Kultur ist leider keine Bank

28. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Es ist ein Graus! Wenn gespart wird, dann wohl immer erst bei der Kultur. Kein Massenthema! Nicht wahr? Diese wird am schnellsten auf Diät gesetzt, während die Diäten der Entscheider noch nie Schaden genommen haben. Apropos baden…

Im baden-württembergischen Karlsruhe wird gerade am Staatstheater gesägt, einer Heimstätte der Händel-Festspiele. Das mag Sie nicht interessieren. Mich schon!

Karlsruhe war auch darüber hinaus bislang immer ein Leuchtturm in der ohnehin immer weiter abgespeckten Opern – und Theaterlandschaft und auch ein Aushängeschild der Stadt.

Als Frankfurter war ich allein in diesem Jahr fünfmal dort. Künftig vielleicht gar nicht mehr, weil nur noch ein Standardprogramm aufgrund finanzieller Möglichkeiten machbar ist? Man kann ja auf YouTube oder auf andere Opernhäuser ausweichen. Letzteren wurde das Geld auf kleinste Summen zusammengestrichen. Karlsruhe ist ein Zeichen, dass es jetzt auch die Großen trifft.

Leider ist die Kultur keine Bank. Da würden die Diätenmacher selbst bei Milliarden nicht fackeln, siehe HSH Nordbank.

Ausbaden werden wieder mal die ohnehin schlecht bezahlten Künstler und diejenigen, die deren Arbeit noch zu schätzen wissen.

Es wäre doch schade, wenn man auf gut asphaltierten Straßen in die Stadt käme, dort aber nur noch eine Kulturwüste antreffen würde.

Von daher… unterschreibt bitte diese Petition, auch wenn sie wahrscheinlich nichts helfen würde. Und macht euch schon mal damit vertraut, die letzten Highlights 2016/17/18 live zu genießen. Bald gibt es wahrscheinlich überall nur noch den immer gleichen Einheitsbrei zu hören und zu sehen, während die Diäten-Köche in sinnlosen Projekten weiter die Millionen verplempern.  Link zur Petition

 

15 Kommentare auf "Kultur ist leider keine Bank"

  1. Skyjumper sagt:

    Ob die Reihenfolge des Streichkonzertes bei den verschiedensten Subventionen die richtige ist wage ich ja auch zu bezweifeln. Andere Posten gehörten da viel eher in die vorderste Reihe. Aber da ich gegen Subventionen jeglicher Art bin werde ich allein schon aus dem Grund die Petition nicht unterschreiben.

    Nichts gegen die Kultur. Ich geniesse sie viel zu häufig um etwas dagegen zu haben. Aber wo steht geschrieben das Kultur Subventionen bekommen muß? Die Menschen geben 100,- bis 150,- € für eine Konzert- oder Musicalkarte aus, und die Veranstaltungen werfen ganz ohne (direkte) Subventionen sogar Gewinne ab. Kleine Kabaretts kommen mit kleinen Etats klar und bieten durchaus anspruchsvolle Programme. Warum sollte eine Theater-/ Opernkarte weniger kosten? Warum sollte ein Museumsbesuch nicht kostendeckenden Eintritt kosten?

    Weil Kultur auch für den „kleinen Mann“ bezahlbar sein soll? Pauschaliert ausgedrückt findet man den „kleinen Mann“ überproportional häufig in den nicht subventionierten Kulturveranstaltungen, die gesellschaftliche Creme de la Creme dagegen überproportional oft auf den am höchsten subventionierten Kulturveranstaltungen. Das Argument vermag mich daher nicht zu überzeugen.

    Weil einige Kulturzweige dann vermutlich über kurz oder lang untergehen würden? Ja, das wäre wohl so. Würde ich das bedauern? Ja, bei einigen Zweigen ganz sicher. Aber auch Kultur ist eben keine Konstante. Sie ist den gleichen Entwicklungen und Veränderungen unterworfen wie die Gesellschaften die sie schafft. Kultur die nicht mehr genügend (zahlungsbereites) Interesse zu wecken vermag ist offenkundig nicht mehr ausreichend Teil unserer Kultur. Auch die Kultur sollte vergänglich sein. Denn ganz ehrlich: So manche drölfzigste „moderne“ Interpretation des Lohengrin u.a. ist an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten, was aber selbstverständlich auch Geschmacksache ist.

  2. PetraM sagt:

    Es darf nicht an Geldern für Kultur und Bildung fehlen, das ist ein Armutszeugnis für jede Gesellschaft. Und dass Geld fließen muss, steht außer Frage (leider nur 1,4 Mrd.€ beträgt der Kulturetat des Bundeshaushaltes 2016 gegenüber unzähligen Steuergeldverschwendungen, die hier mal beispielhaft aufgelistet sind: http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.einsparmoeglichkeiten-hier-versickern-steuergelder.dd79fba2-1a37-4bc7-a2be-8602860b8a43.html, allein für die Förderung und Verleihung von absurden Preisen gibt die Bundesregierung jährlich 15 Millionen Euro aus oder subventioniert mit 420 Mio.€ 24 der 30 DAX-Unternehmen(!). Gar nicht zu reden von den 39 Mrd. € für Militärausgaben.
    Wie es auch im Leitartikel steht: „…während die Diäten-Köche in sinnlosen Projekten weiter die Millionen verplempern…“. Es geht um den Erhalt des sozialen Kapitals, das nicht an der Börse gehandelt wird und keine Dividende abwirft, da „Kultur keine Bank ist“.
    Eine Operette, ein Musical lebt doch erst durch ansprechende Bühnenbilder, aufwändige Kleidung der Darsteller, Beleuchtung, Sänger und deren Maskenbildner, Orchester, Chor usw. Und das alles kann unmöglich nur über den Preis der Karte refinanziert werden. Hier gilt nicht die Devise des Marktes: Innovationen zur Produktivitätssteigerung. Wer möchte schon Roboter bei der Aufführung von „La traviata“ sehen?
    Wir müssen doch unseren Kindern auch etwas hinterlassen, das nennt sich kulturelle Bildung und kann nicht monetären Zwängen überlassen werden, das Ergebnis sieht man an den Auswüchsen im Privatfernsehen.

    • Skyjumper sagt:

      „……… (leider nur 1,4 Mrd.€ beträgt der Kulturetat des Bundeshaushaltes 2016………..“

      Die Zahl ist relativ wenig aussagekräftig. Hauptposten innerhalb des Kulturetats des Bundes ist bspw. die Deutsche Welle, also Radio. Nur ein sehr kleiner Teil dieser 1,4 Mrd. € fliessen direkt an Kulturinstitutionen. Die Kulturförderung liegt primär in der Länderhoheit und in den Landeshaushalten ist die Kultur fast immer mit dem Bildungsbereich gemeinsam verwurstelt. Echte Zahlen sind daher nicht so leicht rauszusuchen. Ganz abgesehen davon, dass die meisten Theater, Opernhäuser, Museen etc. ihre Hauptunterstützung durch die Städte und Kommunen beziehen in denen sie angesiedelt sind.

    • FDominicus sagt:

      Ja und warum müssen auch die dafür zahlen die so etwas nie besuchen würden?

  3. Insasse sagt:

    Opern und Operetten nutzen den sozialistischen Umverteilern von CDUCSUSPDGRÜNELINKE nichts im Rahmen Ihrer Propagandaarbeit. In diese Werke lässt sich nicht viel Sozialistisches hineininterpretieren. Also weg damit und her mit dem linksgrünen Propaganda-Einheitsbrei-Programm. In Rundfunk und Fernsehen ist das schon lange umgesetzt. Was in der DDR funktioniert hat, funktioniert mit den alten Ossi-Kadern an der Spitze im Westen erst recht.

    Deshalb: Für Frieden und Sozialismus… Seid bereit!… Immer bereit! 😉

    • PetraM sagt:

      Ich kann mich noch gut an viele Theaterabende, Besuche in der Oper in Berlin oder einigen Abenden bei einem „Distel“-Programm (kritisches, politisches Kabarett) mit der gesamten Familie erinnern. Das war einfach so üblich- man machte sich fein, der Alltag wurde zum Ereignis. In den Dörfern wurden sog. „Theaterbusse“ organisiert, fast alle hatten ein Theaterabo.
      Die Schauspieler oder Tänzer waren äußerst gut ausgebildet und gingen einer regelrechten bezahlten Tätigkeit nach. Die Häuser waren staatlich gut subventioniert. Das gute und preislich sehr moderate Angebot nutzten auch viele westdeutsche Besucher, das war allgemein bekannt.
      Nach der Wende habe ich mal „ Der geteilte Horizont“ gelesen, darin wird von ehemals umworbenen ostdeutschen Schauspielern deren Sicht auf die veränderte Lage anschaulich geschildert. Die Bilanz von Alfred Müller (der „James Bond des Ostens“): „Zwei Begriffe haben mich in meinem Leben umgehauen. Einen hörte ich im Krieg bei einem Gespräch zwischen zwei Offizieren über uns, den letzten Nachschub: Das ist doch hervorragendes Menschenmaterial. Nach der Wende kam dann der Spruch über den Marktwert, bezogen auf den Menschen, dazu.“
      Mehr braucht man dazu nicht zu sagen.

      • Insasse sagt:

        @PetraM: Die DDR war aber nicht nur Ost-Berlin. Die ostdeutsche Provinz war bekanntlich mit allem und somit auch mit der Kultur „nicht ganz so gut“ ausgestattet, wie das vom SED-Politbüro umsorgte Ost-Berlin.

        • PetraM sagt:

          Hallo, Insasse:-). „Besuche in der Oper in Berlin “ waren nur ab und zu ein Hightlight für uns, denn ich bin ein Fischkopp ohne Privilegien. War ein Weg mit der Bahn oder dem Auto. Aber es hat sich immer gelohnt:-).

          • Insasse sagt:

            @PetraM: Das liefe daraus hinaus, Herrn Meyer zu empfehlen, in die Hauptstadt zu fahren, um in den Genuss von Kultur zu kommen. Für Kultur hat(te) das völlig insolvente Berlin schließlich immer Geld. Also alles in guter alter DDR-Tradition. Ob ihn das zufriedenstellt? 😉

  4. FDominicus sagt:

    Bin nicht bei Ihnen (überraschenderweise) wer Kultur haben will soll dafür auch bitte zahlen. Ich sehe darin keine Staatsaufgaben und es geht auch anders wie so viele Konzerte etc beweisen. Wenn es sich nicht lohnen würde, gäbe es diese Konzerte wohl nicht. Ich sehe nicht ein warum ich für welchen Geschmack auch immer bezahlen muß.

    Und wie gesagt jeder nach seiner Fasson aber bitte auf eigene Rechnung.

  5. Igila sagt:

    @insasse:
    Endlich mal klare Worte! Das ist die Gefahr aus dem Osten …
    Mit zwei Spitzenkadern haben die Ossis den ganzen Westen in die Schieflage gebracht, von Wirtschaft über Politik bis zur Kultur! Nur 25 Jahre hat es gedauert. Erst Kohl & Co. abwarten, dann der Griff zur ultimativen Macht! Mit zwei Leuten – an allen alteingesessenen Politikern der Staatsparteien vorbei – zack, und es geht abwärts, auf allen Gebieten. Reife Leistung, oder? Das ist Effizienz auf höchster Ebene, da kommt die Marktwirtschaft nicht mehr mit. 🙂

    • Insasse sagt:

      @Igila: Sagen wir es so: Die beiden Kader aus dem Osten, haben den schon in Schieflage befindlichen Westen, inklusive des Ostens von der schiefen Bahn in den freien Fall gestoßen. Völlig unverständlicherweise unter eifriger Mithilfe der West-Politik.

      • PetraM sagt:

        Naja, werter Insasse- wie wir alles wissen, die DDR gibt es nicht mehr. Ich will auch keine Vergleiche anstellen, aber was die Subventionierung von „verlustgeplagten“ Einrichtungen anging (wie z. B. auch der Staatszirkus, Kino und eben auch Theater und Schauspiel) “ …hatte die DDR eine hoch subventionierte Kulturlandschaft hinterlassen , deren Theaterdichte enorm war – und die noch heute im Vergleich zu Westdeutschland beachtlich ist.“ Nachzulesen in Deutschlandradio/ Kultur unter „Bedrohte Theater“. Wie ich schon im vorigen Kommentar schrieb: „In den Dörfern wurden sog. „Theaterbusse“ organisiert, fast alle hatten ein Theaterabo.“- und diese Busse fuhren in den nächstgrößeren Ort mit Theaterbühne, meist nur 15- 20 km weit enternt. BERLIN war nur 1- 2x im Jahr dran, eben als besonderes hightlight.
        Es wundert mich nur, dass diese Regierung mit einem doch sehr beachtlichen Haushaltsetat (gegenüber der popeligen DDR) keinen Finger für den Erhalt von Bildung und Kultur rührt (oder immer weniger) und die eigene Verantwortung in das Privatinvestment abschiebt (ähnlich Privatfernsehen= Verfall des kulturellen Anspruchs).
        Eben neoliberal- der Staat zieht sich immer mehr aus seiner Verantwortung zurück. Aber das sind nur meine Gedanken- und diese erheben keinen Anpruch auf Allgemeingültigkeit:-).

  6. beccon sagt:

    Das Problem das ich mit steuerfinanzierter Kultur habe ist, daß das ein Faß ohne Boden ist. Eine kleine Minderheit geht in die Oper aber alle müssen es bezahlen. Dann kommen – zu Recht – die Off Theater und wollen auch etwas und am Schluß hat auch der Arbeiter ein Recht, sein Vergnügen subventioniert zu bekommen.

    Ich kann nicht verstehen, was von „Kultur“ übrig bleibt, wenn sie mit gewaltsam eingetriebenen Zwangsbeiträgen finanziert werden muß. Daran kann nichts schönes oder wertvolles mehr entdecken. Es bleibt immer ein häßlicher Schatten über alledem.

    Jede Sache hat nur dann einen Wert, wenn Leute *freiwillig* ihr Geld dafür hingeben – sei es durch Eintrittskarten, Spenden oder Vermächtnisse. Das kann beim „Staatstheater“ (welch ein Wort) per Definition nicht der Fall sein.

    Kultur kann hat auch nur dann einen Wert, wenn sie zu gesellschaftlich relevanten Dingen Stellung beziehen kann. Das kann sie aber nicht, wenn sie durch ihre Finanzierung parteisch ist. Vom Staatstheater würde ich erwarten, daß es selbigen in den höchsten Tönen preist.

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