Kursgipfel und „Gipfel-nicht-treffen“

24. Januar 2018 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Heute Nacht sind wir von der 33. Internationalen Kapitalanleger-Tagung der ZfU in Zürich-Regensdorf zurückgekehrt. Nach über drei Jahrzehnten ist der Finanzgipfel im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos nicht nur Tradition, sondern ein feste Größe.

Auch dieses Mal gelang es den Veranstaltern wieder einige höchst prominente Namen für ein Brainstorming der besonderen Art zu verpflichten. International den höchsten Bekanntheitsgrad hat Arthur B. Laffer, ehemaliger Wirtschaftsberater von US-Präsident Ronald Reagan und Entdecker der nach ihm benannten Laffer-Kurve. Diese besagt, dass es einen Punkt gibt, ab dem trotz steigender Steuersätze, die Steuereinnahmen wieder sinken.

Klar, dass Laffer in höchsten Tönen von Donald Trumps Steuerreform und deren positiven Fernwirkungen schwärmte. So wenig er sich zu den gesellschaftlichen Aspekten von dessen Präsidentschaft kompetent fühlt, bei der Steuerpolitik sieht er Trump definitiv auf dem richtigen Kurs. Ein ausführliches Interview mit Laffer planen wir für den Smart Investor 3/2018.

Auch schon eine kleine Tradition der Veranstaltung ist der geopolitische Rundumblick von Andreas Zumach: Der Genfer Korrespondent mehrerer deutschsprachiger Printmedien und Rundfunkanstalten beleuchtete nun schon zum dritten Mal in Folge die Konfliktherde dieser Welt und die wahrscheinlichen Konsequenzen und Entwicklungen. Seinen Schwerpunkt setzte er dieses Jahr in der Asien-Pazifik-Region, wobei diese strenggenommen den Nahen Osten – der eigentlich Westasien heißen müsste – einschließt. Zumindest so viel kann hier schon verraten werden: Eine Schlüsselrolle für die gesamte Region spielt die weitere Entwicklung in und um den Iran. Nicht nur Anleger sind daher gut beraten, die dortigen Entwicklungen genauestens zu beobachten. Auch hierzu mehr im Smart Investor 3/2018.

Ein weiteres Highlight war der Soziologe und Wirtschaftswissenschafter Professor Gunnar Heinsohn, der sich insbesondere mit den großen Tendenzen in der Bevölkerungsentwicklung befasst. Seit unserem letzten Interview im Smart Investor 8/2017 („Die den Karren ziehen“) ist zwar in diesen langen Trends naturgemäß nicht viel passiert, frische Studienergebnisse und Auswertungen liegen aber dennoch vor – und die bestätigen die negative Einschätzung von damals. Einige Länder hätten demnach inzwischen den „Point of no Return“ bereits überschritten, und dazu gehört auch das EU-Führungstandem Deutschland/Frankreich. Es fehlt an hochkompetenten Leistungsträgern, die in diesen Ländern für sich noch eine Bleibeperspektive sehen. Wer jung und begabt ist, wandert in die sogenannten Kompetenzfestungen ab.

Davos läuft sich warm

Leider scheint der Tagespolitik der Zugang zu solchen, eminent wichtigen, aber schleichenden Entwicklungen verwehrt zu sein. Aufgrund einer hohen Klientel- und Gegenwartsorientierung werden wichtige Weichen oft falsch oder auch gar nicht gestellt – wohl in der Hoffnung, dass die Konsequenzen dann erst von den Nach- und Nachnachfolgern im Amt zu tragen sind.

Während in Zürich-Regensdorf Klartext in der Sache gesprochen wurde, wird die Bühne in Davos vor allem genutzt, um eine öffentliche Wirkung zu erzielen. Auch Angela Merkel mochte der Versuchung nicht widerstehen, ihr angeschlagenes Image mit etwas „Große weite Welt“-Flair aufzupolieren. Wirklich Neues war von Merkels Rede schon deshalb nicht zu erwarten, weil sie vor den Koalitionsverhandlungen schlecht einseitige Festlegungen treffen konnte.

Warum etliche Kollegen dennoch von einer „mit Spannung erwarteten Rede“ schrieben, ist von hieraus nicht nachvollziehbar, vermutlich war das nur eine gedankenlose Floskel.

So als ob es vor der eigenen Türe nichts zu kehren gäbe, erhob Merkel einmal mehr den mahnenden Zeigefinger beifallsheischend in Richtung USA. Während die Angehörigen ihrer eigenen Zunft und die der Medien das nur allzu gerne beklatschten, lassen die versammelten Wirtschaftsmächtigen schon längst prüfen, wie sie von der US-Steuerreform profitieren können.

Merkel ist so sehr mit dem eigenen Machterhalt beschäftigt, dass sie noch nicht einmal zu merken scheint, wie Trump dem Hochsteuerstandort Deutschland das Wasser abgräbt. Noch bevor der US-Präsident morgen in Davos eintrifft, kehrt die Geschäftsführende nach Berlin zurück. So sehr sich ihr Umfeld bemühte, dies zur Normalität zu erklären („Termine“), erzeugt dies doch den Eindruck, dass es hier jemand mit seiner Abreise besonders eilig hat. Hit-and-Run-Diplomatie? Oder ist es einfach nur so wie im richtigen Showgeschäft auch: Die Vorgruppe verlässt die Bühne, bevor die Hauptband auftritt – und die wird tatsächlich mit Spannung erwartet.

Zu den Märkten

Mit einem Aufwärts-Gap sprang der DAX gestern auf ein neues Allzeithoch. Damit konnte das bisherige Allzeithoch von 13.525,56 Punkten am 7.11.2017 klar überwunden werden. Auch die Umsätze zogen an und unterstrichen damit das positive Bild („Volume goes with the trend“).

Auf dem nun erreichten Niveau zeigte sich der Markt dann aber erst einmal etwas zurückhaltender. Auch dies wäre nicht ungewöhnlich. Solange die Umsätze während einer solchen Konsolidierung zurückgehen, wäre das ebenfalls trendbestätigend. Erst wenn die Abwärtsreaktion das Ausbruchsniveau (blaue Linie) wieder nachhaltig und mit guten Umsätzen nach unten durchschlägt, müsste man charttechnisch von einem Fehlsignal ausgehen, das auf wieder fallende Kurse hindeuten würde. Den Kampf um das Ausbruchsniveau solle man also genau verfolgen, weil dessen Ausgang richtungsentscheidend ist.

Fazit

Während der DAX einen neuen Gipfel erreicht, herrscht beim Davoser Wirtschaftsgipfel ein gewisser Missklang: Die geschäftsführende Merkel „pestete“, wie das heute so schön heißt, einmal mehr gegen US-Präsident Trump – und verschwindet dann, bevor dieser in Davos eintrifft. Ganz großes Kino.

© Ralph Malisch, Ralf Flierl – Homepage vom Smart Investor

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