Kurssturz verschoben. Problem nicht behoben.

26. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Blätter fallen und die Börsen hatten das eigentlich auch vor. Mächtige Zentralbanker wie James Bullard bekamen es in der letzten Woche offenbar mit der Angst zu tun…

Wer schaut schon gerne zu wie seine Ersparnisse dank eigener Worte dahinschmelzen, hieß es in Frankfurt. Mit ein paar warmen Worten redet Bullard die Kurse wieder hoch und klebte die Blätter wieder an die Bäume, trotz angekündigter Schneefälle.

Bei den echten Göttern da oben muss man über seine Machtfülle wirklich erstaunt gewesen sein. In der New York Post schrieb man, die Eingreiftruppe an den Finanzmarkten, das Plunge Protection Team hätte seine Finger im Spiel gehabt. Vor zehn Jahren noch wäre der Autor solcher Zeilen mitleidsvoll eingewiesen worden. Heute steht das einfach so in der Zeitung. Einfach so. Das nur nebenbei. Oder war es doch nur Bullard?

Bullard ist der Held des Monats bzw. der Mann fürs Grobe. Nicht dass er etwas Sinnvolles erzählt. Im Gegenteil. Die Hälfte davon ist sogar Unsinn und er liefert selbst den Beweis.

Wenige Tage vor dem Absturz redete Bullard steigende Zinsen herbei und den Stopp der Druckerpresse. Die Aussicht auf einen Entzug der Partydrogen führte rasch zu einem veritablen Kursrutsch.

Plötzlich aber sagte der Notenbank-Chefs von St. Louis das Gegenteil. Durch die Blume kündigte er nichts anderes an als ein 4. Quanitiative Easing und das Verschieben höherer Zinsen auf den Sankt Nimmerleinstag. So zumindest wollte man ihn so verstehen. Und die Party ging weiter. Bullard wäre nicht Bullard, wenn er in Kürze nach diesem Kursfeuerwerk schon wieder mit der Zinswende droht.

Entweder hat Bullard keine Ahnung, keinen Plan oder beides zusammen. Seine Äußerungen und auch ein paar Einlassungen seiner EZB-Kollegen ließen den DAX zeitweise um 700 Punkte in sechs Tagen steigen. Beschwert sich jemand? Nur, verbale Interventionsmittel nutzen sich ab. Dann folgt das nächste Gelddruckprogramm auch wirklich. Wetten?

Bullard kennt sicherlich auch die neue Studie der Citigroup, wonach pro Quartal 280 Milliarden US-Dollar frisch erzeugt werden müssen, um den Status quo an den Börsen zumindest zu halten. Als Zentralbanker hat er ohnehin die Aufgabe, die Märkte an der Nase herum zu führen. Darin ist er Meister und dabei auch nur ein Mensch wie seine anderen Kollegen. Nur wurden diese zu Göttern gemacht und die Leute wälzen sich vor ihnen im Staub, während sie die Märkte dirigieren.

Was aber, wenn auffallen würde, dass Bullard auch nur mit Wasser kocht und über selbiges nicht laufen kann?

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten



 

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Ein Kommentar auf "Kurssturz verschoben. Problem nicht behoben."

  1. Avantgarde sagt:

    Tja…..

    Ein Kreditgeldsystem ist eben genau KEIN Papiergeldsystem…… 🙂

    Der Kampf gegen den Zusammenbruch wird auch weiterhin an der Deflationsfront und nicht an der Inflationsfront geführt.
    Japan ist seit Jahren das Paradebeispiel – aber alle denken bei ihnen selbst sei alles anders.
    Pustekuchen.

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