Krach in China. Wirklich?

20. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Nachdem es zum Wochenende hin an den Börsen in Europa und Amerika recht ordentlich gekracht hat, mache ich mir schon heute ein paar Gedanken darüber, welche von den großen Börsen am besten abzuschneiden versprechen, sobald der Spuk vorbei ist…

Bei allen Bedenken, vor allem im Hinblick auf die zuletzt stark gestiegenen und deshalb für kurzfristige Gewinnmitnahmen anfälligen Kurse chinesischer Aktien, erscheinen mir diese aus den im Folgenden genannten Gründen besonders interessant.

Noch mehr Kontrast ist kaum denkbar: „China geht die Luft aus“, überschrieb die FAZ einen Artikel in der abgelaufenen Woche. „Goldgräberstimmung bei Chinas Staatsunternehmen“, hielt die Neue Zürcher Zeitung dagegen. Was also? Ganz einfach: Nach offiziellen Angaben der chinesischen Statistiker wuchs die Wirtschaft Chinas im ersten Quartal dieses Jahres nur um 7 Prozent – wobei das Wort „nur“ lächerlich ist, hält man sich dagegen die trotz aktueller Besserung immer noch mickrigen Wachstumsraten in Europa vor Augen. Abgesehen davon sind chinesische Statistiken mit Vorsicht zu genießen.

Und was hat es mit der Goldgräberstimmung auf sich? Sehr viel, denn China will die Seidenstraße wiederbeleben, Synonym für gigantische Investitionen in die Infrastruktur auf der Strecke zwischen dem eigenen Riesenreich sowie Europa und Afrika, wo die Chinesen bekanntlich schon zahlreich präsent sind. Profiteure der Maßnahmen sollen unter anderem chinesische Staatskonzerne werden, deren Kapazitäten derzeit nicht genug ausgelastet sind.

Über die Staatskonzerne wacht die Aufsichtsbehörde Sasag, bislang nicht gerade so erfolgreich, wie die Regierung sich das wünscht. Jetzt soll alles in Bewegung geraten. Das haben die chinesischen Börsen während der vergangenen Monate zum Teil schon mit Kurssprüngen vorweggenommen. Chinas Politik und Wirtschaft sind unzertrennlich. Also wird das Projekt Seidenstraße auch weiter auf die Börse ausstrahlen, zwischenzeitliche Rückschläge inbegriffen. Das sollte man im Auge behalten, wenn die Börsen in Hongkong, Shanghai und Shenzhen zwischenzeitlich mal den Rückwärtsgang einschalten.

Chinesische Aktien werden mittlerweile weltweit rege gehandelt, auch in Deutschland. Wenn Sie im Internet, dort beispielsweise auf der Seite Ihrer Direktbank, in der passenden Rubrik Hang Seng anklicken, erfahren Sie, dass dieser Index 50 Aktien enthält, deren Umsätze an deutschen Börsen sich zum Teil durchaus sehen lassen können. Ich bediene mich unter anderem der Internetseite comdirect.de (keine Schleichwerbung, sondern die Macht der Gewohnheit). Private Anleger können je nach Aktie ohne Bedenken sogar bis zu fünfstellige Summen einsetzen, wobei Limits allemal zu empfehlen sind. Die Kursverläufe der im Index enthaltenen Aktien können Sie verfolgen, wenn Sie die Zahl 50 anklicken. Sie werden dann unter anderem auf Aktien der von der Sasag überwachten Konzerne China Mobile und CNOOC stoßen. Das ist allerdings kein Qualitätsmerkmal.

Am besten, Sie klicken sich zu Beginn durch alle 50 und vergleichen ihre Kursverläufe mit denen der Indizes Hang Seng und Shanghai Composite. Dann werden Sie schnell große Unterschiede feststellen, die sich allein schon aus der verschiedenen Wucht ergeben, mit der die beiden Indizes zuletzt gestiegen sind. So hat der Hang Seng seit dem vergangenen Dezember um gut 20 Prozent zugelegt, der Shanghai Composite sogar um rund 50 Prozent.

Ich habe mir zur Gewohnheit gemacht, beide Indizes zu verfolgen. Da es sich bei dem aus Shanghai wegen der vielen in ihm enthaltenen Wachstumsaktien um ein heißes Eisen handelt, verfolgt man ihn als privater Anleger am besten auch über einen ETF (Exchange Traded Fund = börsengehandelter Fonds), zum Beispiel über den von mir am 16. Februar 2014 auf goldseiten.de empfohlenen mit der Wertpapier-Kennnummer (WKN) DBX0NK. Seitdem hat er sich mehr als verdoppelt, was für die chinesische Börse allerdings nicht ungewöhnlich ist. Er bildet die Börsenentwicklung in Shanghai recht gut ab. Achtung, sein Preis kann schon bald stärker schwanken, sodass man das Pulver nicht auf einmal verschießen sollte, und er eignet sich nur für spekulative Anleger! Letzteres gilt auch im Hinblick auf drei weitere ETF: HSI Ucits ETF (WKN ETF022), HSCEI Ucits ETF (WKN ETF023) und FTSE China A50 Ucits ETF (WKN ETF024).

In der Börsianersprache formuliert: Nehmen Sie China-Aktien und -Fonds als Beimischung in Ihr Depot auf. Neben dem Seidenstraßen-Effekt spricht noch ein anderer positiver Gesichtspunkt für ein Engagement nach dem nächsten Börsenrücksetzer: Die chinesische Zentralbank schaltet total auf Expansion um. Ihr Chef hat das erst vor einem Monat in einer Rede vor internationalem Publikum bekräftigt. Zur Expansion gehört auch die Belebung des Immobiliensektors, der grob gerechnet mit 25 Prozent zur chinesischen Wirtschaftsleistung beiträgt. Hier sind die Überkapazitäten weitgehend abgebaut, und in den Städten beginnt die Nachfrage wieder zu steigen. Viel Glück mit Ihren China-Aktien!

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Berater oder Verkäufer?

Haben Sie jemals daran gedacht, die Vorsorge für Ihre Gesundheit vollständig einem einzigen Arzt zu überlassen? Oder einen Rechtsstreit dem Ihnen schon nach kurzem Gespräch vertrauenswürdig erscheinenden Anwalt zu übertragen?

Oder Ihre im Schuhkarton verwahrten Steuerunterlagen unsortiert dem Steuerberater Ihrer Wahl weiterzureichen? Oder die Aufsicht über Ihren Neubau allein dem Architekten und den von ihm ausgesuchten Handwerkern anzuvertrauen?

Ich hoffe zu Ihren Gunsten, dass Sie im ersten Fall selbst initiativ geworden sind und obendrein mindestens noch einen zweiten Arzt konsultiert haben, dass Sie sich im zweiten Fall vorzeitig in Ihren Rechtsfall vertieft und ihn mit einem Spezialisten statt mit einem Wald-und-Wiesen-Anwalt durchdiskutiert haben, dass Sie im dritten Fall den Inhalt des Schuhkartons wenigstens nach Einkommensklassen sowie nach Einnahmen und Ausgaben vorsortiert haben und dass Sie im vierten Fall während der entscheidenden Etappen der Bauaufsicht selbst eingeschritten sind.

In allen vier Fällen haben Sie es mit gestandenen Berufen zu tun, deren Honorare in bestimmten Bandbreiten mehr oder weniger festgelegt werden. Zugegeben, die Bandbreiten sind flexibel. Aber immerhin gibt es sie, und seriöse Vertreter aus den genannten Berufsgruppen sollten in der Lage sein, Honorare zu vereinbaren, die Ihnen nicht zum Nachteil gereichen.

Versetzen Sie sich nun in die Lage eines Rat suchenden Anlegers. Er wird, was Geldgeschäfte angeht, mit allen erdenklichen, rechtlich nur unzureichend regulierten Berufsgruppen konfrontiert: Anlageberater der Banken und Sparkassen, Vermögensverwalter, freie und gebundene Mitarbeiter von Finanzvertrieben, Versicherungsmakler und -vertreter, Honorarberater und Finanzplaner. Die einen arbeiten auf Provisions-, die anderen auf Honorarbasis; beides ist möglich und vom Gesetzgeber halbwegs geregelt, allerdings nur formell. Es handelt sich um Neuland, entstanden aus der Not heraus, etwas für Anleger tun zu müssen, wenn wieder mal ein Anlageskandal zu beklagen war. Effektiver Anlegerschutz sieht anders aus.

Substanziell liegt viel im Argen. Welche Berater, Makler oder Vertreter was empfehlen dürfen, um den finanziellen Zielen ihrer Kunden gerecht zu werden, steht in den Sternen, aber nicht in Gesetzen. Allein schon deshalb sind ihre Kunden gezwungen, selbst so tief wie möglich in die Geldmaterie einzusteigen. Ist ihnen der Einstieg erst einmal bis zu einem gewissen Grad gelungen, gilt es, das erworbene Wissen für die eigene Finanzplanung zu nutzen. Dieses Vorgehen erscheint schon vom methodischen Ansatz her erfolgversprechender, als die Finanzplanung extern zu verlagern.

Vergleichsweise einfach ist die Entscheidung für angemessene Versicherungen, wie zur privaten Haftpflicht ein Leben lang, zur Risikoleben bei jungen Familien oder zum Hausrat, falls wertvolle Einrichtungsgegenstände zu versichern sind. In diesen Fällen muss das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Preisvergleiche sind in Medien wie Finanztest oder Ökotest zuhauf nachzulesen, wohingegen man die Leistung erst dann testen kann, wenn es um den Service geht. Auch die Baufinanzierung sollte keine Probleme bereiten, vorausgesetzt, Eigenkapital und laufendes Einkommen stimmen. Einen ersten Überblick vermittelt die Internetweise fmh.de

Schwieriger wird es bei der Geldanlage. Hier stehen Anleger, sobald sie sich sinnvollerweise entschlossen haben, ihre Finanzplanung selbst in die Hand zu nehmen, vor einem Mengenproblem: Es gilt, aus den unzähligen Informationsquellen, zu bezahlenden und freien, die richtigen auszuwählen. Viele, wie die Internetseiten finanzen.net, goldseiten.de oder comdirect.de, enthalten jede für sich bereits so umfangreiche Informationen, dass man bei ihrer Lektüre leicht vergessen könnte, was die zu bezahlenden Seiten noch drauf haben. Wer die Qual der Wahl mindern möchte, sollte der Einfachheit halber bei google.de Stichworte eingeben, um auf Internetseiten zu stoßen, die das eigene Anlagespektrum am besten abdecken.

Anlageberater und die anderen Helfer in Sachen Geld sind ebenso mit der Informationsfülle konfrontiert wie die Anleger. Sie können indes nur einen ganz geringen Bruchteil ihrer Zeit nutzen, um auf individuelle Wünsche der Anleger einzugehen. Daraus folgt, dass diese gut beraten sind, so weit wie möglich selbst in die Geldmaterie einzusteigen. Je früher, desto besser.

Manfred Gburek – Homepage



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