Kurz vor Weihnachten: Die Luft ist raus – der Volkszorn steigt

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Na, das war doch mal ein ruhiges Wochenende. Oder? Habe ich etwas verpasst? Ich weiß es nicht. Es gab Nebel, Lebkuchen und jede Menge Zeitungen. Normalerweise hätte eine einzelne Nachricht über das Thema „Finanzkrise“ am Montag für einen handfesten Börsenkrach ausgereicht. Doch nach den Chaostagen an den Börsen muss man sich schon etwas Neues ausdenken, um die Indizes zu erschrecken. Es ist wie die Fahrt auf einer Straße durch einen Wald. Man weiß nie, wie stark der Wildwechsel ist. Doch schnell gewöhnt man sich an Chaos und Beruhigungspillen. Und dennoch – es ist die Mutter aller Krisen, diese Kreditkrise, hervorgegangen aus gigantischen Schuldenbergen und noch gigantischerer Dummheiten.

Trotz aller Bemühungen hat sich immer noch kein Dümmerer gefunden, der weitere Schulden aufnehmen will. Damit hat die Inflation in der letzten Woche erneut harte Schläge eingesteckt, die Deflation den Wochensieg davongetragen. Bei einigen Unternehmen kreist der Pleitegeier über den Schornsteinen. Die Spreads der Unternehmensanleihen sind seit einiger Zeit in den Steigflug übergegangen, einige Spreads sind höher als jemals zuvor.

Es regnet in das Kartenhaus der Schulden. Die Spitze hat es schon weggeweht, umherfliegende Teile machen sich über die Reste her. Der Staat ist nun der Letzte, der sich jetzt weiter verschuldet. Amerika hat allein in 23 Tagen im Oktober schlappe 500 Mrd. USD neue Schulden gemacht. Eigentlich ist das Geld ja nicht da. Es kommt aus dem Nichts. Dorthin wird es vermutlich auch verschwinden. Nur der Zahltag steht noch nicht fest.

Deutschland rüstet sich auch gerade mit einem Konjunkturprogramm, um nun sichtbare Probleme mit einem höheren Schuldenberg von derzeit 1,6 Billionen Euro etwas abzumildern. Doch Konjunkturprogramme bringen ja bekanntlich nichts, sagte doch neulich unser Wirtschaftsminister Glos. Lange ist es nicht her. Einige Wochen.

Das mit den Schulden ist doch ein „nettes“ Ding von uns für uns. Mit allen Steuern und Abgaben wird den Volksvertretern erlaubt, das Geld für Zinsen und Tilgung der Schulden ( Tilgung???) über Steuern und Abgaben uns wieder aus der Tasche zu ziehen.

Über ihre Verhältnisse gelebt haben auch Portugal, Italien, Griechenland und Spanien, die sogenannten PIGS-Staaten. Ihre Schuldtürme stehen wie brennende Leuchttürme mitten in Europa und geben einen kleinen Vorgeschmack auf Schwierigkeiten, wenn der Staatshaushalt zerrüttet ist, die Staatsanleihen ächzen und die Schuldner sich abwenden. In Island und Ungarn ging es da schon viel heftiger zur Sache. Dort ist der Turm schon abgebrannt, als kleines Beispiel vor unserer Haustür – heftig, schnell und unbarmherzig.

Das Mittelalter war auch unbarmherzig. Das lernte ich ich jedenfalls im Geschichtsunterricht. Die bösen Herrscher pressten dem Volk einen Zehnt (10%) als Steuer ab. Heute nennen wir es Einkommenssteuer und Abgaben an die Renten- Kranken – und Arbeitslosenversicherung, die zu einer Abgabequote von bis zu 60% führt. Hinzuzuzählen wären noch Mehrwertsteuer, Stromsteuer, Ökosteuer, Autosteuer, Benzinsteuer und andere Abgaben und Gebühren, die das Mittelalter aus fiskalischer Sicht als wahre Oase der Glücksseeligkeit aussehen lassen. Bei 100 Prozent Abgaben ist aber Schluss. Oder?

Haben Sie schon mal etwas vom sogenannten Volkszorn-Index gelesen? Nein? Im Internet gibt es eine Seite von Egon W. Kreutzer, wo Leser über ihre Befindlichkeiten Aufkunft geben können. Daraus wird ein Index errechnet. Der Oktober war ein zorniger Monat.

Nach dem Start bei 139,2 im Juli 2008 ist der EWK-Volkszornindex im Oktober im dritten Monat in Folge gestiegen. Diesmal um einen vollen Punkt auf den bisherigen Spitzenwert von 142,9. Diese Veränderung resultiert aus einer noch einmal schlechteren Einschätzung der augenblicklichen Lage – und einer noch einmal verschlechterten Einschätzung der zukünftigen Entwicklung, was sicherlich auf das im Oktober ganz deutlich erkennbare Eintreffen der ersten schweren Schäden aus der (zwar längst vorhergesagten und erwarteten) Wirtschaftskrise zurückgeführt werden kann.

Die jetzt anstehende Woche könnte heiter werden. Sogar das Weihnachtsfest rückt näher. Das Radio spielte am Wochenende schon mal „Last Christmas“ als Einstimmung. Soweit ich mich erinnere, war „Last Christmas“ die Welt noch etwas gemütlicher als heute. Der DAX stand höher und der Chef des Einzelhandelsverbandes Hubertus Pellengahr war noch ganz außer sich vor Optimismus. Wie ein Weihnachtsengel stand er inmitten seltsam singender Zahlen und versprach Milch und Honig für alle. Doch dann kam die Enttäuschung, die Reaktion auf eine Täuschung mit umgekehrten Vorzeichen.

Und 2008? Sicherlich wird es Weihnachtsgeschenke geben. Bloß werden diese vielleicht in etwa so ausfallen, wie das, was unserer Welt in den kommenden Jahren zu lernen hat: Kleinere Dinge, weniger Pomp und bescheidenere Erwartungen. Vielleicht ist sogar etwas Besinnung dabei – vielleicht schon zum Weihnachtsfest 2008.

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