Kreide für den Wolf

22. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Was für ein merkwürdiger Titel? Richtig. Die seltsame Überschrift bedarf natürlich einer Erklärung: An der Tür zu meinem Arbeitszimmer hängt ein Poster. Darauf abgebildet ist kein Popstar, auch kein Supersportler oder eine Blumenwiese – sondern das Konterfei von Roland Baader. Darunter steht eine Bemerkung, die diesem genialen Vordenker der Freiheit zugeschrieben wird:

„Das einzig wahre Menschenrecht ist das Recht, in Ruhe gelassen zu werden“.

Wer ausschließlich Börsenkurven analysiert, der hat den Namen Roland Baader möglicherweise noch nie gehört. Das ist zweifellos eine gravierende Bildungslücke, denn schon vor mehr als 20 Jahren, im Taumel der Wendezeit eines gerade wiedervereinigten Deutschland, hat dieser im vergangenen Jahr leider von uns gegangene Freiheitsdenker in nahezu gespenstischer Präzision jene Entwicklungen prophezeit, die sich heute vor unser aller Augen abspielen: Die Rückkehr des Sozialismus in seiner bislang hässlichsten Maskerade.

Baader JPG

Mit der Börse hat das mehr zu tun, als Sie jetzt vielleicht vermuten. Dort zeigt sich der neue Sozialismus beispielsweise in Form von Markteingriffen und Manipulationen. Ob bei den Zinsen, beim Gold oder an den Aktienbörsen – die freien Kräfte der Märkte sucht man dort mittlerweile weitgehend vergeblich.

Übrigens: Wenn der „böse Wolf“ Kreide frisst, dann will er damit seine Stimme verstellen, um so seine wahren Absichten zu verbergen. So jedenfalls haben es die Gebrüder Grimm erzählt.

Lesen wir also einmal nach bei Roland Baader, wer sich in unserer heutigen Realität verstellt – und was das für uns alle zu bedeuten hat. Nachfolgend einige Zitate:

„Der Sozialismus am Ende?

Nein, Freunde: Niemand ist weiter von der Realität entfernt als jene, die glauben, durch den Bankrott der östlichen Herrschaftssysteme liege der Sozialismus in Agonie. Ganz im Gegenteil: Im Gewand des Reformators, des Erneuerers, des vom Stalinismus „gereinigten”, in der Schnell-Waschanlage mit Glasnost und Perestroika gewachsten, von den Betonköpfen befreiten Edel-Erlösers taucht er im neuen Cherub-Gewand wieder auf, gewinnt er durch das theatralische Ablegen seiner Stasi- und Kalfaktor-Fratze, durch das Überziehen einer demokratischen, diskussionsfreudigen und pluralistischen Maske erst so richtig an charismatischer Heilsaura (Seite 9)

(…)

Was am Kapitalismus „kalt” und „unmenschlich” sein soll, das ist die Tatsache, dass er den Menschen keine Illusionen vorgaukelt von einem irdischen Paradies der Edlen, der „solidarischen” und „neuen” Menschen, sondern dass er sie so akzeptiert wie sie sind: egoistisch und hilfsbereit, verschlagen und offen, dumm und gescheit, faul und fleißig, nüchtern und verträumt. Was am Sozialismus „menschlich” sein soll, das ist in Wirklichkeit nur die Illusion, der Irrtum und der Wahn. Diesseits und jenseits des Wahns aber ist stets er es, der Sozialismus, der kalt und unmenschlich die Fratze der Tyrannei, den Stehkragen der Spitzel, die Hungerödeme des Elends und die Stiefel der Gefängniswärter tragen muss. (S. 11)

Nur ein Land und eine Regierung, die es sich „leisten” können, gigantische Summen an Arbeitskraft und Ressourcen, an Steuer- und Spargeldern ihrer Bürger zu verschwenden, kann sich das angeblich „humanitäre” Mäntelchen des „mittleren Weges” umhängen. Die Mitte zwischen Effizienz und Bankrott ist schon immer nur das gerade noch erträgliche Elend gewesen, und die Mitte zwischen Wahrheit und Lüge das feige Rattentum der lauwarmen Anbiederer und Duckmäuser. Ohne die kapitalistischen „Erbsünden” des Privateigentums an den Produktionsmitteln und der freien Preise für alle Produktionsfaktoren und Produkte bleiben alle „Reformen” Makulatur. […] Indem man über die Systematisierung der Verschwendung nachdenkt und über die Verwaltung des Mangels, indem man über die Ideologisierung des Elends und das ferne Paradies palavert und „mitbestimmt”, kann man die Übel nicht beseitigen, sondern nur bei ihrem eitrigen Geruch mitstinken. Demokratie ohne Marktwirtschaft bleibt ein Versprechen, das niemals eingelöst werden kann. (S. 11f.)

Dieses Buch ist nicht geschrieben worden, um erklärte Sozialisten (also solche, die Sozialisten sein wollen und sich als solche verstehen) zu Nicht-Sozialisten oder Antisozialisten umzukrempeln; das wäre so schwer oder so unmöglich wie einen Ochsen in eine Kuh zu verwandeln – oder umgekehrt. Dieses Buch wurde geschrieben, um denjenigen, die sich nicht für Sozialisten halten, zu zeigen, dass sie dennoch Sozialisten sind, und um ihnen aufzuzeigen, was sie wissen und begreifen müssen, um wirklich das sein zu können, was sie zu sein glauben: freie Menschen. Und dieses Buch wurde geschrieben, um alle gutgläubigen „Geißlein” der freien Welt vor dem Wolf des Sozialismus zu warnen, der in seinen östlichen Jagdgebieten und überall auf der Welt erkannt, entlarvt und erschlagen zu sein scheint, während er – wie in jenem alten deutschen Märchen – nur vorläufig aufgibt, um Kreide zu fressen und in neuer Tarnung auf Raub auszugehen. (S. 13)… (Seite 2)



 

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