Kurioses & Absurdes

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Wie kann man sich so täuschen? Das fragte mich heute ein Börsianer auf dem Parkett in Frankfurt. Wie kann man sich so täuschen lassen? Das war meine Gegenfrage. Selbst die alten Hasen haben derzeit mehr Fragen als Antworten. Das Prinzip Hoffnung fährt wie die US-Autoindustrie auf Schienen voller Dellen in Richtung Schrottplatz.

Nun ist die Krise ist auch bei den deutschen Autobauern angekommen. Wundert sich jemand? Es sind nicht nur Autos, die jetzt weniger Kunden finden, es ist auch der Rest der Wirtschaft, die Probleme meldet. Premiere rechnet mit einem Verlust. Heidelberger Druckmaschinen stand heute unter selbigem. Jetzt hat es auch die Düngemittelproduzenten erwischt. Und auch die Chipindustrie meldet eine geringeren Nachfrage. Die Blue Chips jenseits der Banken sahen heute rot. Eine Enttäuschung jagt die nächste.

Der Dow Jones fiel um 350 Punkte. Heute früh noch sagte Börsenhändler Dirk Müller auf dem Parkett, dass man mit einem schwachen Markt den Druck auf die Senatoren etwas verstärkt, die morgen über das Rettungspaket für Banken entscheiden. Vielleicht hat man ja das Sicherheitsteam heute mal von der Wall Street an die COMEX geschickt.

Der Kreditmarkt in Lateinamerika ist eingefroren, berichtet Bloomberg. Frost, wohin das Auge schaut. Aus Spanien berichten Banker, dass es keine Finanzierungen mehr gibt, selbst nicht mit 50% Eigenkapital. Keine Darlehen, keine Leasingverträge – kein Geschäft – kein Aufschwung. Die Katze dreht sich im Kreis und beißt sich jaulend in den eigenen Schwanz. Und noch mehr Gerüchte machen ihre Runde…

Ist unser Geld sicher? Das hat unser Sender heute Mittag die Pressesprecherin des Bundesverbandes Deutscher Banken gefragt. Wäre der Bank-Run heute losgebrochen, ich hätte verstanden warum. Die gute Frau Altendorf wirkte etwas hilflos und erzählte immer wieder das Gleiche. Sie nennt aber keine Zahlen, wie hoch denn tatsächlich die Einlagen des Sicherungsfonds sind. Alles hat 30 Jahre lang funktioniert. Mich erinnerte die erste, zweite und auch die dritte Antwort an eine Schallplatte mit einem Sprung. Vertrauen, Sicherheit, Vertrauen, Sicherheit, Vertrauen, Sicherheit… „Wir hätten das Vorgespräch senden sollen…“ sagte ein Techniker.

Wilde Marder fressen gerade jetzt die Stromleitungen an, vorzugsweise an nicht isolierten Stellen. Ich wusste doch, dass Marder kluge Tiere sind. Doch dass sie ausgerechnet die Stromkabel der Geldautomaten zerbeißen, das war mir neu. Tausende Geldautomaten verweigerten die Geldausgabe. Jetzt zicken noch die Computer der Banken. Probleme gab es im Onlinebanking der Deutschen Kreditbank. Eine aufgezeichnete freundliche Stimme sagte etwas von Computerproblemen. Heute früh wurden angeblich wieder Marder im süddeutschen Raum gesichtet. Das liefert prima Argumente bei überzogenen Konten und einhergehender geplatzter Überweisungen. „Tut mir leid, mein Marder war wieder unterwegs.

Probleme gibt es auch im ganz hohen Norden. Die isländische Krone war heute im freien Fall. Ein kleiner Ausflug dorthin ist heute preiswerter geworden. Dabei galt Island nicht nur als Land der Gletscher und Geysire, sondern auch als Geheimtipp für den schnellen Euro. Es gab Zeiten, da waren dort mehr Hedgefonds unterwegs als Hundeschlitten. Nun, da sie weg sind, ist das Land eingefroren, und das schon Anfang Oktober.

Es ist verrückt, berichtet mir ein Edelmetallhändler aus Berlin. Die Kunden stürmen den Laden. Mit dicken Geldbündeln stehen sie am Tresen und stellen fest, dass andere schon schneller waren. Währenddessen bricht Silber um 13% ein, obwohl der Markt für Barren und Münzen leergefegt ist. Selbst bei Gold gibt es einen Kurssturz bei gleichzeitig noch nie dagewesenen Lieferengpässen. Jaja. Es ist eben ver-rückt. Doch es gibt noch andere Verrücktheiten.

Die UBS sieht schon wieder Licht am Ende des Tunnels. Ist es wieder ein entgegenkommender Zug? Ein kleiner Gewinn soll für die Bank im 3. Quartal herausspringen und für das nächste Jahr werden schwarze Zahlen erwartet. Das ist doch nicht normal für eine Bank! Doch! Ist es! Die amerikanische SEC hat nämlich einen Tag zuvor beschlossen, die Bilanzierungsregel für US-börsennotierte Unternehmen zu lockern. Sie sollen eine „begründete Beurteilung“ der künftigen Entwicklung des Marktwertes abgeben und die Verluste danach klassifizieren, ob sie nur vorübergehend oder dauerhaft sind, schreibt die FAZ. Bleibt die Frage, ob die UBS für das 3. Quartal und das nächste Jahr echte Gewinne oder eher „gefühlte Gewinne“ veröffentlicht. Wer kann das schon noch unterscheiden. Die Börse hat es jedenfalls schon mal vorgefeiert.

Wie kann man sich so täuschen, fragt heute der Händler. Wie kann man sich so täuschen lassen, fragte ich zurück.

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