Kuhhandel statt Stabilitätsorientierung – „Super-Mario“ zur EZB

4. Mai 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart-Investor

Mit der Diskussion um den Nachfolger des EZB-Chefs Trichet und der wahrscheinlichen Durchsetzung Mario Draghis werden die üblichen politischen Mechanismen wieder offenbar. Mit Draghi wird auf Trichets Stuhl jemand Platz nehmen, der keine Stabilitätsakzente setzen wird…

Wohin wandert die EZB?

Die Anzeichen mehren sich, dass im Herbst der Römer Mario Draghi Jean-Claude Trichet als Chef der europäischen Notenbank folgen wird. In letzter Konsequenz geht es ohnehin nur darum auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner jemand zu finden, der den Schuldensünden-Staaten nicht weh tut. Da Draghi auch von Sarkozy gestützt wird, muss sich Deutschland mit Posten in der zweiten Reihe zufrieden geben. Der mögliche Trichet-Nachfolger Axel Weber hat schließlich die Segel gestrichen und die Kanzlerin es versäumt, einen alternativen deutschen Kandidaten ins Rennen zu schicken.

Bislang sind auch Gerüchte noch nicht verstummt, dass Draghi eine PR-Agentur beauftragt haben soll, um seinem Konkurrenten Weber eine schlechte Presse anzuhängen. Wie auch immer, „Super-Mario“ – wie Draghi gern genannt wird – hat schon einmal den Überblick verloren. Bis 2005 war Draghi in führender Position bei Goldman Sachs tätig und verantwortlich für das Geschäft der Bank mit einzelnen Staaten.

Und welche Bank half Griechenland bei der Aufhübschung der Bilanz? Richtig, es war Goldman Sachs. Angeblich hat „Super-Mario“ davon allerdings nichts gewusst und als die Vorwürfe laut wurden seine Hände in Unschuld gewaschen. Zwar gilt Draghi als Pragmatiker, was sich aber auch manchmal als etwas feinere Umschreibung einer opportunistischen Haltung erweisen kann. Draghi ist der Notenbank-Chef eines Landes, das zu einem der europäischen Problemfälle gehört und hat noch dazu in verantwortungsvoller Position bei einer Investmentbank gearbeitet, die Griechenland beim Tricksen geholfen hat. Und damit erhält die Ernennung eines EZB-Präsidenten, zu dessen erster großer Herausforderung der Umgang mit der griechischen Schuldenmisere gehören wird, einen üblen Beigeschmack. In jedem Fall signalisiert die Wahl, dass die Politik niemand an der Spitze will, der die wirtschaftlichen Sündenfälle der EZB in Zukunft vermeiden will.

Osama und Obama

Bestimmt wurden die heutigen und gestrigen Nachrichten jedoch von einer vermeintlichen Sensation: Die USA haben den „Terrorfürsten“ Osama zur Strecke gebracht! Ob er nun tatsächlich getötet wurde oder das Ganze nur eine Inszenierung war, um Obama einen Startvorteil im beginnenden Präsidentenwahlkampf zu verschaffen, sei dahin gestellt.

Einer Illusion sollte man sich aber keinesfalls hingeben: Dass die Welt dadurch entscheidend sicherer wird. Ganz im Gegenteil. Die Bilder fahnenschwenkender und feiernder US-Amerikaner werden eher das Fundament für weitere Anschläge legen und damit zu verstärkter Unsicherheit in der politischen Großwetterlage führen. Auch aus diesem Grund wird sich der Run auf Krisenwährungen, allen voran Gold, weiter fortsetzen…. (Seite 2)

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5 Kommentare auf "Kuhhandel statt Stabilitätsorientierung – „Super-Mario“ zur EZB"

  1. wolfswurt sagt:

    ….“der Römer Mario“… – …“hat den Überblick verloren“… – …“angeblich eine Agentur beauftragt um Weber schlecht dahstehen zu lassen“ – …“aus einem Land welches selbst ein europäisches Problemland ist“ diese Beschreibung läßt nur einen Scluß zu:

    Europa geht den Weg des Imperium Romanum!

    Zu wünschen wäre hier eine Abseitsposition Deutschlands die es ermöglichen würde sich dem kommenden Strudel zu entziehen.

    Da die deutsche „Elite“ unter extremen Mangeldenken leidet sollte ein jeder auf die Ereignisse der spätrömischen Untergangsphase vorbereitet sein.

  2. KatharinaMichels sagt:

    Lieber Herr Meyer,

    mal wieder kurz und prägnant auf den Punkt gebracht. Schade, dass Sie das den Zuschauern auf n-tv nicht so schön erklären dürfen.

    • Frank Meyer sagt:

      Der Beitrag stammt aus dem Smart-Investor. Stoppen Sie beim Lesen mal die Zeit. Solche lange Sendestrecken habe ich nicht…aber diesen Blog hier mit dem Bankhaus Rott.

  3. rolandus sagt:

    Mit dankenden Grüßen nach München. Eine besondere Farce kann dem noch hinzugefügt werden, nämlich dass an allen Orten gezeigte Foto, wo Obama und Co angeblich dabei zu sehen, wie bei Merkel für Freude gesorgt wird…. so ein billiger Nonsens! Im weissen Haus muß wirklich Feuer unter dem Dach sein, wenn es denn überhaubt noch eines gibt.

    Vielen Dank für die Kooperation mit einem Klassemagazin
    rolandus

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