Kreischende Weihnachten!

30. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Pünktlich zur Öffnung der Weihnachtsmärkte biegen sich wieder die DAX-Kurven nach oben und schnellt der Glühweinverbrauch hoch. Unter den Konsumforschern ist Panik ausgebrochen…

Ja, in diesem Jahr wird wieder geschrien vor Glück, wenn man nach Weihnachten ins leere Portemonnaie schaut. Alles ausgegeben! So zumindest sehen das alle Jahre wieder die Konsumforscher, was auch an Glühwein und dem Rauch der Räucherkerzchen liegen könnte.

Laut Einzelhandelsverband (HDE) werden 2014 die Ausgaben für Weihnachtsgeschenke durchschnittlich bei 447 Euro liegen nach 397 Euro im Jahr 2013 liegen. 2012 waren es angeblich 362 Euro. Soweit ich mich erinnere, wurden die beiden letzten Jahre kleinlaut mit einem Rückgang abgerechnet.

Noch eine Frage tut sich auf… Wenn der HDE mit einem offiziellen Umsatzplus in November und Dezember von 1,2 Prozent auf 85,5 Milliarden Euro rechnet, woher kommt dann der Anstieg der prognostizierten Ausgaben von 397 auf 447 Euro? Das sind 12,6 Prozent? Die Weihnachtsengel werden es wissen.

Andere Zahlengaukler wie die GfK sehen in ihrer schneegetrübten Kugel auch wieder ein heldenhaftes Konsumwunder. Jeder Deutsche wird 285 Euro für Geschenke ausgeben. Ich dachte mehr?

Als Grund für diese Zuversicht werden auch fallende Ölpreise genannt. Beim Tanken bleibt so mehr in der Tasche. Stimmt! So habe ich, und Sie werden es nicht glauben, 3.000 Liter Diesel auf einmal getankt und 2.960 Liter daneben fließen lassen. Plötzlich hatte ich 300 Euro für Weihnachtsgeschenke übrig. Ist das nicht toll?

Auch die stabile Arbeitsmarktlage hebt laut GfK die Stimmung. Und, oh Wunder, wir geben dennoch statistische drei Euro weniger aus als noch 2013. Schon letztes Weihnachten ging konsumtechnisch völlig in die Hose.

Noch schlimmer sieht es die Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Sie rechnet mit einem Rückgang der Ausgaben für Geschenke von 20 Prozent auf 209 Euro. Ja wie jetzt? Könnte es sein, dass sich die Prognose des HDE aus der Umfragesumme von Ernst & Young + GfK zusammensetzt?

„Erfahrungsgemäß kaufen viele Kunden erst in der Adventszeit Weihnachtsgeschenke. Denn dann sorgen Weihnachtsmärkte und Dekorationen für weihnachtliche Stimmung.“

sagt der Einzelhandelsverband. Ach was. ich dachte immer, zu Ostern oder kurz davor. Nein? Wer solche tiefsinnigen Analysen zu erstellen vermag, dem traue ich noch viel mehr zu…

Wieviel geben Sie 2014 für Weihnachtsgeschenke aus?

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    Vielleicht befragt die GfK ihre 2.000 Verbraucher in Luxusboutiquen und Kaviarausgabestellen. Übrigens im Auftrag der EU-Kommission. Dafür haben wir Geld.

    Renner des Jahres werden diesmal handgehäkelte Topflappen, denn diese will die EU künftig wegen Verbrennungsgefahr verbieten. Wie wir bislang trotz Topflappengebrauchs haben überleben können, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, welche Party in den Köpfen der Experten stattfindet, aber wäre gerne dabei. Wobei, ich hasse Eierlikör!

    ©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



     

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    3 Kommentare auf "Kreischende Weihnachten!"

    1. Michael sagt:

      Herr Meyer,
      Sie haben mir wieder mal, eigentlich wie jeden Sonntag, den tag gerettet !!! Herzlichen Dank für Ihre Zeilen.

      • Frank Meyer sagt:

        Das war gar nicht meine Absicht! 🙂 Denn beim genaueren Hinsehen, ist jeden Tag ein Rettungstag, nur unterbrochen von Geburtstag.

        Und mal ehrlich… es ist doch herrlich gerade… Nicht zu warm draußen, keine UV-verletztenden Stahlungen, kein schlechtes Gewissen, die Heizung aufzudrehen und 3 Kilo Industrie-Zimsterne für 1,50 Euro. Wenn man das Zimmer auf 79 Grad hochzeizt, hat nicht nur einen kostenosen Sauna-Besuch, sondern noch so viel gespart, dass man dafür in den Urlaub fahren könnte. Nein?
        Herzliche Grüße! 🙂

    2. bluestar sagt:

      Das war wieder Spitze !!!
      In einer globalisiert asozialen Welt, wo Moral und Ethik und zunehmend auch der Verstand auf der Strecke bleiben und der Konsum das Maß aller Dinge und Zufriedenheit ist, müssten da Konsumforscher nicht in Glücksforscher umbenannt werden ?

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