wasser in den Wein gießen würden. Gut, dass mich keiner vorher gefragt hat, was da auf die Agenda gehören würde. Nicht, dass mich das wundern würde. Und die 114.000 Euro jährlichen Beitrags für eine Premium-Mitgliedschaft im Club habe ich ohnehin gerade nicht da. Aber in diesem bescheidenen Rahmen einer Kolumne kann und muss ich vor diesem Optimismus warnen.

Vorab aber die positiven Aspekte: Es kann durchaus sein, dass die Börsen auch in den kommenden Monaten per saldo weiter steigen können. Aus mehreren Gründen:

Gründe, warum die Börsen noch steigen könnten

1. Die Zahl der Aktionäre nimmt hierzulande recht deutlich ab, in den USA wohl auch, wenngleich ich dazu keine Daten habe. Aber die Zahl derer, die sich Börse nicht mehr leisten können, wächst. Das lässt sich aus der Arbeitslosenquote und der Netto-Neuverschuldung durchaus ableiten. Aber! Diejenigen, die noch dabei sind, haben mehr Kapital zur Verfügung, sodass das für die Börsen weiterhin genug Kapital zur Verfügung steht. Zumal, das sollte man nicht übersehen, in den BRIC-Staaten, vor allem in China, der Wohlstand wächst – und das zügig. Für jeden, der in Europa und den USA für die Börse ausfällt, kommen aus Brasilien, Russland, Indien oder China zwei neue Anleger hinzu.

2. Die Gewinne der börsennotierten Unternehmen steigen momentan noch weiter. Wenngleich die Prognosen für das Jahr 2011 bei nicht wenigen unerfreulich verhalten ausfallen, sind die Anleger noch nicht beunruhigt. Und es ist durchaus drin, dass die Gewinne auch bei langsam stagnierenden Umsätzen weiter zulegen. Allerdings, natürlich, nur dann, wenn dies auf Kosten der Arbeitnehmer geht … oder auf Kosten der kleineren Unternehmen, die dem Druck durch die „Großen“ nicht standhalten können … oder auf Kosten höherer Preise. Das erzeugt gefährlich Spannung im Gefüge, die sich auswirken wird. Vielleicht kurzfristig noch nicht. Mittelfristig aber mit absoluter Sicherheit. Was die Aktienmärkte angeht, sind es aber nun einmal die großen Unternehmen, die die kleinen „fressen“, die als Schwergewichte in den Indizes die Tendenz bestimmen.

3. Noch sind alle Daumen oben. Ob in Davos oder unter den meisten Investoren, der Optimismus ist eisern. Die seit Anfang 2009 ohne Pause laufende Propaganda seitens der Politik und der Banken hat wirklich funktioniert. Das pausenlose Feiern einer überstandenen Krise hat, ohne dass sie wirklich überstanden gewesen wäre, dazu geführt, dass all diejenigen, die in 2008/2009 nicht finanziell zu Boden gingen, ihre Geldbeutel weit geöffnet haben und wieder kaufen, als sei nichts gewesen. Dadurch haben sich einige Volkswirtschaften tatsächlich am eigenen Haarschopf aus dem Sumpf gezogen wie einst Münchhausen. Aber auch das hat verborgene Tücken.

Gründe, warum die Börsen letzten Endes doch wieder fallen müssen

1. Der Teufelskreis aus sozialen Spannungen, Schuldenspirale und Einsparungen

Die ehemals dominierenden Regionen Europa und USA schleppen immer mehr Altlasten mit. Zum einen ist es die sich zusehends ausweitende Schere zwischen arm und reich. Das führt zu sozialen Spannungen, die noch weitgehend unter der Oberfläche gären. Noch. Aber es sind auch die gigantischen Schulden, die, wie Herr Großmann richtig sagte, nicht nur bedient, sondern auch abgetragen werden müssen. Aber das klingt leichter, als es ist. Alleine der Schuldendienst erfordert, immer neue Schulden zu machen. Was Griechenland, Portugal und Irland ebenso wie viele US-Staaten in die Knie zwang, kann und dürfte in Kürze auch größere Länder treffen: Die Verzinsung muss immer weiter steigen, um sich noch refinanzieren zu können. Was aber nur zu noch höheren Schuldendiensten führt. Eine Pleite-Spirale, die nur aufgehalten werden könnte, wenn die Ausgaben drastisch gesenkt würden und die Einnahmen steigen. Tja … nur:  (weiter…)

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2 Kommentare auf "Kurzfristig weiter bullish … aber dann!"

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