Kredit-Crash

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Bitte? Die Aktienmärkte crashen? Ja, das ist wohl so richtig. Jedenfalls haben sie das in den letzten Tagen am liebsten getan. Was sie nächste Woche tun werden, wissen die Götter. Was hat das alles mit Aktien zu tun? Sehr viel. Und auch nichts. Schließlich sagen doch die Experten, dass Aktien derzeit nicht teuer sind. Aber das taten sie schon immer, auch vor drei Monaten. In der Tat, es geht diesmal nicht um eine Über – oder Unterbewertung. Die Bewegungen an den internationalen Märkten werden zur Zeit von einem ganz anderen Crash beherrscht, dem Implodieren der Kredite. Die „Aufschuldung der Subjekte“ ist am Ende, liest es sich im gängigen Börsendeutsch. Jetzt läuft gerade die Rückabwicklung. Und da ist es egal, ob eine Allianz 100 oder 60 Euro kostet. Alle verkaufbaren Werte werden liquidiert. 30 Billionen USD weltweit sind inzwischen weg.

Sind sie weg? Hat das Geld jetzt ein anderer? Ich zumindest hab es nicht. Gab es dieses Geld überhaupt? Nun, da unser heutiges Geld Kredit ist, dessen Leistung erst noch erbracht werden muss, begann nach dem Zerschneiden des an Gold geknüpften Bandes ein neues Zeitalter. Seitdem sind Billionen und aber Billionen aus den Notenbanken, vor allem aber aus den ganz normalen Geschäftsbanken gequollen. Wer glaubt, dass Banken nur das verleihen, was man ihnen für eine gewisse Zeit borgt, der glaubt auch an Klapperstörche. Und das tun fast alle. Leihe ich einer Bank Geld, dann nimmt sie dieses als Grundlage, um darauf Kredite herauszugeben. Sie gibt ein Vielfaches darauf heraus. Bekommt das einer, ist das Geld auf einmal da, kann ausgegeben oder investiert werden. Doch es stammt aus dünner Luft, aus dem Nichts. Und dorthin verschwindet es derzeit auch wieder.

Doch die Schulden bleiben und gebären Zinsen. Der Vorgang ist etwas komplizierter, doch im Grunde genommen ist es ganz einfach. Kreditberge müssen unbedingt wachsen, sonst passiert gerade das, was man heute Kreditkrise bzw. Finanzkrise nennt. Ohne neue Kredite funktioniert eine „moderne“ Wirtschaft heute nicht. Droht eine Rezession, verbilligt die Notenbanken das Geld, die Banken geben die niedrigeren Zinsen weiter und ein neuer „Aufschwung“ kann starten. Und so hat der Markt über Jahre eingeatmet, eingeatmet und noch tiefer Luft geholt. Kein Wunder, wenn jetzt die Lungen platzen.

Kreditsysteme sind darauf angewiesen, dass es immer einen noch Dümmeren gibt, der weiter Kredite aufnimmt, bzw. vorhandene übernimmt. Die Verbriefung von Krediten galt bis vor wenigen Monaten noch als Königsdisziplin der Finanzmärkte. Selbst unsere Regierung hat sich stark dafür gemacht, dass diese als innovativ angesehene Verbriefungsmaschine schneller und schneller rotiert. Greenspan meinte, damit werden die Risiken weltweit gerechter verteilt und die Dummköpfe haben ihn gefeiert. Doch die Party ist zu Ende. Das Zelt ist eingestürzt, die Trümmer fliegen durch die Luft.

Wer kann diesen Kreditzyklus wieder aufheizen? Sie? Ich glaube nicht. Ich? So blöd bin ich nicht. Die Banken? Die ziehen sich gerade zurück und horten Liquidität. Die Notenbanken? Naja, die Tränke kann sie ja füllen, saufen müssen die Esel aber schon selbst. Doch sie wollen nicht. Geben die Banken jetzt freizügiger jemandem Kredit? Ach was! Und jetzt?
Zur Zeit nimmt jedenfalls niemand gerne mehr Schulden auf. Der Schnippgummi feuert zurück und verpasst den Anlagepreisen harte Schläge. Mich würde es nicht wundern, wenn jetzt eine ganze Lawine an Gewinn – bzw. Verlustwarnungen über das Börsenparkett weltweit fegt und mangels Refinanzierungsmöglichkeiten eine ganze Reihe von Unternehmen über die Wupper gehen.

Unternehmen refinanzieren in normalen Zeiten ihre alten Schulden. Doch was ist heute schon normal? Bei der Hypo Real Estate ging das schon mal schief. Die Depfa wurde stranguliert. Auch bei der IKB soll das Wasser schon wieder bis zum Hals stehen, und von den anderen Schuldnern haben wir noch gar nichts gehört. Doch haben jemanden vergessen: Uns. Pardon, den Staat. Er hat die Möglichkeit Geld auszugeben, das er nicht hat, um Dinge zu fördern, die keiner braucht, um Bürger zu beruhigen, die sonst unruhig werden. Nicht umsonst ist die Betondichte in Japan 28 mal höher als in Westeuropa.

Mich würde es auch nicht wundern, wenn es bald heftige Konjunkturprogramme geben wird. Auch wenn diese jetzt von der deutschen Politik abgelehnt werden, schauen wir doch mal, was der Weihnachtsmann in wenigen Wochen aus dem Sack lässt. Vielleicht gibt es ja doch dicke XXL-Geschenke. Öko-Kühlschränke für alle, wäre doch eine nette Option. Wie wäre es mit Steuerschecks?

In Amerika ist man mit dem Verteilen von Konjunkturpaketen wesentlich schneller. Auf ein paar mehr oder weniger Billionen neuer Schulden kommt es doch nun wirklich nicht mehr an. Ben Bernanke hat 2002 gesagt, dass er notfalls die Hubschrauber startet, und Geldsäcke abwerfen lässt. Vielleicht hilft es ja. Bis dahin werden die Experten bei Wikipedia das Wort „Deflation“ studieren und neben anderem Mumpitz fordern, dass man die Esel zwangstränken muss.

Sollte ich in den kommenden Wochen „unkonventionelle Maßnahmen“ des Geld-Abwerfens sehen, gehe ich in Deckung. Denn dann zieht der Rauch einer sich anbahnenden Inflation durch die Gegend mit der Option, ein Flächenbrand zu werden.

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