Krisen-Quintessenz

28. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Die wichtigsten Punkte zur Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise aus Sicht der Österreichischen Schule. Der alles entscheidende Kern der Krise ist das faule Geldsystem. Dem weltweiten Papiergeldsystem fehlt seit 1971 jede Deckung. Das hat eine massive Geld- und Kreditausweitung durch Politik und Zentralbanken ermöglicht…

Dreh- und Angelpunkt der Krise: Das faule Geldsystem

Nur durch das beliebig vermehrbare Papiergeld war die derzeitige exorbitante Verschuldung überhaupt möglich. Das mengenweise neu geschaffene Geld gibt völlig falsche Preissignale vor, die massenhaft zu Fehlinvestitionen verleitet haben. Dies hat zu einem künstlichen Boom geführt, den man über Jahrzehnte durch immer neues Geld aufrecht gehalten hat. Die zwangsläufig notwendige Bereinigung der Fehlentwicklungen durch einen Bust hat man so immer weiter hinausgezögert.

Doch je länger man ihn aufhält umso schlimmer werden seine Auswirkungen. Eine Bereinigung ist letztendlich unabdingbar, und der Tag der Abrechnung rückt unaufhaltsam näher. Aber nicht nur für die gigantischen Verwerfungen, die zur derzeitigen Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise geführt haben, ist das faule Geldsystem verantwortlich. Auch eine ganze Reihe von weiteren Auswüchsen in unseren Wohlfahrtsstaaten gäbe es in einem gesunden Geldsystem nicht. Schlicht und ergreifend, weil es das Geld dafür gar nicht gegeben hätte. So wären beispielsweise die zuletzt von Herrn Sarrazin thematisierten, unfassbaren Missstände in der Einwanderungs- und Sozialpolitik genauso wenig entstanden wie unsere krebsartig wuchernden, bankrotten Wohlfahrtsstaaten insgesamt. Fast überall wo heute eklatanteste Missstände zu beklagen sind, sind sie durch Staatsinterventionen entstanden, die nur mit Papiergeld durch ständig wachsende Verschuldung finanzierbar waren.

Dreh- und Angelpunkt des gesamten Geschehens ist das faule Geldsystem mit der darin möglichen unbegrenzten Geld- und Kreditexpansion durch die Zentralbanken. Der dadurch erzeugte künstliche Boom ist das eigentliche Übel mit massivsten Fehlentwicklungen. Sie müssen zwangsläufig in einem Bust bereinigt werden. Je länger man ihn hinauszögert, desto schlimmer werden seine Auswirkungen. Es gibt keinen schmerzfreien Weg aus der Krise.

„Was die Leute nicht verstehen ist, dass der Boom das Leiden ist und der Bust die Heilung. Alles was die Regierung tut, ist konzipiert um das Leiden zu verlängern und die Heilung zu verhindern.“ (Ludwig von Mises)

„Gelddrucken“ – Inflationierung im Teilreserve-Bankensystem

Bei der Geldvermehrung im sogenannten Teilreserve-Bankensystem handelt es sich um einen subtilen Mechanismus, mit dem eine Währung nach Belieben durch neues Geld – von den Zentralbanken geschaffen und über die Geschäftsbanken vervielfacht in Umlauf gebracht – inflationiert und damit entwertet werden kann. Diesen Vorgang in seiner schlimmsten Form, bei dem im Endeffekt legales Falschgeld in ganz großem Stil in Umlauf gebracht wird, nennt man verschleiernd und beschönigend Monetisierung oder Quantitative Easing. Er ist dem Normalbürger nur schwer begreiflich zu machen.

Wer das „Gelddrucken“ der Zentralbanken befürwortet, der befürwortet die niederträchtige Entwertung des Geldes. Geldentwertung bedeutet Entwertung der Ersparnisse und damit des Ertrages der gesamten darin steckenden Lebensarbeit der Menschen. Nur sehr wenige Menschen erkennen, dass es eine Form des Diebstahls an dem Geld und der Arbeit der Bürger ist.

„Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.“ (Rothschild, 1863)

Zentralbank-Reserven, das Maß der möglichen Geldschöpfung

Beim Quantitative Easing oder Monetisieren kaufen die Zentralbanken Staatsanleihen mit neu geschaffenem Geld. Dabei ist es gleichgültig ob sie direkt neu ausgegebene Staatsanleihen von den Staaten auf dem sogenannten Primärmarkt oder bereits ausgegebene Anleihen auf dem Sekundär- oder offenen Markt kaufen. In beiden Fällen erhöhen sich die Reserven der Zentralbanken um den Kaufbetrag. Die Erhöhung der Reserven ist ein Maß für die Erhöhung der Geldmenge, die im Teilreserve-Bankensystem insgesamt möglich ist. (Seite 2)


#

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2 3 4

Schlagworte: , , ,

8 Kommentare auf "Krisen-Quintessenz"

  1. wolfswurt sagt:

    Ein morscher, faulender und verwirrter Geist erzeugt als Folge ein morsches, faulendes und verwirrendes Geldsystem.
    Nicht umgekehrt.
    Das diese morschen, faulenden und verwirrten Geister keine Gesundung einleiten können versteht sich von selbst.

  2. Reiner Vogels sagt:

    Eine vollkommen richtige und einleuchtende Analyse. Trotz der spürbaren Polemik ist der Text m.E. immer noch eher sanft und rücksichtsvoll formuliert. Die Akteure hätten auch noch Deutlicheres verdient.

    Eine Frage zum Wetten: Zwischen der ersten „Eurorettung“ im Mai 2010 und der „Eurorettung“ im Juli dieses Jahres lag ein gutes Jahr. Bis zur aktuellen „Eurorettung“ hat es dann nur noch gut drei Monate gebraucht. Deutlich sichtbar ist die Tendenz zur Verkürzung der Zwischenzeiten. Offensichtlich gefallen sich die Regierungen Europas als Staatsschauspieler. Sie führen gerne vor atemlosem Publikum ihre dramatischen Selbstinszenierungen auf.

    Und nun die Frage: Müssen wir bis zur nächsten „Eurorettung“ bis zum nächsten regulären Gipfeltreffen der EU am 9. Dezember warten oder dürfen wir uns darauf freuen, das es noch im November zu einem neuen öffentlichen Schauspiel in Brüssel mit einer dann wieder neuen, diesmal aber endgültigen und absolut sicheren „Eurorettung“ kommt?

    Mein Tipp: Da die vorgeschlagenen Hebelungsmodelle für die EFSF mangels einer ausreichenden Zahl von Investoren, die gerne ihr Geld zum Fenster hinauswerfen, kaum gelingen werden, wird man bessere Hebel benötigen. Deshalb wird man wohl noch im November eine neue Eurorettung inszenieren.

    Ich bin kein Journalist, aber ich könnte mir vorstellen, dass es für Journalisten, die immer auf der Jagd nach aufregenden Storys sind, zur Zeit herrliche Zeiten in Europa sind.

  3. Takuto sagt:

    Ein super Artikel mit vielen sehr interessanten Zitaten. Nur eines finde ich peinlich, das Festhalten am Kapitalismus. Dieser führt immer zu einer Geld- und Machtkonzentration und löscht daher eine Demokratie immer aus. Ohne progressive Steuern geht es daher nicht, und das wäre dann schon einen Form des Sozialismus. Allerdings sind das nur Worte, und es ist immer wichtig, diese genau zu definieren.

    • Lotus sagt:

      Nun, das Festhalten am Kapitalismus ist in Verbindung mit unserer sozialen Marktwirtschaft zu sehen. Deshalb war der gemilderte Kapitalismus bis zur Jahrtausendwende kein Problem. Erst seitdem die damalige Regierung auf die Globalisierung reagieren mußte und wollte (Zeitgeist, Lobbyisten), entwickelte sich der Raubtier-Kapitalismus. Ich gebe daher Dirk Müller ausdrücklich recht, der sagte, Deutschland versäumte die Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft. Komischerweise gab es damals etliche Stimmen in der Bevölkerung, die das Unheil des Raubbaus am Volk erkannten. Aber wie es immer ist, kam dies in der Regierung nicht an. Regierungsbeamte sind durch ihren Aufstieg immer der Gefahr ausgesetzt, Machtpositionen für ihr eigenes Fortbestehen (Egoismus) auszunutzen. Das gilt für jeden Kanzler, jeden Präsidenten, jeden Vorstand. Die Gefahren erkannte die Bevölkerung schon bei zeiten. Es wurde mehr und mehr gefühlt, jedoch durch Statistiken nicht belegt.

    • Frank Meyer sagt:

      Ich finde es großartig, dass diese Beiträge zu einer so interessanten Diskussion führen. Möge sich das bessere durchsetzen. Allein das darüber nachdenken ist wesentlich deutlicher geworden in den letzten Wochen und Monaten als in den letzten Jahren zusammen genommen.

      • Hagen aus Dresden sagt:

        ja, es bewegt sich was, es gibt dafür köstliche Beispiele, z. Bsp. die letzte „Beckmann-Sendung“ in der ARD wo Prof. Hörmann am Schluss gegenüber von Dirk Müller und neben Phillip Rössler und Theo Waigel saß. Das entsetzt nachdenkliche Mienenspiel von Rössler, das drübersteherische Getue von Waigel als Hörmann seine Dinge vortrug und das Grinsen von Müller dabei war unbezahlbar… für alles andere gibt es „Mastercard“ (noch…)

      • Lotus sagt:

        Ja Sie haben recht. Was mich nur stört ist, daß Journalisten immer noch nicht mutig genug sind, ihre Macht einzusetzen. Ein Volk der Masse kann das nur über Demos tun. Jedoch die Presse hat in ihren Zeitschriften und Medien Möglichkeiten, die weitaus wirksamer sind. Leider muß ich sagen, daß sie ihrer Aufgabe nicht gerecht werden. Es ist deshalb gut so, deren Zeitungen nicht mehr zu kaufen. Genauso wie Illner, Will, Maischberger, Beckmann und Jauch den Zuschauer verwirren und „schön fragen“, deshalb keines Sehens verdienen. Es ist nicht auszuhalten das Nettsein von Moderatoren und Antworten der Politiker zur Blendung fürs Volk. Hier werden Fehlgesetze und Klientelpolitiker mit Applaus gekrönt. Furchtbar.

  4. Hagen aus Dresden sagt:

    …nette Analyse, die nur leider wie so oft in einer Sackgasse endet, nämlich in der Feststellung, dass es Marktwirtschaft nur im Kapitalismus oder irgend einem anderen unsäglichen „….xxxmus“ geben kann.

    Einen Einstieg ins Nachdenken über das System bietet das Interview mit Franz Hörmann hier auf dem Blog…

    … was allerdings passiert, wenn nichts passiert kann man hier nachlesen, wenn man bereit ist, sein Gehirn von Denkfallen zu befreien!

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.