Krisenspirale dreht sich weiter

25. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Claus Vogt

Irre Zentralbanker-Logik: Probleme, die durch Gelddrucken entstehen, sollen durch noch mehr Gelddrucken gelöst werden…

Seit Ende der 90er Jahre befindet sich die Welt in einer regelrechten Spekulationsblasen- und Krisenspirale. Deren Mechanismus ist folgender: Die Zentralbanken sorgen mit einer ultra-expansiven Geldpolitik für die Entstehung einer Spekulationsblase. Die Blase platzt, und die negativen Folgen werden spürbar. Diese Folgen bekämpfen die Zentralbankbürokraten mit derselben Politik, die zu der gerade geplatzten Blase geführt hat, allerdings müssen sie die Dosis erhöhen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Das Ergebnis ist die Entstehung einer noch größeren Blase, deren unvermeidliches Platzen dann noch schlimmere Folgen hat, usw.

Wir befinden uns inzwischen in der dritten Umdrehung dieser geldpolitischen Krisenspirale. Die erste Umdrehung war die große Aktienblase Ende der 90er Jahre, die im Jahr 2000 platzte. Damals waren übrigens nur die als „New Economy“ bezeichneten Sektoren betroffen. Andere Teile des Marktes waren hingegen neutral und einige sogar unterbewertet.

Wild gewordene Zentralbanker stecken hinter der Krisenspirale

Ohne die für damalige Verhältnisse massiven Gegenmaßnahmen der Notenbanken wäre es zwar zu einer schweren, aber durchaus erträglichen Rezession gekommen. Mehr nicht. Aber Politik und Geldpolitik wollten das unter allen Umständen verhindern. Deshalb fuhren sie schwere geld- und staatsschuldenpolitische Geschütze auf und bereiteten den Boden für die nächste Blase.

So kam es zur zweiten Umdrehung der Krisenspirale, die von der vielleicht größten Immobilienblase aller Zeiten geprägt war und von einer Echoblase an den Aktienmärkten begleitet wurde. Diese Blase platzte in 2007. Da die Ungleichgewichte und Fehlentwicklungen viel größer waren als im Jahr 2000, kam es dieses Mal trotz sofort erfolgter und ganz massiver geldpolitischer Eingriffe zu einer sehr schweren Rezession. Außerdem war das Großbankensystem de facto Pleite und das gesamte Finanzsystem stand plötzlich auf der Kippe.

Wieder fiel die Antwort der Verantwortlichen genauso aus wie zuvor: Staatsverschuldung und ultra-expansive Geldpolitik. Allerdings wurde die Dosis noch einmal massiv erhöht. Es folgte der schwächste und künstlichste Wirtschaftsaufschwung aller Zeiten, während im Hintergrund massive Fehlentwicklungen und Ungleichgewichte entstanden, die um ein Vielfaches größer sind als bei den vorangegangenen Episoden.

Die nächste Krise wird noch heftiger ausfallen

Im Zentrum dieser dritten Umdrehung der Krisenspirale befindet sich eine allumfassende Anleihenblase, die ebenfalls von einer Echoblase an den Aktienmärkten begleitet wird. Der folgende Chart zeigt Ihnen die US-Aktienmarktkapitalisierung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), eine von Warren Buffet favorisierte fundamentalanalytische Kennzahl zur Bewertung des Aktienmarktes. Wie Sie sehen, ist die Überbewertung derzeit erheblich größer als im Jahr 2007.

Anhand einiger anderer, hier nicht gezeigten Kennzahlen ist die aktuelle Überbewertung sogar größer als im Jahr 2000. Denn im Unterschied zu damals geht die aktuelle Aktienblase sehr viel mehr in die Breite und hat nahezu alle Sektoren gleichermaßen erfasst.

Das Ausmaß und die Dauer der aktuellen Blase lassen vermuten, dass die Fehlentwicklungen und Ungleichgewichte noch sehr viel größer sind als in 2007. Schon deshalb befürchte ich, dass die Zentralbankbürokraten mit dem erneuten Drehen an der Krisenspirale eine Krise vorbereitet haben, die alles bisher Gesehene in den Schatten stellen wird.

US-Aktienmarktkapitalisierung im Verhältnis zum US-BIP, 1950 bis 2015

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Die fundamentale Überbewertung des US-Aktienmarktes war nur Anfang 2000 noch etwas höher als heute. Quelle: St. Louis Fed

Darüber hinaus gibt es aber noch ein weiteres gewichtiges Argument: Die meisten Probleme, die im Anschluss an die Krise der Jahre 2007 bis 2009 sichtbar wurden, wurden nicht etwa gelöst, sondern bestehen unvermindert weiter. Aufgrund der politischen Weichenstellungen der vergangenen Jahre sind sie heute sogar größer als je zuvor.

Schauen Sie sich diesen wichtigen Punkt noch einmal etwas genauer an. Denn mehr noch als Ausmaß und Dauer der aktuellen Spekulationsblase legt dieser Punkt die Vermutung nahe, dass mit dem Platzen der aktuellen Blase eine schlimmere Krise ausgelöst wird als die des Jahres 2008.

Während sich die Aktienmärkte halbieren, werden Gold und Silber steigen

Im Moment deutet alles darauf hin, dass sich die US-Weltleitbörse am Beginn einer Baissephase befindet, die sehr heftig ausfallen wird. Während die Party an den Aktienmärkten zu Ende geht, spricht bei den Edelmetallen alles für den Beginn einer ausgeprägten Hausse: Die fundamentalen Rahmenbedingungen, bestehend aus einer völlig unseriösen Geld- und Staatsschuldenpolitik, sind extrem bullish für Gold. Und wenn die Weltwirtschaft tatsächlich eine Rezession erlebt, wird diese irrwitzige Politik sogar noch extremistischer werden als sie ohnehin schon ist. Dann werden mehr und mehr Anleger erkennen, wie groß die Probleme des Finanzsystems sind, die von den Zentralbanken sehenden Auges heraufbeschworen wurden. Dann wird eine anhaltende Flucht aus zunehmend fragwürdiger werdenden Zahlungsversprechungen in Gold und Silber stattfinden.
© Claus Vogt – Krisensicher Investieren

 

2 Kommentare auf "Krisenspirale dreht sich weiter"

  1. FDominicus sagt:

    Schreibe ich seit Beginn in meinem Blog, hat eine Partei als Einzige als ein zentrales Problem im Programm und die Deutschen wählen weiter kräftig SPD/CDU/Grüne/Linke.

    Ach ja und schreiben die Österreicher seit mehr als 200 Jahren. Beispiele wie so was ausgeht kann man zu hunderten in „this time is different“ nachlesen.

    Macht aber alles nichts. Verbote, Belügen, Gesetze brechen eint derzeit alle maßgeblichen EU-Politiker. Und was Dragi macht, hat ja mit „Staatsfinanzierung“ alles mit Preisstabilität nichts zu tun.

    Es gilt die Inflatonsdoktrin: Bei zu viel Inflation hilft nur noch mehr Inflation. Genaus wie bei Schulden. Schulden bezahlt man am Besten mit anderen Schulden….

  2. Helmut Josef Weber sagt:

    Ja- man kann auch Feuer mit Feuer bekämpfen; warum also nicht Schulden mit Schulden?
    Wir rechnen heute in Milliarden so selbstverständlich, wie noch vor einigen Jahren in Millionen.
    An die Billionen gewöhnen wir uns auch noch.
    Alle Papierwerte müssen vor dem Zusammenbruch in exorbitante Höhen getrieben werden, denn nur so können Schulden abgebaut werden, wenn dann der „Schnitt“ stattfindet.
    Nur wenn Vermögen vernichtet wird, werden auch die Schulden vernichtet.
    Und wenn dann letztendlich Billionen vernichtet werden können, ist der Staat entschuldet.
    Und dann beginnt wieder alles von vorne.
    Man wird es uns als gerechte Maßnahme gegenüber den Reichen verkaufen und die Edelmetallbesitzer als Parasiten hinstellen, weil sie sich davor schützen woll(t)en, enteignet zu werden.
    Wer dann seine Edelmetalle dort lagert, wo der Staat zugreifen kann, wird zumindest teilweise enteignet.
    Die Gesetze für eine Enteignung von Edelmetallen können in einer Nachtzitzung der Regierung geschaffen werden und der Michel wird darüber jubeln, dass er nun gleich wieder bei LIDL und ALDI einkaufen kann, wenn die Glotze ihm dazu mal Zeit lässt.
    Den 40% der Deutschen, die heute schon durch Altersarmut bedroht sind, kann man nicht mehr viel nehmen und die 10% die ihre Geld/Edelmetalle im Ausland haben auch nicht.
    Da bleiben nur die 50% die den Versprechen zu Renten, Maastricht, dem Euro geglaubt haben; und diese 50% wählen auch immer wieder die Parteien, die sie belogen und betrogen haben.
    Aber wir leben in einer Demokratie und da darf man auch wählen gehen ohne sein Gehirn eizuschalten.
    Also Leute, kauft alles was in Papieren gehandelt wird, denn wir brauchen Euch für einen Neuanfang.

    Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

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