Kurz notiert fürs Bankenstützungstagebuch

23. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Subventionierungstag: 22. Juli 2011; Ort: Brüssel Um einem Loch im Gedächtnis vorzubeugen halten wir in diesem Tagebuch ein paar besonders schmackhafte Zitate fest. Die Liste ist natürlich alles andere als vollständig. Wer also noch ein paar nette Worte findet: Bitte keine falsche Scheu – dafür steht die Kommentarfunktion bereit…

A. Merkel (CDU)

Was wir Deutschen für einen stabilen Euro aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück

Eine Transferunion, so wie ich sie verstehe, wäre ein automatischer Finanzausgleich“, sagte Merkel am Freitag in Berlin. Einen solchen Automatismus gebe es aber nicht.“

Da freuen wir uns aber auf das Vielfache, das da kommen möge! Die Ökonomie wird neu geschrieben. Da in den letzten Monaten ja dem einen und der anderen der Doktortitel abhandenkam, ergäbe sich hier ein interessantes Forschungsgebiet. Denn Forschung lebt ja hauptsächlich vom Wissen, was nicht geht. In diesem Fall eine sichere Wette. Für Seminararbeiten könnte eine kurze Ausarbeitung zum Thema „Ein Transfer ist nur ein Transfer, wenn er nicht manuell sondern automatisch erfolgt“ aufschlussreich sein.


J. Trittin (Grüne)

Die Grünen würden dem Paket im Bundestag zustimmen, kündigte Fraktionschef Jürgen Trittin am Freitag im ARD-Morgenmagazin an. In vielem gehe man jetzt in die Richtung, die die Grünen immer gefordert hätten.

Wir haben also einen Schritt in Richtung Eurobonds getan„, sagte der Grünen-Politiker. „Wir sind der Auffassung, dass dieser Euro gerettet werden muss“, fasste Trittin die Haltung seiner Partei zusammen.

Wir notieren: Eurobonds sollen kommen.


Wolfgang Franz („Sachverständigenrat“)

Gut ist, dass abzulehnende Vorschläge wie Eurobonds vom Tisch sind und dass die Staaten nicht mehr weiterwursteln oder gar Griechenland fallenlassen oder ausschließen“, sagte Franz der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Wir notieren: Eurobonds sind vom Tisch.


Joseph Ackermann (DBK)

„Ja, das trifft uns hart“, sagte Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann am Donnerstagabend am Rande des Euro-Krisengipfels in Brüssel in einem Interview des ZDF.

Der Bankchef sprach von einem guten Kompromiss zwischen den Interessen Griechenlands, des Steuerzahlers und der Investoren.

Die Verluste der Papiere liegen zu Marktkursen bei teils deutlich mehr als 50%.Die „Verlustbeteiligung“  eigenen Aussagen zufolge aber nur 21%. Wenn man zum Marktwert bilanziert hätte, dann dürfte die Bank sogar deutliche Zuschreibungen vornehmen. Wen das hart trifft, der hat die Bonds wohl ein bisserl hoch bewertet in der Bilanz stehen.


Peter Bofinger („Sachverständigenrat“)

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger lobte die von den Euro-Staaten vereinbarte Senkung der Zinsen für Griechenland. „Das ist für mich der entscheidende Punkt: Wenn öffentliche und private Gläubiger Griechenland die Kredite für Zinsen von nur noch 3,5 Prozent geben, ist das ein großer Fortschritt„, sagte Bofinger der „Rheinischen Post“.

Hm, lag nicht eines der Grundprobleme der letzten Dekade darin, dass man dachte es sei realistisch, wenn Griechenland und die BRD sich allen ökonomischen Unterschieden zum Trotz zum gleichen Zinssatz refinanzieren können? Seltsam.

Philipp Rösler (FDP)

18.07.2011

„Der Rettungsfonds EFSF darf nicht zum Gläubiger griechischer Anleihen werden, indem er solche Anleihen auf dem Sekundärmarkt selbst kauft“

22.07.2011

Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) wertete das Paket als Beleg für die Handlungsfähigkeit Europas. „Europa hat in einer schwierigen Situation gezeigt, wie stark es ist“.

Soso,

Zur Info: Das Vehikel EFSF soll Kompetenzen erhalten, Anleihen am Sekundärmarkt zu kaufen. Wirklich stark! Was solls, die strategische Grundausrichtung war ja bereits vier Tage alt. Eine Ewigkeit.

Die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen, aber wir wollen es mal nicht übertreiben. Genauso wenig interessiert uns das entsprechende politische Lager. Blau, grün, gelb, längsgestreift oder kariert – genausowenig wie bei dieser „alternativlosen“ –  und somit demokratielosen – aktiven Subventionierung des Finanzsektors spielte die Farbe des Leibchens seinerzeit bei der „alternativlosen“ Euroeinführung keine Rolle.

Schauen wir in einem Jahr nochmal herein, wie sich die oben stehenden Zitate dann lesen.

PS: Falls sich jemand zu Unrecht in dieser Liste findet, oder er oder sie meint, zu Unrecht nicht in dieser kurzen Aufstellung aufzutauchen, einfach per Kommentarkfunktion melden. Danke.

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10 Kommentare auf "Kurz notiert fürs Bankenstützungstagebuch"

  1. JayJay sagt:

    Super, und es wird sich sicherlich keiner melden, der zu Unrecht auf der Liste seht.

    Weiter so, AAA

    Gold & Silber Ahoi

  2. crunchy sagt:

    Transferunion = Perpetuum Mobile für den Geldadel: In den USA erfolgreich durchgeführt, wird es jetzt auf Europa übertragen.
    Politiker: Einfach mal nachdenken, wie man ohne Krieg die Taschen füllt!
    Was mich ärgert ist, dass dieses ausser der Linken keiner merkt: Die SED hat das im Kleinen auch schon bis zum bitteren Ende (die Kette riss) durchgeführt.
    Leider können die Ärmsten kein EM kaufen, sie werden bluten.

  3. auroria sagt:

    Was passiert eigentlich, wenn die Zinsen deutscher Anleihen über 3,5% steigen? Leihen wir uns dann für 4% Geld, um es für 3,5% an Griechenland weiterzugeben?

  4. auroria sagt:

    Jean-Claude Trichet:
    „Wir fordern einen Quantensprung in der wirtschaftlichen Aufsicht im Euro-Raum“

    „Unbestritten ist der Euro in den vergangenen zwölf Jahren ein bemerkenswerter Erfolg gewesen. Unsere Währung ist solide und stabil, und die Preisstabilität in Deutschland und in ganz Europa ist seit der Einführung vor 12 Jahren höher als in den 50 Jahren zuvor.“

    Eigentlich ist der ganze Artikel voll mit Zitaten von denen keines so wirklich ernst zu nehmen ist …

    http://www.sueddeutsche.de/geld/ezb-praesident-trichet-im-interview-die-soliditaet-der-zentralbank-ist-nicht-verhandelbar-1.1123620

    Zudem mahnte Trichet bei den Regierungen und europäischen Institutionen eine bessere Überwachung der Finanzpolitik an, „damit diese automatisch, schnell und so effektiv wie möglich funktioniert“.

  5. jean sagt:

    und unser Sarkozy sagte: „es gilt NUR für Griechenland…“
    Gleich nach dieser Aussage habe ich gesehen wie seine Nase ein Stückchen länger wurde.

    Wir werden in ein paar Monaten sehen und hören für NUR welche Länder das gilt…

  6. Dagobert sagt:

    …wie formulierte das der Altmeister, André Kostolany, in seinem Buch Börsenseminar von 1987 bzgl. der Fragen Bankenrettung/ Währungsreform/ Umschuldungen etc. kurz und bündig [Seite 171]:

    “Das allgemeine Wohl verlangt Lügen und Verrat. Mit etwas Zynismus würde auch ich behaupten, dass das ganze kapitalistische System eine Illusion, vielleicht sogar ein Schwindel ist – aber eben ein gut gemachter. Gott soll geben, dass er noch lange besteht.“
    Voilà

    Und jetzt ein GROSSES BRAVO an ROTTMEYER & Co für diese GROSSARTIGE Aufklärungsarbeit hier!

    P.S.:…kaufe einfach jedesmal eine Unze AG wenn ein „Member“ der „Elite“ wieder was ganz kluges zur Rettung …..erzählt – DAS war wirklich DER TIPP DES JAHRZEHNTS!

  7. bones sagt:

    Ok, Ostseezeitung von Reinhard Zweigler !

    Das Rettungspaket für Athen trägt unverkennbar die Handschrift der Deutschen. Hier bin ich rot geworden.

    Mit Ihrem kühl-rationalem Ansatz, die Dinge an der Wurzel zu packen, hat „Madam Merkel“ die Herrenriege der Sarkozy, Trichet und Co (wußte schon immer das mit lagarde was nicht stimmt) zum einlenken bewegt. Charmant und mit Druck, mit Argumenten und Finesse. Hut ab vor dieser Arbeit. Hier bin ich grün geworden.

    Ob die europäische Rosskur auch fruchten wird,…. Hier mußte ich lachen

    Mit dem Brüsseler Erfolg verabschiedet sich die Kanzlerin in die Ferien… und

    Doch mit Merkels Leidenschaft ist weiter zu rechnen.

    Hier hat dann doch meine Körperbeherrschung ausgesetzt.

    Grüße

  8. Gandalf sagt:

    Es gibt ein schönes (und erpobtes!) deutsches Wort für diese Art der Treue zum fehlkonstruierten Euro-Geldsystem:

    Nibelungentreue!

    Ob richtig oder falsch – Euro Euro über alles

  9. Frank2 sagt:

    Die, die es nicht verstehen, freuen sich und der, der es versteht, den trifft es hart.
    Dieser Artikel beschreibt recht deutlich, warum man nicht zuviel in phys. Silber investieren sollte – es wandert sich so schlecht aus damit.

  10. vegaman sagt:

    Ich versteh überhaupt nicht, warum das Zitat von Frau Merkel hier aufgeführt wird. Sie hat doch absolut Recht. Man muß es nur genau lesen und richtig interpretieren:

    „Was wir Deutschen für einen stabilen Euro aufwenden…“
    Ja genau! Was wenden wir denn für einen stabilen Euro auf? Was ist der Aufwand? Richtig! Es sind Verbindlichkeiten!!!!! WIR wenden VERBINDLICHEKEITEN auf !!!

    …und die bekommen wir dann später um ein Vielfaches zurück.

    Ist doch alles richtig und korrekt, Frau Merkel hat es kurz und knapp zusammengefasst. Soll noch einer später sagen, wir hätten es nicht gewusst, es hätte uns keiner gesagt oder Ähnliches; das wäre dann nämlich glatt gelogen!

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